Jetzt bin ich also schon drei Wochen hier in Ecuador und rückblickend waren diese drei Wochen wirklich die aufregendsten, abwechslungsreichsten und von Höhen und Tiefen geprägtesten Wochen meines Lebens.

Aber nun von Vorne. Ich bin am 27. August nach insgesamt 24 Stunden Reise in Quito gelandet und anders als erwartet, ließ die Euphorie auf sich warten. Ich war einfach nur todmüde und wollte „endlich“ ankommen, doch es warteten noch zwei informative Eingewöhnungstage in Quito auf uns. Nach diesen zwei Tagen brachen alle Freiwilligen mit ihren Gastfamilien auf, nur Leonie, mit der ich zusammen lebe und arbeite, und mir wurde gesagt, dass wir noch in Quito bleiben werden für den anstehenden Sprachkurs. So verbrachte ich meine ersten zwei Wochen in Ecuadors Hauptstadt und hatte erst mal mit Heimweh und einem Kulturschock zu kämpfen. Denn im Gegensatz zu meiner Heimatstadt ist Quito riesig, überall sind Menschen, es herrscht viel Verkehr, dauernd hupen Autos, an jeder Ecke und im Bus werden die unterschiedlichsten Dinge verkauft und ich wurde mit Armut konfrontiert, wie ich sie davor noch nie gesehen habe. Nach meinem ersten „richtigen“ Tag in Quito inklusive einer turbulenten Busfahrt, war ich dann einfach nur überfordert. Aber nach ein paar Tagen habe ich angefangen, die Stadt zu genießen, wir Freiwilligen sind gemeinsam ins Zentrum gefahren, haben verschiedene Parks und Sehenswürdigkeiten besucht und haben uns mit dem Bussystem angefreundet. Und auch wenn es eine sehr schöne und lehrreiche Zeit war, habe ich mich doch sehr darauf gefreut, endlich ankommen zu dürfen.

ODI, Freiwilligendienst, weltwärts, Ecuador, Carina

Die super schöne Farm, auf der wir leben.

Und so ging es für mich und Leonie am 09. September endlich los nach Latacunga, in dessen Nähe sich die Farm befindet, auf der wir die nächsten 10 Monate leben werden. Auf der Farm angekommen, mussten wir erneut eine Umgewöhnung durchleben, denn für uns ging es raus aus dem lebhaften Quito rein ins ruhige Landleben. Die Farm umfasst ein riesen Gebiet von mehr als 37 Hektar und hier leben fast 90 Hunde, die von Anfang an mein Herz erobert haben. Und obwohl wir uns hier an viel Neues gewöhnen müssen, wie kein warmes Wasser zu haben, im Haus immer mit mindestens zwei Schichten Kleidung und Schuhen rumzulaufen, weil es hier keine Isolierung gibt und um halb 6 jeden Tag von freudig aufgeregten Hunden geweckt zu werden, fühle ich mich jetzt schon pudelwohl und freue mich auf die kommenden Monate.

ODI, Freiwilligendienst, weltwärts, Ecuador, Carina

Das passiert, wenn man sich hier auf den Boden setzt.

Denn mein Projekt, das Straßenhunden, die keinerlei Überlebenschancen haben, eine Zukunft schenkt, fasziniert mich jetzt schon. Was mit einem Hund angefangen hat, wurde immer größer und mittlerweile dürfen hier fast 90 ehemalige Straßenhunde ein neues Leben führen. Wir durften sogar schon miterleben, wie ein neuer Hund hier angekommen ist und ich bin gespannt darauf zu sehen, wie aus dem abgemagerten und scheuen Hund ein gesunder und glücklicher kleiner Racker wird. Allgemein haben die Hunde hier Schicksale, die einen mehr als berühren, viele humpeln, laufen auf drei Beinen, sehen nicht mehr richtig oder waren kurz vor dem Verhungern, wurden misshandelt oder angefahren. Und nachdem ich auch in Quito so viele Straßenhunde gesehen habe, bin jetzt umso glücklicher darüber, wenigstens einen kleinen Teil zu einer Verbesserung beitragen zu dürfen. Das ist also die eine Hälfte des Projekts, wir füttern Hunde, machen ihre Gehege sauber,  pflegen Hundehütten, gehen mit den Hunden spazieren und kuscheln mit ihnen.

Auf der anderen Seite steht aber noch die Landwirtschaft, die in den nächsten Monaten ganz ökologisch aufgezogen werden soll. Wir fangen an, Felder zu richten und von den Tonnen an Plastik zu befreien, das noch von früheren Zeiten rumliegt und unter der Erde vergraben ist, um unser eigenes Obst und Gemüse anzubauen. Morgen setzen wir kleine Fische in den Teich auf dem Farmgelände und in den nächsten Wochen sollen auch Hühner hier ein Zuhause finden, so dass wir eigene Eier haben. Und genau das ist es, was mir hier so gut gefällt, die Farm ist lebendig, hier stehen noch viele Dinge an, die gemacht werden können und wir dürfen viel mit gestalten und ich denke, wir dürfen auch noch einige Veränderungen miterleben. Und auch wenn wir auf der Farm nur zu 4. leben, ist man dank der Hunde doch nie wirklich einsam und wenn man mal ein bisschen Liebe braucht, muss man nur vor die Tür gehen und schon springen einen zehn Hunde freudig an, die gestreichelt werden wollen.


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