Mir ist wohl bewusst, dass das Leben nicht immer schön ist… Leider.

Und doch gibt es sehr, sehr, sehr schöne Momente.

La vie était belle… :

Als ich mit Fünftklässlern zur Sporthalle lief und ein Mädchen in hemmungsloses, lauthalses und ansteckendes Lachen ausbrach. Meine Sportlehrerkollegin schmunzelte und meinte „Ah, les 6èmes.“ Und gleich darauf sah sie mich an und mit einem puren Lächeln im Gesicht fügte sie hinzu: „La vie est belle“ (Wer an dieser Stelle vermutet, dass dies mir die Idee für den Titel dieses Blogeintrags gegeben hat, der vermutet dies zu Recht. Und wer zur Übersetzung der Aussage unzureichende, oder gar nicht existierende Französischkenntnisse hat, dem helfe ich kurz aus: „Das Leben ist schön“)  

Als nach dem Seminar (einer der schönsten Wochen hier!!) nur zwei Wochen vergingen, bis wir einen Normandie Roadtrip machten, und sich dreizehn der Freiwilligen wiedersehen konnten und wir eine wunderschöne Zeit verbrachten! Auf dem Rückweg sagte die Ägypterin unseres internationalen Autos etwas wie „Ach, ich bin so glücklich. Aber ich muss euch das gar nicht erklären, weil ihr das auch fühlt oder?“ Und damit hatte sie den Nagel auf den Kopf getroffen!!

Als sich eine Klasse sehr motiviert gezeigt hat, als ich ein Nikolausprojekt mit ihnen gestartet habe 🙂 Ich habe in den letzten Wochen mehr und mehr Verantwortung übertragen bekommen, und die Arbeit macht doch sehr viel mehr Spaß, wenn die Schüler die Ideen wertschätzen. Und es hat mich auch unheimlich gefreut, des Öfteren Lob von den Kollegen zu hören:)                                          (Und wenn man die Verantwortung ab und zu weitergeben kann und seine Mutter wunderschöne Plakate designed, die alle bewundern, ja, das ist auch nicht schlecht! Merci, merci, merci, maman !!)

Als ich weitere Male zu Essen, Unternehmungen und Ähnlichem eingeladen wurde. Meiner Meinung nach ist die Tatsache, dass ich schon lange überlegen muss, bis ich all die erhaltenen Einladungen zusammen zählen kann, die ich seit Anfang meiner Zeit hier erhalten habe, schon Beweis genug für die unheimliche Gastfreundschaft und generelle Nettigkeit von sehr vielen Menschen, die ich hier kennengelernt habe! Und nicht nur, dass ich allein eingeladen wurde. Als mich letztens die Freiwillige und neue Freundin namens Anna aus Saint-Brieuc besucht hat, wurden wir gleich beide von meiner Tutorin zu einem französischen Diktat eingeladen. Dort versuchten wir halb lachend, halb verzweifelt die uns unbekannten (unzähligen) Wörter per Glück noch irgendwie richtig zu schreiben und freuten uns schlussendlich über zwei bis drei richtige Sätze:) Abgesehen von der Kreation etlicher Neologismen hatten wir es geschafft, manchmal die Wörter auf gleiche Weise in falsche Wörter zu transformieren. (So schrieben wir beide „gym canard'(sowas wie Ententurnhalle) statt „Gymkhana“ …)                  Abends wurden Anna und ich dann gemeinsam bei der Sportlehrerkollegin zum Essen eingeladen und verbrachten dort einen wunderschönen Abend mit allem, was zu so einem französischem „dîner“ so dazugehört. Und als wäre das nicht genug, als dann gegen Mitternacht beschlossen wurde, dass es Zeit wäre, aufzubrechen, brachte uns die Kollegin in ihrem Camion (in dem auch unsere Räder untergebracht wurden) nach Hause. Und nur, damit wir nicht in der Dunkelheit zurückfahren mussten.  UNGLAUBLICH nett, wirklich.

Als ich einen Chor hier fand, in dem das Durchschnittsalter meiner Schätzung nach über 50 liegt. So wurde sich dann auch etwas gewundert, dass ich noch einmal wiederkam. Und es wurde sich gefreut, da ich ja den Altersdurchschnitt zwischen all den alten Leuten senken würde (Dass ich allein zwischen all „den Alten“ echt nichts mehr ausrichten konnte, traute ich mich dann doch nicht, zu erwidern… ) Der lustigste Moment war neulich, als die Mitglieder mir sagten: „Eines Tages wirst du so alt sein wie wir. Dann denkst du an die Zeit zurück und an uns. Und weißt du was? Wir sind dann schon alle tot!! Ja, wenn du so alt bist wie wir, denkst du an uns und wir sind alle tot. Hahaha!“ (Ich lass das mal so stehen..)

Als meine Tutorin mir schreib, es läge etwas für mich im Briefkasten und sie mir eine Adventskarte und ein bretonisches Weihnachtsandenken schenkte. Das war so unglaublich lieb!

Jetzt gerade hat mich eine Nachricht einer weiteren Kollegin nochmals zum Lachen gebracht. Ich hatte ihr einen schönen Aufenthalt in Deutschland gewünscht, da sie jetzt Schüler auf den Deutschlandaustausch begleitet. Da schrieb sie jetzt „Trop désolée de ne pas avoir pu te prendre dans les bagages “ („Tut mir echt leid, dass ich dich nicht in meinem Gepäck mitnehmen konnte“)

Ich spüre die Liebe, wenn ich das alles hier lese und schreibe, und es gäbe noch so, so viel mehr!! Immerhin kann ich etwas davon zurückgeben. Anna und ich laden dieses Wochenende meine Tutorin und Ersatztutorin bei mir zum Plätzchenessen ein. (Und das Treffen hat sich meine Ersatztutorin mit einem Herz eingetragen, sehr süß:) )                              Dann nach der nächsten letzten Woche fahren Anna und ich zusammen mit dem Zug nach Deutschland zurück. Zumindest ist dies der Plan, falls trotz „grève“ alles hinhaut:)

Die Zeit ist nur so verflogen !

3 Monate sind also schon fast vorbei, unglaublich! Es ist so viel passiert und doch kommt es mir nicht so lang vor…                    Zum Glück liegen noch 6 Monate vor mir!!

Et alors ?

Natürlich gab es nicht nur perfekte Momente. Es gab auch unangenehme, traurige, ärgerliche oder nervige Ereignisse. Und doch musste und will ich von ihnen nun nicht berichten, weil sie für mich nicht annähernd ins Gewicht fallen.

 

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Anna und ich beim 10km Lauf in Paimpol

Glücklichsein, Frankreich, ESK, Freiwillige

Ich in der Normandie

Also, voller Dankbarkeit habe ich das Glück, sagen zu dürfen:

La vie peut être belle. Très belle !


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