Auf geht’s…!

Nach einer etwas holprigen Landung am Flughafen in Quito war es dann plötzlich so weit. Endlich angekommen. Nach der ewigen Packerei (aussortieren, umpacken, drei verschiedene Packlisten durchgehen, nochmal aussortieren und umpacken bis der Koffer endlich nur noch 23kg wiegt und trotzdem alles Notwendige dabei ist) und dem Verabschieden von Freunden und Familie tat es gut, dass dann endlich einfach alles angefangen hat.

Nach einem kurzen Einführungsseminar in Quito, in dem wir unsere Fragen klären konnten und einige wichtige Infos über Land, Leute und Lebensweise in Ecuador an die Hand bekommen (so zum Beispiel, dass Klopapier nie in die Toilette gehört und wir das Leitungswasser auf gar keinen Fall trinken sollten (Amöbengefahr… arghh)) und unsere ersten Erfahrungen in der Höhenluft gemacht haben (beim Rennen ging einem doch ganz schön schnell die Puste aus), wurden wir von unserer Gastfamilie abgeholt.

Ich lebe in Quero, einem Dorf auf dem Land mit etwa 11.500 Einwohnern, in dem quasi jeder jeden kennt, in dem Hupen das zweitwichtigste Kommunikationsmittel ist, um seinen Kumpels unterwegs Hallo zu sagen und man zum Glück, im Gegensatz zu Quito keine ständige Angst um seine Wertsachen haben muss.

Mirador (Aussichtspunkt) von Quero

Bei gutem Wetter kann man von unserem Haus aus den Chimborazo bewundern, beim Telefonieren mit Freunden und Familie streichle ich gerne einen von vier Hunden unserer Familie und wenn mal die Eier ausgegangen sind, dann wird schnell bei den Hühnern im Garten nachgeschaut, ob nicht vielleicht gerade das ein oder andere frisch gelegt wurde. Die anderen Berge um uns herum sind wunderschön und erinnern mich an Patchworkdecken, weil die Felder verschiedenste Braun und Grüntöne tragen.

Meine Familie ist ein wahrer Schatz. Schon in der ersten Woche saß ich weinend vor Lachen mit meiner Gastschwester am Tisch. Dank meiner Familie kenne ich mittlerweile etliche Wörter, um jemanden als meinen Freund oder etwas als lecker zu bezeichnen, sowie meine ersten spanischen Zungenbrecher. Im Gegenzug hat meine Familie natürlich schon so wichtige deutsche Wörter wie Eichhörnchen, Streichholzschachtel, Radieschen, Esel und Mehl gelernt. Von Anfang an habe ich mich hier in der Familie wohlgefühlt und jetzt nach einem Monat ist es irgendwie auch mehr als nur wohlfühlen. Ich glaube, ich fange an mich hier zu Hause zu fühlen.

Was anders ist?

Plastik! Überall in den Straße liegt Müll. Jeglicher Einkauf wird in dünnen schwarzen Plastiktüten verpackt. An allen Ecken kann man Fast Food in Plastiktüten oder auf Styroporgeschirr kaufen. Für den Umgang mit Müll und Plastik herrscht hier leider sehr wenig Bewusstsein, getrennt wird der Müll gar nicht.

Obst und Gemüse! Auch wenn das Lieblingsessen Reis mit Hühnchen oder gegrilltes Meerschweinchen zu sein scheint (als Vegetarier ist man auf dem Land eine echte Seltenheit, genauso selten wie ein Tag ohne Reis), ist Ecuador eigentlich ein Paradies für Vegetarier und Veganer. Es gibt hier so viel Obst und Gemüse und es schmeckt tausendmal besser als der ganze importierte Kram in Deutschland. Vor allem Bananen, Ananas und Avocados werde ich in Deutschland nach meinen 10 Monaten in Ecuador, glaube ich kaum mehr genießen können.

Verkehr! Aus den Bussen kommen schwarze Rauchwolken, rote Ampeln können schon einfach mal ignoriert werden und drei Autos nebeneinander, wo eigentlich nur Platz für zwei ist, passen dann doch noch irgendwie. Anschnallen? Nur ganz kurz für die Polizeikontrolle. Im Auto fehlt der Rückspiegel und der Tacho? Kein Problem, fährt ja trotzdem. Autofahren ohne Führerschein? Auf dem Land, Gang und Gebe. Der Verkehr ist hier schon sehr abenteuerlich und etwas gewöhnungsbedürftig.

Kälte! Weder mit der Höhe noch mit dem Essen hatte ich bisher (und ich hoffe das bleibt auch so) Probleme. Sobald aber die Sonne weg ist oder Wind weht, ist es ziemlich kalt. Nachts schlafe ich mit sechs Decken und das morgendliche Aufstehen fällt mir wirklich sehr schwer, wenn ich mein warmes, weiches und wunderbar kuscheliges Bett verlassen soll, um mich in der Kälte fertig zu machen. Das Frühstück, mit einer Schale voll leckerem Obst und einer warmen Tasse Tee lockt mich dann aber doch immer raus aus den Federn.

Ehrlich gesagt, trotz vieler Dinge, die hier anders sind, ertappe ich mich immer öfter dabei, wie ich das gar nicht mehr hinterfrage und mich daran erinnern muss, wie anders manche Dinge in Deutschland ablaufen würden.

Der erste Monat hier in Ecuador verging wirklich sehr schnell und ich durfte schon wahnsinnig viel erleben. So gut wie kein Tag vergeht ohne ein neues spanisches Wort, einen neuen Menschen oder eine neue Frucht und ich freue mich auf die weiteren verbleibenden Monate, um dieses Land und die Menschen hier besser kennenzulernen.

 

 

 

 


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