Ich schreibe grade meinen nächsten Blogeintrag von meinem Lieblingsplatz aus, einer Bank direkt vor dem Farmhaus, während Café (mein Lieblingshund) auf meinem Schoß liegt.
Ein Monat ist es jetzt schon her, dass Carina und ich auf der wunderschönen Farm, Nähe Latacunga angekommen sind. Auch wenn der Anfang etwas schwer war habe ich mich hier sehr schnell eingelebt und die Farm ist schon wie ein 2. Zuhause geworden.
Das Leben hier im Projekt ist super einfach und gleichzeitig super schön. Im Grunde besteht unser Alltag aus Schlafen, Arbeiten, Essen und wieder Schlafen. Aber diese Einfachheit genieße ich sehr.
Carina und ich stehen immer um 6 Uhr auf, frühstücken kurz und fangen danach an zu arbeiten. Meistens gehen wir erstmal eine Runde mit den Hunden und danach kommen immer unterschiedliche Aufgaben auf uns zu.
Auf der Farm leben knapp 100 ehemalige Straßenhunde, denen hier ein neues Leben geboten wird.
Viele Hunde machen viel Schmutz und dementsprechend auch viel Arbeit. Wir Beide haben die letzten Wochen die Felder von Plastik befreit, damit wir jetzt anfangen können ein klein bisschen Landwirtschaft zu betreiben und die Felder mit lokalen Obst und Gemüse zu bepflanzen. Es gibt also immer etwas zu tun und so etwas wie Langeweile habe ich hier noch nicht kennengelernt.

Ab durch die Hecke

Ich glaube ich habe auch vorher noch nie so viel gegessen und geschlafen, wie hier. Die körperliche Arbeit ist echt anstrengend, weshalb ich auch essen kann, wie ein 2 Meter großer Mann und spätestens um 9 Uhr im Bett liege und schlafe.
Die Arbeit macht aber auch großen Spaß. Heute habe ich gelernt mit einer Motorsäge umzugehen und habe mein erstes Holz mit der Axt geschlagen. Was mir aber am meisten Freude bereitet sind natürlich die Hunde.
Man bekommt so viel Liebe von den Hunden zurück, dass ist ein wunderschönes Gefühl. Morgens stehen schon die ersten Hunden am Fenster und begrüßen einen mit einem saftigen Kuss auf der Wange. Und sobald man das Haus verlässt, ist man erstmal von 10 Hunden umzingelt, die an einem rumknabbern und bis unters Kinn springen. Die etwas grobe Liebkosung der Hunde bedeutet aber leider auch, dass ich über und über mit blauen Flecken übersäht bin, was ich aber gerne in Kauf nehme.
Auf jeden Fall ist auf die Gesellschaft einiger Hunde immer Verlass. Egal wohin es geht, der Begleit-Trupp ist garantiert. Das ist einerseits super schön, kann einem aber auch die einen oder anderen Nerven kosten. Z.B. wenn man grade mit der Picke die Erde bearbeiten möchte und sich ein Hund unbedingt genau auf diesen Fleck Erde setzen muss, auch wenn er knapp 37 ha mehr zur Verfügung hätte.
Aber die Hunde sind nicht die einzigen Herausforderungen, denen man sich hier stellen muss. Grade erst hatten wir 2 Tage lang kein Wasser und mussten uns mit abgekochtem Flusswasser waschen. Einmal kurz Lust auf ein Eis haben oder die Milch beim Einkaufen vergessen, ist nicht drin. Das würde nämlichen eine 40-minütige Autofahrt in die nächste Stadt bedeuten, da es nicht mal eine richtige Busverbindung gibt.
Aber zum Glück habe ich meine wunderbare Mitfreiwillige Carina, mit der jede Herausforderungen zu einem großen Spaß werden kann. Hierzu eine kleine Momentaufnahme. Wir Beide sitzen frierend, hungrig und total dreckig, weil wir uns nach dem Tag arbeiten auf dem Feld nicht duschen konnten im Flur und versuchen unsere Laune mit Schlagermusik auf trapp zu halten und genau in dem Moment kotzt uns einer der Hunde, die mit im Haus leben dürfen vor die Füße. Anstatt, dass wir Beide angewidert und genervt sind gucken wir zwei uns nur an und brechen in Gelächter aus.

Aber überhaupt macht der atemberaubende Blick auf den Vulkan Cotopaxi, der quasi in unserem Garten steht und die Freiheit, Gelassenheit und Offenheit der Leute auf dem Land alles wieder wett.
Ich bin wahnsinnig froh all diese Erfahrungen machen zu dürfen. Ich glaube in der Stadt hätte ich solche Erlebnisse nicht gehabt und ich bin für diesen kleinen Fleck Erde, mit all den Hunden und den lieben Menschen, mit denen ich hier zusammenarbeite, jeden Tag dankbar. Das macht auch das Aufstehen um 6 Uhr morgens umso einfacher 😉

Unser Farmhaus

Café und ich


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