Hallo meine Lieben, da bin ich schon wieder.

Ich habe zwar grade erst einen Blogeintrag geschrieben, aber ich habe im Moment das Bedürfnis über die aktuelle Situation in Ecuador zu berichten. Mir ist aufgefallen wie viele meiner Freunde nichts von dem mitbekommen, was grade in Ecuador passiert. Das macht mich traurig, es zeigt mir aber auch, dass wir vermutlich in den deutschen Nachrichten immer nur einen Bruchteil von dem mitbekommen, was in den anderen Ländern, grade außerhalb von Europa vor sich geht.

Wie hoffentlich manche von euch gehört haben, hat der Präsident Lenín Moreno ein Paket von Sparmaßnahmen verhängt, um die Kreditanforderungen der 4,2 Milliarden US-Dollar IWF-Hilfszahlungen zu erfüllen. Dieses Sparpaket beinhaltete unter anderem die Streichung der Subventionen von Benzin und Diesel. Das hatte zu Folge, dass die Benzinpreise von 1,82 auf 2,30 US-Dollar und die Dieselpreise von 1,08 auf 2,27 US-Dollar explodiert sind. Das beutet nicht nur, dass die Transportmittel teurer werden, sondern auch alles was mit Transport zu tun hat… Essen und überhaupt die gesamten Lebenserhaltungskosten, was sich die Mehrheit der Bevölkerung schlicht weg nicht leisten kann. Auf Grund dessen gibt es in ganz Ecuador einen Aufstand, genannt Paro.
Arbeiter, Indigene Bevölkerung und LKW-, Taxi- und Busfahrer verweigern das Arbeiten, damit der Staat kein Geld einnimmt. Was leider auch bedeutet, dass es sehr schwer ist an Essen zu kommen. Viele der Straßen sind durch gefällte Bäume oder brennende Autoreifen blockiert und man merkt den Menschen ihre Sorgen an.
Ich bin auch sehr erleichtert, dass ich auf dem Land bin. Hier geht es nicht so heiß zu, wie in den Städten. Dort werden zum Teil die Wasser- und Stromleitungen gekappt und die anderen Freiwilligen sollen zum Teil auch nicht das Haus verlassen. Carina und ich können uns auf der Farm frei bewegen und ganz normal weiterarbeiten.

Ob ich Angst habe? Ja, das habe ich. Aber ich habe keine Angst, dass mir etwas passieren könnte. Ich weiß, sobald die Situation zu gefährlich wird, werden wir Freiwilligen sofort in den nächsten Flieger gesetzt und fliegen zurück in das sichere Deutschland. Aber ich glaube, genau das ist meine größte Angst. Ich will Ecuador auf keinen Fall verlassen und diese Erkenntnis macht mich irgendwie glücklich. Es zeigt mir, dass ich hier ein 2. Zuhause gefunden habe und mir die Menschen, mit denen ich hier zusammenlebe, wichtig geworden sind. Jonathan, ein Venezolaner, der knapp einen Monat vor uns auf der Farm angekommen ist und für mich ein Freund und Ruhepol ist. Fausto Papa, der morgens im Bademantel und Pantoffeln aus dem Schlafzimmer geschlufft kommt und als 1. Fragt: Qué tal? (wie geht’s?) und sich ganz rührend um mich und Carina kümmert. Und Fausto Junior, der uns immer mis hijas (meine Töchter) nennt, aber für mich mehr ein Bruder ist, mit dem man blöde Scherze macht und rumalbert. Die Vorstellung, dass alles hier nach nur 1,5 Monaten zurücklassen zu müssen und die Menschen mit der vorherrschenden Situation allein zu lassen, finde ich schrecklich. Aber ich mach mir auch Sorgen um die Menschen hier. Was ist, wenn die Subventionen nicht wieder eingeführt werden? Und wie lange wird der Ausnahmezustand noch dauern, in dem sich die Menschen weiterhin bekämpfen?
Ich habe in dem 1. Monat ein wunderschönes Ecuador kennengelernt, mit lieben, hilfsbereiten und offenen Menschen und, das Land jetzt so bangen zu sehen, tut mir weh.

Ich bin mir in den letzten 11 Tagen des Paros meiner Privilegien in Deutschland nochmals deutlich bewusster geworden. Einen Rechtsstaat und Polizei zu haben, auf die man sich verlassen kann. Keine Sorge haben zu müssen, dass das Essen mal knapp werden könnte oder geschweige denn sich nicht überlegen zu müssen, ob es wohl sicher ist vor die Haustür zu gehen. Dinge, die einem im Alltag gar nicht so bewusst sind, mir aber grade deutlich vor Augen geführt werden.

Ich wurde auch schon öfters gefragt, ob ich es bereut habe hier her zu kommen. Meine Antwort: Nein, auf keinen Fall!


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