Liebe Leser*innen,

in diesem Text möchte ich euch von meinem Aufbruch in das Abenteuer „Ecuador“ sowie meinen ersten Tage vor Ort erzählen und von meinen ersten Erfahrungen berichten:

Mein Flieger startete um 06:20 Uhr in Düsseldorf, weshalb ich – als ein Kölner – um zwei Uhr in der Früh aufstehen musste. Da ich aufgrund des Adrenalinspiegels in meinem Blut nicht besonders gut schlafen konnte, stellte dies jedoch keine große Hürde dar. Mit meiner Familie, zwei meiner engsten Freunde und natürlich auch meinem Gepäck als Begleiter, machten wir uns zum Flughafen auf. Dort traf ich dann die ersten anderen Freiwilligen, welche nicht weniger gespannt waren als ich selbst. Nach einem kurzen aber schweren Abschiednehmen saß ich schließlich im Flugzeug gen Amsterdam. Von dort aus sollten wir dann in den „richtigen“ Flieger nach Ecuador steigen. Das erste Abenteuer erlebten wir früher als erwartet: Einige Sekunden nach der Anweisung des Piloten, die Stewardessen sollen Platz nehmen, machte unsere Maschine plötzlich einen halben Salto. Doch bevor wir anfangen konnten, das „Vater unser“ zu sprechen, hatten die Piloten das Flugzeug wieder unter Kontrolle. Wie sich herausstellte, waren wir in ein Luftloch geraten.

Die restliche Reise verlief ohne besondere Vorkommnisse. Um 14:00 Uhr Ortszeit kamen wir in Quito an und wurden sehr herzlich von unseren Ansprechpartnern vor Ort, sowie einer Freiwilligen, welche ihre letzte Woche im Land verbrachte, begrüßt. Nach einer kurzen Fahrt, auf welcher wir bereits den chaotischen Verkehr dieser Metropole kennenlernen durften, kamen wir in unserer Unterkunft an. Am Abend und an dem nächsten Tag wurden uns noch einige landestypische Besonderheiten bezüglich Kultur, Verhalten und Alltag nähergebracht. Dann hieß es: Aufteilen und (vorerst) Abschied nehmen! Wir 16 Freiwilligen absolvieren unseren Dienst nämlich in unterschiedlichen Städten.

Blick über Quito

Ich wurde zu meiner Gastmutter Patricia (oder Pati) hier in Quito gefahren und bekam sofort ihre herzliche Art und ihre köstliche Küche zu spüren. Dann legte ich mich – noch ziemlich gejetlegt – in mein neues Bett und schlief sofort ein. Am nächsten Tag besuchte ich mit meiner Gastmutter kurz die Innenstadt. Da ich nicht ihr erster Schützling aus dem Ausland bin, gelang die Kommunikation auch trotz einer gewissen Sprachbarriere recht gut (Pati spricht weder Englisch noch Deutsch und mein Spanisch ist (noch) äußert rudimentär). Wir erlebten bereits einige amüsante Missverständnisse. So brachte mir Pati eines Morgens einen Saft an den Frühstückstisch und kommentierte diesen mit „Mora“ (Brombeere). Als sie den Raum verließ, schaute ich schnell auf meiner Übersetzer-App nach der Bedeutung dieses Wortes. Unglücklicher weise tippte ich „Morra“ statt „mora“ ein. So zeigte mein Handy „stirb“ statt „Brombeere“ an, was mich in eine gewisse Sorge stimmte.

Der Kolonialstil ist in Quitos Altstadt gut wiederzuerkennen

Am nächsten Tag besuchte ich zusammen mit Tobi – einem anderen Freiwilligen, den ich bereits vom Vorbereitungsseminar von ODI kenne – unser Projekt, das sogenannte „El Musican Project“.  Das „El Musican Project“ fokussiert sich auf zwei Hauptfelder: Zum einen wird pro fünf bezahlende Musikschüler ein „Stipendiat“ unterstützt. Das bedeutet, dass ein Kind, welches aus sehr schweren Verhältnissen kommt, kostenlos professionellen Musik-, Englisch- sowie Matheunterricht erleben darf. Zur Auswahl eines „Stipendiaten“ müssen mindestens zwei von drei Kriterien zutreffen:

1: Das betreffende Kind ist Waise oder Halbwaise.

 2: Das Kind hat häusliche Gewalt erfahren.

3: Das Kind stammt aus absoluter Armut, lebt also von unter 2 Dollar am Tag.

Das zweite Feld des Projektes fokussiert sich auf den Bereich der Nachhaltigkeit: Aus ungenutzten Ressourcen (primär Holz) aus der Industrie, zum Beispiel Palletten oder Holzabfall des Gerüstbaus sollen Instrumente bzw. Zubehör für Instrumente entwickelt werden. Die Produktion übernimmt ein externes Unternehmen, welche diese „Recyclingvision“ unterstützt. Der Erlös des Verkaufs der hergestellten Produkte wird in das „El Musican Projekt“ reinvestiert.

Mitad del mundo

Entgegen unserer Erwartung fanden wir uns nicht in einem Jugendzentrum- oder Werkstattähnlichen Haus wieder, sondern in einem modernen, sauberen und schönen „Co-workingspace“, wie man ihn auch in Europa finden könnte. Nach einem lockeren Gespräch mit den beiden Gründern des Projektes, Juan-Carlos und Juan-Diego (oder auch JD), zeigten sie uns ihre Musikräume, welche wie professionelle Musikstudios anmuten. In diesen musizierten wir eine Weile zusammen. Anschließend luden uns die beiden auf ein Nationalgericht, Ceviche (eine Suppe mit Meeresfrüchten, Krabben, oder Fisch), ein. Danach begleiteten Tobi und ich die beiden zu einem Meeting mit dem Unternehmen, welches die Musikinstrumente herstellt. Am nächsten Tag, Samstag, besuchten einige andere Freiwillige und ich die „Mitte der Welt“. Exakt an dieser Stelle soll der Äquator entlanglaufen. In den 50er Jahren wurde ein großes Denkmal zu Ehren dieser Stelle errichtet, heutzutage weiß man, das es 130 Meter entfernt von dem tatsächlichen Äquator steht.

Später probierten wir eines der Nationalgerichte Ecuadors, Meerschweinchen. Zu meinem Erschrecken befand sich an meinem noch der Kopf mitsamt gerösteten Schnurrhaaren und Zähnen im Kiefer. Mein Urteil: Ich streichle Meerschweinchen lieber, als sie zu essen. Am Sonntag erkundeten wir die schöne Altstadt Quitos, welche die Architektur der Kononialzeit widerspiegelt. In der darauffolgenden Woche absolvierten wir einen Spanischkurs, welcher sehr hilfreich war, lassen Gestik und Mimik der Interpretation des Gesprächspartners doch oftmals viele Freiheiten. Das letzte Wochenende verbrachte ich primär mit dem Lernen von Vokabular und dem Verfassen dieses Textes und freue mich auf meine Arbeit bei „El Musican Projekt“, welche diese Woche beginnt!

Meine Erfahrung mit dem Meerschweinchen

 


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