Nachdem ich nach 21 Stunden Flugzeit endlich am Dienstag den 21.08.2018 in Port Elizabeth angekommen bin, wurde ich von unseren 3 Koordinatoren Lea, Sanam und Ben abgeholt und herzlich in Empfang genommen. Sie haben mir mein Zimmer gezeigt und die verschiedenen Gemeinschaftszimmer. Für das leibliche Wohl sorgen unsere drei sogenannten „mamas“ die Kochen und sich um das Gelände kümmern. Außerdem haben wir eine große Wiese mit Volleyballnetz und zwei Fußballtoren, auf der wir oft unsere Freizeit verbringen. Leider ist der Pool noch nicht wirklich in Benutzung, da das Wetter meist regnerisch und sehr windig ist. Allerdings hat uns das nicht abgehalten bereits zwei Mal bei stürmendem Regen mit Klamotten in den kalten Pool zu springen. Im Bezug auf das Thema Sicherheit ist das Leben hier deutlich eingeschränkter als in Deutschland, zum Beispiel sollen wir nicht alleine zum Supermarkt laufen, sondern immer in Gruppen oder ein Uber nehmen. Auf dem Gelände selber sorgen jede Nacht die zwei Nachtwächter Laurenz und Wilmuth von 18:00 bis 6:00 Uhr für Sicherheit auf dem Gelände. Trotzdem kann man viele Sachen unternehmen, wenn man sich an ein paar einfache Regeln hält und keiner der Freiwilligen fühlt sich in irgendeiner Situation unsicher.

In den ersten 3 Tagen war ich alleine auf dem Gelände, da die anderen Freiwilligen erst Freitag oder Samstag Nachmittag angekommen sind. In den Tagen hatte ich Zeit um mich einzuleben und mich um verschiedene Sachen zu kümmern, wie zum Beispiel eine SIM-Karte und wärmere Klamotten. Es ist immer noch Winter hier in Südafrika und am Abend und in der Nacht kühlt es doch deutlich ab (unter 10 Grad). Außerdem hatte ich die Möglichkeit mit Nick (Chef von UTS) meine Zeit hier zu besprechen und mir wurde mitgeteilt welche Aufgaben mich erwarten werden.

Samstags kamen dann über den Tag verteilt die restlichen Freiwilligen, die aus Holland, Österreich, England, Deutschland, den USA und Australien kommen. Es ist schön, Leute aus aller Welt zu treffen, die die gleiche Arbeit machen und mit dem gleichen Ambitionen und Zielen nach Port Elizabeth (PE) gekommen sind. Abends gab es ein großes Braai (Afrikaans für Grillen) für alle Freiwilligen und Mitarbeiter um sich gegenseitig kennen zulernen. Die zwei darauffolgenden Tage wurden wir auf unsere Arbeit vorbereitet und haben eine Township Tour gemacht auf der es „Smileys“ zum Mittagessen gab. Smileys sind eine einheimische Spezialität und sind gegrillte Schafsköpfe. Etwas gewöhnungsbedürftig aber auf jeden Fall eine Erfahrung wert. Eine weitere Spezialität, die ich leider noch nicht probieren konnte, sind gegrillte Hühnerfüße und Hühnerköpfe, die „Walkies and Talkies“ genannt werden.

Smileys in einem Township

Eine typische Woche startet am Montag um 9:30 Uhr für mich. Dann heißt es Abfahrt an vier verschiedene Schulen in Townships und ich bin mit den drei Dutchies Camiel, Mariska und Daniel Rugby Trainer. Sobald der Bus auf das Schulgelände fährt, rennen schon die ersten Kinder dem Bus hinterher, da sie sich auf die verschiedenen Sportarten (Fußball, Rugby, Hockey, Basketball, Tennis und Netball) freuen. Seit 1994 ist Sport kein Pflichtfach mehr an Schulen in Südafrika, daher ist unser Besuch für die meisten Kinder leider die einzige Chance Sport zu machen. Dienstags geht es auch wieder um 9:30 Uhr los, wo ich Basketball mit Rik, auch einem Holländer, und den Kindern mache. Da die meisten Schulen kein Basketballfeld und auch keine Körbe haben, müssen wir kreativ werden. Als Körbe benutzen wir meistens Eimer oder leere Mülltonnen, die dann von einem der Coaches hochgehalten werden oder auf Stühle gestellt werden. Die Spielfelder auf denen wir unterrichten sind von Schule zu Schule sehr verschieden. Von schönen Spielfeldern ohne Müll bis hin zu einer Rasenfläche mit Dreck wie zum Beispiel Schuhen, Klodeckeln, Plastiktüten, Steinen usw. ist alles dabei. Das stellt uns jedes Mal vor neue Herausforderungen aber die Kinder sind sehr hilfsbereit und kreativ. Coaching endet meistens um 16:00 und danach haben wir Freizeit.

Alternativer Basketballkorb beim Teaching

Jeden Mittwoch und Freitag geht es für mich um 7:30 Uhr an die Astra Primary School in Bethelsdorp. Mittwochs ist es meine Aufgabe Kinder aus den Jahrgängen 3 und 4 aus dem Unterricht zu holen und mit ihnen jeweils eine halbe Stunde zu lesen. Leider ist es den Lehrern an der Schule nicht möglich jedes Kind individuell zu unterstützen, da die Klassen größer sind als in Deutschland. Es sind oft mehr als 35 Schüler. Dadurch kommen manche Kinder nicht mit und fallen zurück und können deswegen, obwohl sie in der vierten Klasse sind, fast gar nicht Lesen. Dadurch sitzen manche Schüler im Unterricht und tun nur so als ob sie mitarbeiten, obwohl sie die Aufgabenstellung nicht lesen können. Außerdem trauen sich die meisten Kinder nicht zu fragen, da es ihnen peinlich ist, dass sie nicht richtig lesen können. Ein weiterer Grund dafür ist, dass die Kinder nicht die Möglichkeit haben zu lesen. Eine Lehrerin, die Englisch unterrichtet, hat mir erklärt, dass die meisten Familien es sich nicht leisten können Bücher zu kaufen und es den Kindern nicht möglich ist Bücher auszuleihen, da man 21 Jahre alt sein muss um einen Bibliotheksausweis zu beantragen. Das Lesen mit den Kindern macht sehr viel Spaß und bereits in der halben Stunde bemerkt man den Fortschritt, den die Kinder machen. In den Frühstückspausen spielt man mit den Kindern, vor allem die Kleineren lieben es hochgehoben und in die Luft geworfen zu werden. Allerdings muss man jedes Kind hochwerfen und wieder auffangen, sobald man mit einem Kind angefangen hat. Das wird auf Dauer mit 30 Schülern anstrengend. Freitags gehe ich in eine Klasse und unterstütze die Lehrer, indem ich mich um die Kinder kümmere, die nicht mitkommen. Sobald man den Klassenraum betritt, lassen manche Kinder alles stehen und liegen und rennen auf einen zu, weil sie eine Umarmung wollen. Das Teaching ist gegen 2:00 Uhr zu Ende. Dadurch hat man am Nachmittag die Möglichkeit Wäsche zu waschen und sich um andere Dinge zu kümmern.

Teaching an der Astra Primary School

Donnerstags geht es auch wieder um 9:30 zum Hockey-Coaching. Allerdings konnte ich bis jetzt Hockey noch nicht anleiten, da das Coaching abgesagt wird, sobald es stark regnet und das war in den letzten 2 Wochen leider immer donnerstags der Fall. Da die Kinder meist nur eine Schuluniform haben, sagen uns die Schulen bei Regen ab. Ansonsten würden die Kinder nass und dreckig im Unterricht sitzen und hätten für den nächsten Tag keine Schuluniform.

Der schönste Moment in meinem Projekt bis jetzt war an meinem Geburtstag. An einer Schule bin ich nach Ende der Coaching Stunde zurück zum Bus gelaufen und es standen viele Kinder um den Bus herum. Eine der anderen Freiwilligen Mariska hat dann den Kindern gesagt, dass heute mein Geburtstag ist und alle haben zusammen gesungen und haben mir gratuliert. Danach sind alle Kinder auf mich zu gerannt und haben mich umarmt. Die Freude, die Kinder jeden Tag haben und wie glücklich sie sind ist ansteckend und motiviert jeden von uns Freiwilligen jedes mal aufs Neue.


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