Ich habe vor meine Ausreise versucht, mir so wenig Vorstellungen von dem Freiwilligendienst zu machen, wie es nur geht. Einerseits, weil ich wusste, dass es letzten Endes eh ganz anders sein wird und weil ich dachte ohne genauere Vorstellungen könnte ich mich vor Ort auch besser auf die Situationen einlassen.
Für mich waren nur zwei Sachen klar: Ich werde aufs Land kommen und mit Tieren arbeiten, so wie ich es mir gewünscht habe und ich werde an einen Ort kommen, an dem ich mich 10 Monate einleben darf und mit viel Glück ein kleines zweites Zuhause finden werde.
Ich durfte auch die ersten 3 Monate in dem tollen Projekt leben und arbeiten. Die Menschen dort, die Hunde, die Cotopaxi-Region und Latacunga sind mir in der kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen.
Vor etwa zwei Wochen kam dann doch alles anders als in meinen Vorstellungen. Carina und ich werden unser Projekt wechseln. Die Gründe dafür, warum wir zwei uns mehr oder weniger freiwillig dafür entschieden haben sind hier nicht relevant.
Ich möchte euch einfach nur erzählen, wie ich mich in der Zeit danach gefühlt habe.
An dem Tag nachdem wir beschlossen haben das Projekt zu verlassen, sind wir noch einmal auf die Farm gefahren, um uns von den Hunden zu verabschieden und unsere Sachen zu packen. Ich musste an diesem Tag sehr viel weinen. Einmal, weil der Abschied auch bedeutete, dass ich Café (meinen Lieblingshund) doch nicht mit nach Deutschland nehmen kann und weil ich mich von dem Ort, an dem ich mich eigentlich so wohl gefühlt habe verabschieden musste.
Ich muss gestehen, dass ich in den Tagen danach auch oft daran gedacht habe meinen Freiwilligendienst abzubrechen und zurück nach Deutschland zu gehen. Einmal, weil es mir sowohl physisch als auch psychisch nicht gut ging und weil ich mir zu dem Zeitpunkt auch kein anderes Projekt vorstellen konnte.
Glücklicherweise wurden wir von der Gastfamilie von Johanna und Greta (zwei anderen Freiwilligen) vorübergehend ganz herzlich aufgenommen. Die Familie, die beiden Mädels und vor allem Carina haben mir in den Tagen ganz viel Rückhalt gegeben.
Die Familie, Greta und Johanna haben uns Beide sowohl abgelenkt als auch neue Zuversicht geschenkt. Carina und ich haben uns dann dazu entschieden erstmal in den Urlaub zu fahren, um eine erholsame Zeit nach dem Trubel zu verbringen und um die Zeit rum zu bekommen, bis wir unser neues Projekt starten können.
Tatsächlich haben wir auch noch kurz vor unserem Urlaub ein neues Projekt gefunden. Eine Schule auf dem Land, Nähe Ambato, in der wir beim Sport- und Englischunterricht helfen. Eigentlich war ich mir vorher bewusst, das ich in keine Schule möchte, aber ich möchte diesem Projekt und dem Freiwilligendienst eine weitere Chance geben.
Ich wurde letztens gefragt, ob ich die Entscheidung einen Freiwilligendienst zu machen, bereut habe. Meine Antwort war nein. Es ist zwar nicht alles so gelaufen, wie ich es mir erhofft habe, aber dafür habe ich in der kurzen Zeit sehr sehr viele Erfahrungen sammeln dürfen. Ich habe einen tollen Eindruck von der harten Arbeit auf dem Land bekommen und von der indigenen Bevölkerung der Cotopaxi- Region. Ich habe gelernt für mich einzustehen, womit ich vor dem Freiwilligendienst noch eher meine Probleme hatte. Ich habe gelernt, wo meine persönlichen Grenzen sind und auch, wie wichtig es ist, diese klar zu benennen.

Jetzt sind Carina und ich zur Zeit an der Küste und genießen das Meer und die Wärme. Wenn wir zurück kommen, dürfen wir bei der Familie von Johanna und Greta Weihnachten und Neujahr mitfeiern, bis es dann in unsere neue Gastfamilie geht.

Mich macht es zwar immer noch traurig, wenn ich an unsere altes Projekt denke, aber gleichzeitig bin ich auch glücklich in diesen 3 Monate ein Teil von dem Ganzen gewesen sein zu dürfen. Jedes mal, wenn jemand auf den Cotopaxi zu sprechen kommt, erfüllt es mich ein bisschen mit Stolz erzählen zu können, dass ich dort 3 Monate gelebt habe und ich glaube es wird auch immer ein Stück Zuhause bleiben.

Aber jetzt wird erstmal noch der Urlaub genossen und dann schauen wir mal, was das neue Projekt so bringt.

Neues Jahr, neues Leben, neues Glück.

Ihr kleinen Racker werdet mir fehlen


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