*Dieser Blogbeitrag bezieht sich auf den Streik in Ecuador vom 03.-13.10.2019, der mittlerweile beendet ist*

Hi Leute
Nach mehr als 6 Wochen beginne ich nun meinen zweiten Blog Eintrag.
Eigentlich hatte ich mir überlegt etwas über die Unterschiede zwischen Deutschland und Ecuador zu schreiben, jedoch ist mir momentan nicht wirklich danach.
Wie ihr es vielleicht schon mitbekommen habt, herrscht in Ecuador seit dem 4. Oktober der Ausnahmezustand. Im Ausnahmezustand darf das Militär innerhalb des Landes agieren, die Bewegungsfreiheit darf eingeschränkt werden, die Presse zensiert werden und die Grenzen geschlossen werden. Dieser Ausnahmezustand gilt zunächst für 30 Tage kann jedoch für 60 Tage verlängert werden.
Aber warum wurde dieser Ausnahmezustand von der Regierung überhaupt verhängt?
Anfang des Monats sind, durch das Streichen von Subventionen, die Kraftstoffpreise in Ecuador, um mehr als das doppelte gestiegen. Der Abbau der Subventionen ist eine Auflage die der Internationalen Währungsfonds dem Land für ein Kreditabkommen gegeben hat. Diese Kreditabkommen benötigt Ecuador, da es stark verschuldet ist. Daraufhin reagierten die Bürger mit starken Protesten. Seid dem gilt nun der Ausnahmezustand.
Leider ist Quito einer der Orte der von den Unruhen am meisten betroffen ist da hier der Regierungssitz ist. Man muss jedoch dazu sagen, dass wir am Stadtrand leben und es hier oben, am Hang deutlich ruhiger ist als unten in der Stadt. Man hört zwar laute Geräusche aber bis gestern war alles relativ ruhig. Gestern jedoch (12.10.) war es dann das erste Mal, dass die Demonstranten auch hier in unser Viertel kamen.

Natürlich hat diese Situation auch Auswirkungen auf mein Leben hier in Quito, Ecuador:

1) Von A nach B zu kommen ist etwas kompliziert.

Vor ca. 1 ½ Wochen zogen die Indigenen aus den umliegenden Orten Richtung Quito, das Militär hat daraufhin versucht die Wege, die in Richtung Quito führen zu versperren damit keiner in die Stadt rein kommt. Das ist ihnen jedoch nicht geglückt wodurch die Stadt gestürmt wurde. Dies wiederum führte dazu, dass das komplette Verkehrssystem zusammengebrochen ist. Die Überlandbus se fahren mittlerweile seit zwei Wochen nicht mehr. Innerhalb von Quito ist es jedoch teilweise noch möglich Uber oder Taxi zu fahren. Straßenbusse fahren sehr unregelmäßig bis gar nicht.

2) Die Wochenenden verbringen wir momentan in Quito.

Durch die chaotische Verkehrslage ist es kaum möglich aus der Stadt heraus, oder in sie hinein zu kommen. Dadurch sind unserer letzten Wochenend-Planungen alle ins Wasser gefallen. Wir wollten zum Beispiel vom 10. bis zum 13. Oktober nach Baños fahren (ein Dorf in der Nähe des Amazonas Gebietes). Wir hatten sogar schon ein Hostel reserviert. Leider war uns in der laufenden Woche schon relativ schnell klar das, dass nichts wird.

3) Wir essen was wir kriegen.

Ok die Überschrift hört sich vielleicht etwas dramatisch an aber die Auswahl in den Supermärkten ist nicht mehr so üppig wie vor dem Ausnahmezustand. Wir haben hier, in der Nähe, viele kleine Supermärkte die eben nur noch das haben was sie seit Anfang der Protesten auf Lager hatten. Zum Beispiel haben wir seit etwa 1 ½ Wochen keinen Mozzarella Käse mehr und müssen

Pizza gabs Gott sei dank noch

momentan auf unsere geliebtes Caprese verzichten 😀 Vor ca. 1 Woche ist unser Gastbruder in den großen Supermarkt gefahren, der ca. 8 Auto Minuten von uns entfernt liegt. Zurück kam er mit einer kleinen Einkaufstüte. Der Supermarkt war komplett leergefegt. Frische Lebensmittel gab es kaum noch.

 

4) Auch das Essen für die Tiere wurde zwischenzeitlich mal knapp.

Einmal die Woche wird abends Heu für die Pferde angeliefert. Durch das Verkehrschaos war das jedoch zwischenzeitlich nicht möglich. Da war dann richtige Handarbeit gefragt: Mit Machete und leeren Säcken bewaffnet ging es in den Park. Mein Gastbruder suchte eine Stelle mit frischem Gras aus und dann wurde das Gras mit der Machete abgeschnitten und eingesammelt bis wir 15 große Säcke voll hatten. Dieser Zustand hielt jedoch Gott sei dank nur zwei Tage an. Danach gabs wieder frisches Heu.

5) Eingeschränkte Bewegungsfreiheit.

Ein für mich noch relativ neues Phänomen: Seit gestern 15 Uhr (12.10.) gilt eine Ausgangssperre. Das heißt wir dürfen uns nicht außerhalb unseres Hofes aufhalten. Des Weiteren ist der Park gesperrt, wo unsere Therapien stattfinden und die Pferde auf der Weide stehen. Heute hieß es für die Pferde also, in den Boxen bleiben und den Tag überstehen. Für uns wiederum hieß

Das Große Backen wird natürlich mit Hund geguckt

es, trotz Sonntag mit anpacken, da keiner der Stallarbeiter die Möglichkeit hatte zu uns zu kommen. Nach der Stallarbeit haben wir unseren Tag mit Kochen, Telefonieren und Filme schauen verbracht. (bzw. „Das große Backen“ falls das jemand kennt).


6) Wenig Betrieb.

Durch das Verkehrschaos haben viele Patienten nicht die Möglichkeiten zur Therapie zu kommen. Nachmittags hatten wir teilweise nur einen Patienten. Hier haben wir uns mittlerweile Ablenkung gesucht, wie zum Beispiel Volleyball spielen oder auf der Putzstange balancieren. Mit den Jungs (Therapeuten) und den anderen Freiwilligen hat man immer seinen Spaß.

Ablenkung gibt es hier aufjedenfall genug

7) Die Ungewissheit.

Jeden Tag steht man auf und fragt sich was heute passiert. Können wir heute Arbeiten? Lohnt es sich für nächstes Wochenende ein Hostel zu buchen? Können wir überhaupt aus dem Haus? Kann man für nächsten Monat überhaupt den Urlaub planen? Und wenn man dann glaubt, dass es jetzt besser wird passiert das Gegenteil.

Heute (13.10.) wurde entschieden, dass das Gesetz welches die Treibstoffpreise steigen lässt zurückgenommen wird. Darauf haben sich die Regierung und die Vertreter der Indigenen geeinigt. Damit sind vorerst die Proteste beendet und die Indigenen ziehen sich zurück. Am Mittwoch wird dann eine Alternativ-Lösung gesucht. Wir hoffen, dass mit dieser dann auch die Indigenen einig sind und wieder Ruhe in das Land einkehrt.
Falls ihr weiterhin an der politischen Lage hier in Ecuador interessiert seid kann ich euch auf Instagram „metroecuador“ empfehlen. Die Seite ist zwar auf Spanisch, aber mit Google-Übersetzer lässt sich da einiges rausholen. Ansonsten gibt es leider wenige deutsche Plattformen, die im Detail über die Lage hier berichten.
Am Ende möchte ich noch anmerken das diese Erfahrungen und Erlebnisse subjektiv sind. Dieser Blog ist aus meiner Sicht geschrieben die natürlich durch meine Herkunft beeinflusst wird. Des Weiteren kann es in anderen Teilen der Stadt oder des Landes auch schon wieder ganz anders aussehen. Beachtet das beim Lesen bitte und lest euch noch andere Blogeinträge oder Newsletter durch, um euch ein eigenes Bild über die Situation zu machen.
Naja ich hoffe ich kann bei meinem nächsten Blogeintrag wieder über schönere Erlebnisse berichten. Wir werden sehen….

Bis zum nächsten mal
Eure Maybrit


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