Liebe Leser*innen,

seit meinem letzten Bericht ist einiges passiert:

El  Instrument Projekt: Mittlerweile habe ich mich in meinem Projekt etabliert und das Gefühl, dass meine Arbeit sehr wertgeschätzt wird. Das merke ich z.B. an der Vielfalt der Aufgaben und der Verantwortung, die unsere Chefs mir und meinem Kollegen übertragen. 

Mein Chef JD beim „Jammen“ im Freien

So war die erste Aufgabe von Tobi und mir im „El Instrument Projekt“, in dem wir das ungenutzte Holz aus der Industrie verwenden, eine Powerpoint-Präsentation mit 100 Produktideen für unseren zukünftigen Warenkorb zu erstellen.  Alle Produkte sollten größtenteils aus Holz herstellbar sein, einen Bezug zu Musik haben, alltagstauglich sein und einen Mehrwert gegenüber ihren konventionellen „Konkurrenten“  bieten. Mit dieser Aufgabe waren wir neben unseren anderen Verpflichtungen im Projekt ca. drei Wochen beschäftigt.

Weiterhin  bin ich für den Kontakt und die Kommunikation mit dem Unternehmen verantwortlich, welches für unsere Produkte die Ingenieurs- und Produktionsprozesse übernimmt.

Zwei unserer „Scholarship-Kids“

El musican Projekt: Inzwischen  lernten wir die Schüler und Stipendianten der Musikschule kennen und geben auch Unterricht.  Im November werden wir alle zusammen ein Konzert geben, auf welches sich die Schule mit Hochdruck vorbereitet. Tobias und ich werden bei 5-6 Liedern mitspielen und üben schon eifrig. Da meine Chefs hohen Wert auf Öffentlichkeitsarbeit legen, werden Tobi und ich in naher Zukunft mit der Aufgabe betraut, das Marketingunternehmen unseres Vertrauens zu unterstützen. Auch hatten wir schon unser erstes Interview mit einer Journalistin zu dem Projekt. Ein Highlight des Monats war, als einige Investoren unseren Coworkingspace besuchten und sich die verschiedenen Projekte haben vorstellen lassen. Die bekannteste Besucherin war wohl  Oona Chaplin, die Enkelin von Charly Chaplin, welche unter anderem bei Game of Thrones mitgespielt hat. Im Rahmen dieses Treffens verkauften wir unser erstes Produkt, einen Gitarrenständer aus recyceltem Holz.

Unser Prototyp-Gitarrenständer

Das „El musican Projekt“( die Musikschule) hat 3 Standorte, im Laufe des letzten Monats besuchten wir neben unserem einen weiteren, nächsten Monat dann wahrscheinlich den letzten.

Wetter: Die Regenzeit ist jetzt angebrochen. Besonders unangenehm war, als wir bei dem ersten besonders starken Regen das obere Büro räumen mussten, da das Nachbarzimmer wohl letztes Jahr bei einem ähnlichen Unwetter einfach eingestürzt ist. Außerdem hat es reingeregnet. Die Gebäude hier scheinen ähnlich stabil zu sein wie die Turnhalle meiner ehemaligen Schule.

Politische Lage: Ecuador befindet sich momentan in einer wirtschaftlich schwierigen Lage. Deshalb forderte die Regierung des Landes einen milliardenschweren Kredit beim IWF an. Dessen Forderung war unter anderem, die Subventionen für Treibstoffe abzusetzen. Dieser Vorgabe ist die Regierung letzte Woche nachgekommen. Seit letztem Donnerstag gab es groß angelegte Demonstrationen und  Streiks wegen der um bis zu  100 Prozent gestiegenen Spritpreise.  Vom Präsidenten Moreno wurde der Ausnahmezustand verhängt, welcher die Möglichkeit des Militäreinsatzes  sowie die Einschränkung der Pressefreiheit  ermöglicht. Busse und Metros fuhren nicht mehr. Wir hatten in den letzten Tagen aufgrund der Sicherheitslage frei, wären aber sowieso nicht zum Projekt gekommen, da Taxis unsere einzige Transportmöglichkeit sind. Die Lage scheint sich aber wieder zu beruhigen.

Zu Hause: Seit einigen Wochen habe ich einen neuen Mitbewohner, Lee, einen Koreaner in den Mitt-Fünfzigern. Er ist in Ecuador, um seine Spanischkenntnisse zu verbessern. Der sympathische  Mann hat uns an einem Wochenende in ein koreanisches Restaurant eingeladen, bei dem wir die asiatische Küche schätzen gelernt haben. Es ist sehr interessant und inspirierend, wenn beim Abendessen drei Kulturen, drei Kontinente und zwei Altersgruppen aufeinandertreffen.

Ich verstehe mich weiterhin sehr gut mit Pati oder auch Big Mama, wie ich sie liebevoll nenne. Ich schreibe diesen Bericht gerade um 7 Uhr am Wohnzimmertisch und bin stolz darauf, so früh hochgekommen zu sein. Gerade ist Pati mit ihrem fröhlichen „Hola Micho!“ ins Zimmer gekommen- natürlich schon fleißig am telefonieren. Jetzt plappert sie in der Küche weiter und bereitet ihr exzellentes Frühstück vor. Heute kommt eine weitere Mitbewohnerin, Marie aus Deutschland, in Quito an.

Mann beim Schwertransport in Otavalo

Freizeit: An den Wochenenden erkunde ich zusammen mit deutschen oder ecuardorianischen Bekannten weiterhin das Umfeld Quitos. So besuchten wir beispielsweise den bekannten Markt in Otavalo, wo ich mir einen Alpakapullover gekauft habe.

Männer in Otavalo verkaufen Küken


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