1. Verabschiedung am Flughafen

Schon bei den Kennlerntagen, Vorbereitungsseminar und letztlich über Social Media hatte ich den Eindruck gewonnen, dass sich alle EFDler immer bei der Abreise extrem freuten endlich in das neue Abenteuer starten zu können. Allerdings gab es dort trotzdem tränenreiche Abschiede. Bei mir traf weder das Eine noch das Andere zu. Natürlich war ich schon traurig am Flughafen von Zuhause weg zu müssen und alles hinter mir zu lassen, jedoch blieb der Abschied mit vielen Tränen aus. Aber auch die große Vorfreude verspürte ich nicht. Diese beiden Fakten haben mich schon sehr verwirrt, da scheinbar alle anderen EFDler sich immer total auf ihre Ausreise gefreut haben.

2. Ankunft in Barcelona

Nach einem zweistündigen Flug bin ich dann in Barcelona gelandet. Das Kofferband war schnell gefunden (auch wenn ich anfangs ein bisschen unsicher war, ob es das Richtige war, da Passagiere von meinem Flug zu einem anderen Band gingen). Nach relativ kurzer Wartezeit hatte ich dann auch schon meinen Koffer gesichtet und machte mich vollbepackt mit zwei Rucksäcken, einer dickeren Jacke, meinem Kopfkissen und dem Koffer auf den Weg zum Ausgang. Dort sollten dann eigentlich der Koordinator von Associació Alba und zwei weitere Freiwillige auf mich warten. Allerdings konnte ich niemanden sehen, weshalb ich dann zu einem Mann mit diesen typischen Schildern gegangen bin und ihn gefragt habe an welchem Terminal ich gerade wäre. Daraufhin erklärte er mir, dass ich gerade im Terminal 1 wäre. Aufgrund dieser Aussage wurde mir bewusst, dass Joan, Benóit und Fee (die drei, die mich abholen wollten) gar nicht hier sein können, da Joan mir geschrieben hatte, dass sie am Terminal 2a auf mich warten werden. Ich fragte daher den Mann, wie ich zu Terminal 2a kommen könnte, weil ich dort abgeholt werden sollte. Er sagte mir aber zu meinem Bedauern, dass man mit dem Auto etwa 15 Min. brauchen würde und deshalb die jenigen, die mich abholen wollten, lieber zu mir kommen sollten. Ich schrieb daraufhin Joan und wartete nochmal etwa 20 Min. bis ich dann abgeholt wurde. Ich wurde super herzlich begrüßt und mega nett aufgenommen. Natürlich durfte bei der Begrüßung mit Joan (Spanier) und Benóit (Franzose) nicht das Küsschen links und rechts vergessen werden. Anfangs war das ziemlich ungewohnt, da in Deutschland bei einer Begrüßung mit Fremden auf so wenig Körperkontakt wie möglich geachtet wird. Nach der Begrüßung machten wir uns dann auf zum Van. Beim Van angekommen, luden wir alles ein, wobei mir auffiel, dass ich glücklicherweise nicht am meisten eingepackt hatte 🙂 . Nachdem alles mehr oder weniger sicher verladen war, machten wir uns auf nach Tarrega, einer kleinen Stadt etwa eineinhalb Stunden entfernt.

3. Ankunft in Tarrega

Nach ziemlich genau einer Stunde und dreizig Minuten kamen wir dann in Tarrega an und fuhren nach einem kurzen Autowechsel zu unserer Unterkunft (Ca n‘ Aleix). Dort wurde uns dann alles gezeigt (Küche, Wohnzimmer, Bad, eigenes Zimmer). Ich wusste und weiß auch noch bis heute nicht genau wie ich es finden soll, aber mein Zimmer liegt abseits der Zimmer der anderen Freiwilligen, weshalb ich tagsüber eher selten mitbekomme, ob einer von ihnen da ist oder nicht. Auf der anderen Seite ist mein Zimmer aber auch doppelt so groß wie die Zimmer der Anderen. Nachdem wir also alles gesehen hatten und zwischendurch auch unsere beiden Mitfreiwilligen Gabija (Litauen) und Onur (Türkei) kennengelernt hatten, lud uns Joan noch auf einen Snack ein. Nach der langen Anreise konnte ich dann in mein Bett fallen, allerdings stellte sich die Lage meines Zimmers als Problem dar, da es direkt am Bad liegt und ich jedes noch so kleine Geräusch höre. Glücklicherweise hatte ich meine Oropax eingepackt und konnte so friedlich einschlafen.

4. Die erste Woche

Ich kam mit der Einstellung her, dass wir direkt nach unserer Ankunft anfangen würden zu arbeiten.Jedoch erwies sich diese Annahme als falsch. Die restlichen Tage der Woche (Do-So) hatten wir eine Einführungsphase. Wir wurden herumgeführt und lernten alle Einrichtungen der Organisation Alba kennen. Am Donnerstag trafen wir uns mit Joan erst um 10 Uhr, um alles zu erkundigen. Zum Mittagessen lud er uns dann erneut ein. Wir aßen im organisationseigenen Restaurant, welches wir allerdings normalerweise nicht kostenlos nutzen können. Und wenn ich eins sagen muss, dann ist es das, dass ich dort zum Abschluss nochmal essen gehen werde, da der Applepie dort so unglaublich lecker war.

Himmlischer Applepie

Am Nachmittag hatten wir dann noch ein kurzes Meeting und unsere erste Spanischstunde, in der erstmal nur geguckt werden sollte auf welchem Stand wir sind. Und ich kann es bis heute nicht glauben, aber ich habe anscheinend wirklich das Level (B1), welches ich nach meiner Schullaufbahn Spanisch haben sollte. Am Abend bin ich dann noch mit Fee, einer meiner Mitfreiwilligen, die zufälligerweise auch Deutsche ist, einkaufen gegangen. Der Lidl vor Ort war für uns beide ein Stückchen Heimat. Zum Abschluss sind wir alle zusammen dann noch in die Bar Kirikú gegangen und haben den Abend gemütlich ausklingen lassen. Der Freitag startete für uns noch später als der Donnerstag. Wir trafen uns mit Joan um 11:45 Uhr um uns beim Amt als hier wohnhaft zu melden. Wir zogen eine Nummer (39 und es war gerade 30 dran). Normalerweise wartet man dann ja um seine Nummer nicht zu verpassen, aber Joan war das eine zu lange Wartezeit und hat den nächsten Punkt der Tagesordnung vorgezogen, Somit besuchten wir eine Einrichtung von Alba, die ganz in der Nähe lag. Als wir dann wieder kamen, war wie zu erwarten unsere Nummer schon lange dran gewesen und wir mussten erneut eine Nummer ziehen. Allerdings mussten wir zu meinem Erstaunen nur 20 Min. noch warten bis wir am der Reihe waren. So viel zum Thema „Mañana, mañana“. Nach dem Amt hatten wir ein paar Stunden Zeit um Mittag zu essen. Dafür sind wir dann zum Hauptgebäude, wo es mal wieder etwas mit Fisch gab. Danach sind wir dann wieder eine Einrichtung von Alba besichtigen gewesen in der Nachbarstadt. Am späten Nachmittag hatten wir dann mit allen Freiwilligen und Joan unserer erstes gemeinsames Meeting. Dort haben wir unseren ersten Dienstplan, unsere Bankkarte und Transportkarten bekommen. Am Abend haben wir dann unseren Tag wieder in der Bar Kirikú, die zu unserer Stammbar geworden ist, ausklingen lassen. Das Wochenende verlief verhältnismäßig ereignislos. Ich bin zur Mittagszeit laufen gegangen, was sich letztlich als fataler Fehler rausgestellt hat, da es viel zu heiß war. Nach dem Laufen bin ich im spanischen Supermarkt einkaufen gewesen. Dort habe ich zum ersten Mal versucht mit einer Einheimischen spanisch zu reden, da ich die Eier nicht gefunden habe. Allerdings stellte sich das als sehr schwierig heraus, da ich das Wort falsch betont habe und mich die Frau nicht verstanden hat. Jedoch hat sie weiterhin versucht mir zu helfen und letztlich haben wir es gemeinsam geschafft, dass sie mir zeigen konnte, wo die Eier stehen. Zum Sonnenuntergang bin ich mit Dominik (einem anderen deutschen Freiwilligen) auf die umliegenden Berge gestiegen und haben uns gemeinsam den wunderschönen Sonnenuntergang angeschaut. Abends sind wir alle vom nichts tun dann müde gewesen und früh schlafen gegangen (0:15). Der Sonntag verlief dann noch ereignisloser. Jeder war auf seinem Zimmer und schlief oder schaute einen Film. Wir alle waren ziemlich geschafft von dieser ereignisreichen Woche. Allerdings sind wir dann abends noch ins Kirikú gegangen.

Sonnenuntergang wie aus dem Buche

4. Die erste Arbeitswoche

Meine erste Arbeitswoche kann man ganz gut mit einem Wort beschreiben: vollgestopft. Dieses Wort beschreibt meine komplette Woche und wenn ich komplette Woche sage, dann meine ich das auch so, denn ich habe von Montag bis Sonntag gearbeitet. Allerdings muss man fairer Weise sagen, dass im Normalfall so keine Arbeitswoche aussieht. Jedoch hatte ich die Ehre von Donnerstag bis Sonntag zu den Jocs Special Olympics nach Andorra zu fahren. Aber fangen wir am Anfang an. Von Monatg bis Mittwoch hatte ich einen normalen Dienstplan. Ich bin montags ins Schwimmbad mitgefahren und habe dort geholfen, die körperlich und geistig eingeschränkten Leute umzuziehen und ihnen beim schwimmen zu helfen. Mittags hatte ich dann zum Mittagessen dann auch schon wieder frei. Abends habe ich dann entspannt mit ein paar Chips und Harry Potter 3 im Bett den Tag zuende gehen lassen. Der Dienstag widerrum war super entspannt. Ich bin morgens mit einer Gruppe in den Computerraum gegangen und habe geholfen alle PCs anzuschalten. Ich hatte sogar zwei Stunden vor dem Mittag dann schon vorrübergehend Feierabend. Als ich aber zurück in mein Zimmer kam erwartete mich ein großer Schreck, da plötzlich in meinem Zimmer ein zweites Bett stand. Ich bin daraufhin zur Rezeption und habe mit meinem besten Spanisch versucht zu hinterfragen, warum dort noch ein Bett stehen würde. Zu meiner Erleichterung stellt sich heraus, dass lediglich mein Zimmer mit einem anderen vertauscht wurde und es gar nicht für mich bestimmt war. Nach dem Mittagessen und einer kurzen Siesta, die übrigens hier immer gehalten wird von 14 Uhr bis 17 Uhr, habe ich mich nochmal zur Arbeit aufgemacht. Diesmal war ich in einer anderen Einrichtung (Resi). Dort hatte ich das Gefühl, dass ich das erste Mal wirklich überfordert war mit der Sprache, da die Mitarbeiter in keinster Weise Rücksicht genommen haben und teilweise auf catálan gesprochen haben. Ich persönlich fühlte mich komplett deplaziert und hilflos. Nach der Arbeit konnte ich dann aber durch die anderen Freiwilligen aufgeheitert werden und wir machten uns auf den Weg zu einem naheliegendem Café. Der Mittwoch lief dafür wieder sehr interessant ab. Außerdem war es für mich viel leichter meine Arbeit zu machen, da ich wieder ins Schwimmbad mitgefahren bin und wusste was mich erwartet. Der Abend war dafür aber nochmal etwas ganz besonderes, da wir von Joan und Vio (supervisor) zu einem „Welcomedinner“ in ein Tapasrestaurante eingeladen wurden. Es war wirklich unbeschreiblich lecker. Die Tapas konnten jedem Geschmack gerecht werden und haben komplett satt gemacht.

5. Abenteuer Jocs Special Olympics Andorra

Pünktlich um 9:50 Uhr fuhr der Bus Richtung Andorra los. Nach einer etwa zweieinhalb stündigen Fahrt kamen wir an unserem Hotel an und checkten ein. Wir nahmen dann noch schnell ein kleines Mittagessen ein, bevor es zur Eröffnungsfeier ging. Die Zeremonie war wirklich atemberaubend. Meine Gänsehaut habe ich bis zum Ende nicht mehr weg bekommen. Unser Team ist mit den Monitors und mir gemeinsam ins Stadion eingelaufen. Als wir dann unsere Plätze eingenommen hatten, ging auch bald schon darauf die Feier los. Es gab Akkrobatikeinlagen, Reden und Gesangseinlagen von spanischen Sängern, sowie das Einlaufen verschiedener anderer Länder (Deutschland, Indien,…). Die Feier wurde abschließend mit einem riesen Konfettiregen gekrönt.

Olympisches Feuer

 

Jocs Special Olympics

 

 

Abends gab es dann noch nach dem Essen eine Teambesprechung der Monitors, wobei die nächsten Tage besprochen wurden. Schließlich konnte ich dann um 1 Uhr glücklich in mein Bett fallen. Am nächsten Morgen um 8 Uhr gab es ein mega Frühstück mit super leckeren Schokomuffins. Um 9:30 fand dann das erste Fußballspiel statt, welches wir mit 4:1 klar gewinnen konnten. Allerdings mussten wir dann bis Nachmittags warten, sodass wir in eine Bar was trinken gegangen sind und anschließend zu den anderen ins Schwimmbad gelaufen sind. Kurz danach sind wir aufgebrochen zum Essen. Dabei stellte sich allen nur eine Frage: Wo gibt es überhaupt Essen? Somit irrten wir durch die halbe Stadt bis wir den richtigen Ort gefunden hatten. Nachdem wirklich leckeren Essen sind wir in den nahegelegenden Park gegangen, wo es gratis Früchte und jede Menge Attraktionen gab.

Wie im Fernseh

Nach dieser etwas längeren Pause sind wir wieder zum Fußballstadion zurück. Dort spielten wir dann das erste Spiel der Gruppenphase, welches wir leider im Penaltyschießen verloren. Abends gingen wir wieder in eine Bar. Allerdings musste ich schon früher gehen, da es mir plötzlich sehr viel schlechter ging. Ich hoffte einfach nur, dass ein bisschen Schlaf das richten würde. Jedoch musste ich am nächsten Morgen feststellen, dass ich mich getäuscht hatte. Mich hatte es komplett erwischt. Ich wachte mich Fieber, Halsschmerzen und Überlkeit auf. Dennoch wollte ich nicht den ganzen Tag im Hotel bleiben und ging trotzdem mit zu den sportlichen Aktivitäten. Allerdings konnte ich mich den ganzen Tag nicht richtig erholen, sodass ich abends meinen Tiefpunkt der Gesundheit erreicht hatte und Anna, eine der Monitors, mir Medikamente aus der Apotheke geholt hat. Diese haben mir ziemlich schnell geholfen, sodass ich abends noch mit auf die Feier der Sportler konnte. Der nächste Tag begann so wie der vorherige endete. Mir ging es schon viel besser und ich konnte Andorra nochmal genießen. Allerdings sind wir schon um 9 Uhr abgereist und sind nach einer echt laaaangweiligen Abschlusszeremonie (11-16 Uhr) Richtung Tarrega gefahren. Somit endeten die Special Olympics 2018 für mich. Es war wirklich ein mega Event, das viele Überraschungen bereit hielt und eine super Erfahrung für mich war.

 

6. Thema Unabhängigkeit

Spanien und Katalonien. Davon habe ich schon viel in Deutschland gehört und manche haben sogar gefragt, ob ich verrückt sei zur Zeit nach Katalonien zu gehen. Ich kann dazu nur mit einem klaren Nein antworten. Man kann zwar merken, dass viele Leute diese Thema hier beschäftigt und die Mehrheit nicht gut auf Spanien zu sprechen ist, aber die Katalanen sind dabei weder gewaltvoll noch aggressiv in ihren Protesten. Ja, die Unabhängigkeit ist hier ein großes Thema. Und ja, es wird öffentlich gezeigt. Es ist an jeder Ecke, an jeder Laterne, an jeden Fenster und auf jeder Straße sichtbar. Sie haben überall gelbe Schleifen aufgeklebt, aufgehangen oder aufgemalt. Diese stehen für die Freilassung der Aktivisten und Politiker in spanischer Gefangenschaft und sind zusätzlich das Symbol, der Unabhängigkeit und Freiheit geworden. Außerdem hängt aus vielen Fenstern die Flagge von Katalonien. Allerdings sind dies nicht die Orginalflaggen. Auf ihnen ist ein blaues Dreieck mit einem weißen Stern drauf. Auch dies ist ein stummer Protest, da die Flagge, die  eines unabhängigen Kataloniens ist.

Unabhängigkeitsflagge

 

Anti-Polizei-Spruch

 

Unabhängigkeit Katalonien

So das war’s erstmal für jetzt mit meinem Blogeintrag, aber ihr werdet bald von mir hören und ich hoffe, dass ich euch bis dahin neue Sachen berichten kann, um euch einen kleinen Einblick in mein neues Leben in einem neuen Land geben zu können.
Adíos, Lisa

 


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