Eine der meist gestellten Fragen, mit denen ich seit meiner Ankunft in Kapstadt konfrontiert werde, ist die Frage, die bereits schon im Titel prangt: „Was machst du jetzt eigentlich während deines Freiwilligendienstes in Südafrika?“

Um ehrlich zu sein war ich mir darüber vor meiner Abreise auch nicht ganz im Klaren. Es ist für mich sehr ungewohnt gewesen über den halben Globus zu reisen und nicht zu wissen, was mich genau erwartet. Klar wusste ich wofür AIDC, die NGO/NPO in der ich während meines Aufenthalts untergebracht bin, im Generellen steht. Doch schon auf der Website (http://aidc.org.za/) wird ersichtlich, dass sich AIDC mit einer ganzen Bandbreite von Themen beschäftigt: von Klimawandel, über Arbeitslosigkeit bis hin zu illegalen Finanzströmen. Für all diese Themenfelder gibt es Taskforces, die sich meistens um ein Gebiet im Speziellen kümmern. Tja, und mittendrin Ich, die für vieles in dieser Liste kein Hintergrundwissen besessen hat.

Schon mal Entwarnung: selbst wenn man bisher nicht so viel Ahnung von den Themen hat, mit denen sich AIDC auseinandersetzt, kann man hier trotzdem seinen Platz finden und vor allen Dingen VIEL LERNEN. Manche von euch fragen sich jetzt vielleicht: „Aber wenn du doch gar nicht so viel Wissen mitbringen konntest, was hat dich dann nach AIDC verschlagen?“. Ich habe vor meinem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst Psychologie studiert, was tatsächlich erstmal wenig mit den politischen Zusammenhängen hier in Südafrika zu tun hat. Was allerdings aus dem Studium hilft, ist dass sehr viel Lektüre nur auf Englisch erhältlich war und ich deswegen darin geübt war Texte auf Englisch zu lesen. Und das ist eine wichtige Eigenschaft hier bei AIDC, aber dazu später mehr. Neben meinem Studium habe ich mich in einer studentischen Eigeninitiative engagiert, die politisch ausgerichtet ist und konnte darin bisher mein politisches Interesse verwirklichen. Nachdem ich mein Studium abgeschlossen hatte, habe ich mich dann dafür entschieden meinen Horizont fern ab von meinem Studienfach zu erweitern. Long story short: Meine Leidenschaft mich politisch zu engagieren hat mich schlussendlich zu AIDC geführt.

Aller Anfang ist schwer

Ich würde lügen, würde ich sagen, dass der Anfang bei AIDC hinsichtlich der Arbeit super einfach war. Meine Arbeitskollegen waren super nett und aufgeschlossen mir gegenüber. Es gibt auch einige junge Kollegen, die einen quasi anstecken mit ihrer Energie. Ich hatte jedoch am Anfang das Gefühl keine wirkliche Unterstützung zu sein, da ich eben sehr wenig über komplexe Zusammenhänge in der Politik Südafrikas wusste (z. B. der Zusammenhang zwischen der Regierung und dem staatlichen Stromversorger Eskom, bzw. warum immer noch so stark auf Kohleenergie gesetzt wird, obwohl diese schon auf dem absteigenden Ast sein sollte, was wiederum zu starken gesundheitlichen und ökologischen Problemen führt). Dann hieß es am Anfang „Lesen, Lesen und noch mehr Lesen“, um sich in die Themen einzuarbeiten. Deswegen kann ich auch sagen, dass ich in meinen ersten Monaten sehr viel an Wissen dazu gewinnen konnte. Primär habe ich eine neue Perspektive auf Kolonialismus und Kapitalismus bekommen, die einen Vieles hinterfragen lässt. Den Umstand, dass ich zu Beginn sehr viele Artikel und Broschüren lesen musste, konnte ich aber auch in etwas Nützliches wandeln. So habe ich viele Texte zu den wichtigsten Passagen zusammengefasst und komplizierte Texte so vereinfacht, dass wenn ich schlussendlich verstanden habe worum es geht, es auch andere nicht „Native English Speaker“ verstehen können. Es war aber natürlich auch klar, dass das nicht die Aufgabe bis zum Ende meines Dienstes für mich sein sollte oder wird.

Start eines eigenen Projekts

Glückliche Umstände haben dazu geführt, dass ich mich sehr mit einem anderen internationalen Intern angefreundet habe. Zusammen kamen wir auf die Idee ein neues Medium zu nutzen, um die alltäglichen Probleme der Bewohner Südafrikas und im Speziellen der Kapstadts zu thematisieren und in kurzen Podcast den Hörern näher zu bringen.Dies kann zum einen dazu führen, dass manchen Menschen hier in Kapstadt erst bewusst wird, dass bestimmte Probleme existieren, weil sie vorher nie mit diesen konfrontiert waren. Zum anderen können Vorurteile und Halbwissen aus dem Weg geräumt werden, wenn man Informationen von denjenigen Leuten erhält, die primär betroffen sind. Das ist mittlerweile zu einem kontinuierlichen eigenen Projekt geworden auf das ich sehr stolz bin.

Neue Herausforderung: Public Speaking in English

Es gibt außerdem monatliche Meetings, die zu der „One Million Climate Jobs“ Kampagne gehören. Zu diesen Meetings werden Experten eingeladen, die interaktive Vorträge zu aktuellen Ereignissen und Publikationen rund um das Thema Klimawandel halten z.B. zu dem Integrated Resource Plan (IRP2019), der vor nicht all zu langer Zeit von der Regierung veröffentlicht wurde, um der Bevölkerung ihren Plan zu Erweiterung der Elektrizitäts-Kapazität vorzustellen – Oh wunder, trotz Klima Krise soll mehr in Kohlekraftwerke investiert werden, während Investments in erneuerbare Energien limitiert werden. Für das letzte Meeting wurde ich gebeten auch einen kleinen Vortrag vorzubereiten. Nachdem ich also sehr geübt im Lesen englischer Texte war, stand ich vor einer neuen Herausforderung: einen formelleren Vortrag auf englisch zu halten. Doch dank moderner Technik und halbwegs vorhandenen Power Point Fähigkeiten war es mir möglich ein paar Vokabelstützen einzubauen und mein Anliegen verständlich rüber zu bringen. Schließlich habe ich auch für die Menschen hier einen starken deutschen Akzent, den sie manchmal genau so wenig verstehen wie ich anfangs Gesprächspartner mit einem Xhosa Akzent nicht wirklich gut verstehen konnte.

Ferien voraus!

Nachdem ich nun schon seit 3 Monaten meine Zeit bei AIDC verbringe, steht die erste größere Pause bevor. AIDC schließt im Dezember/Anfang Januar, wie viele Organisationen und Firmen in Kapstadt, sodass sich die Kapstädter auf den Weg machen können ihre Stadt zu verlassen, die zu diesem Zeitpunkt von Touristen und Schülern überflutet wird. Diesem Beispiel werde auch ich folgen und mich auf ein kleines Abenteurer begeben.

Doch mehr zu meinem Roadtrip im nächsten Blogeintrag!

Bis dahin!

Eure Janina


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