Exploring South Africa: Weihnachten mal ganz anders

Nachdem ich mich nun vollkommen bei AIDC eingelebt hatte (zu lesen in meinem letzten Blogeintrag), ging es langsam aber sicher auf Mitte Dezember zu. Und das bedeutet für die meisten Firmen und Organisationen in und um Kapstadt: „Feerriiieeen!“. Wie es ein waschechter Kapstädter tuen würde, flohen wir aus der von Touristen überfluteten Mother City, um unsere freie Zeit zu nutzen und andere Seiten von Südafrika kennenzulernen. So fanden wir uns nur einen Tag nach dem letzten Arbeitstag auf einem etwas mehr als 2 wöchigem Roadtrip wieder; beginnend in Johannesburg.

First stop: Johannesburg
Als wir morgens leicht übermüdet in Johannesburg ankamen, machten wir uns auf den Weg andere Freiwillige  zu besuchen, bei denen wir glücklicherweise auch übernachten konnten. Schon auf dieser ersten Fahrt wurde klar, Johannesburg ist groß und busy. Denn selbst am Samstagmorgen waren die Highways nicht wirklich das Mittel der Wahl um schnell ans Ziel zu kommen. Nach einem Kaffee und Erdnussbutter-Toasts war man dann  auch gestärkt für den Tag, um Johannesburg zu erkunden.

Wir fuhren nach Maboneng, einem recht hippen Viertel inmitten der Stadt. Hier schmiegten sich Kleinkunststände an alternative Bars, süße Second Hand Läden, Restaurants mit Essen aus aller Welt, Kurzfilm-Kinos und Kleinkunsttheater. Nachts verwandelte sich das Viertel dann zu einer Party-Szene. Im Gegensatz zu Kapstadt bevorzugt ein Großteil der schwarzen Bevölkerung Johannesburg (zumindest nach den Leuten, mit denen ich mich in Johannesburg unterhalten habe), weil dort die strikte Trennung der Apartheid weniger zu spüren ist als in Kapstadt, wo viele Wohngebiete noch stark durch eine Hautfarbe gekennzeichnet ist.
Am nächsten Tag stand dann das Constitution Hill – Museum auf dem Plan. Dabei handelt es sich um einen Komplex, auf dem ehemals ein Frauen- und ein Männergefängnis standen sowie das ehemalige und heutige Verfassungsgericht steht. Die Gefängnisse werden heute nicht mehr genutzt, sondern dienen der Illustration der Gewalt und der Ungerechtigkeit zu Zeiten der Apartheid. Für mich war dieser Ort höchst emotional und löste in mir die negativsten Gefühle aus, die je auf dieser Reise haben würde. Aber damit war das Ziel dieser Institution auch erreicht. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dabei das Zitat von Nelson Mandela, das kurz nachdem man den Komplex betritt über dem Eingangstor steht: „It is said that no one truly knows a nation until one has been inside its jails. A nation should not be judged by how it treats its highest citizens, but its lowest ones – and South Africa treated its imprisoned African citizens like animals. “

Second Stop: Blyde River Canyon
Unser Weg führt uns weiter zum 5 Stunden von Johannesburg entfernten Blyde River Canyon. Für mich zeigt dieser Ort einer der beeindruckendsten naturgeschaffenen Formationen, die ich je gesehen habe. Die Aussicht über den gesamten Canyon ist grandios. Für Menschen mit Höhenangst ist der Aussichtspunkt vermutlich weniger zu empfehlen, dennoch ist das Naturspektakel mehr als einen Blick wert. Verschiedene Bergketten, ineinander fließende Flüsse, ein Meer an Bäumen,Pflanzen und Felsformationen verschmelzen zu einer Szenerie. Die Ruhe und weitreichende Landschaft ließ mich denken: „So muss sich Freiheit anfühlen.“ Tatsächlich sollte man sich die Zeit nehmen und nicht nur am Aussichtspunkt halten, sondern auch eine der vielen schönen Wanderungen durch den Nationalpark machen. Auf unserer Wanderung lagen unverhofft natürliche Pools, die durch den Fluss, der durch das Gebiet fließt, entstanden sind. Eine erfrischende Überraschung! Diese Wanderung zählt definitiv zu den eindrucksvollsten, die ich je gemacht habe und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Third Stop: Krüger National Park
Die Straße zum Krüger National Park führte über die Panorama Route und die weitläufige Landschaft wird diesem Namen mehr als nur gerecht. Unsere Nacht verbrachten wir in Graskop, ein kleiner Ort, der vor allen Dingen dadurch bekannt ist, weil er am Anfang der Panorama Route liegt. Viel mehr lässt sich zu diesem Ort leider auch nicht sagen, bis auf dass man dort sehr gut Pfannkuchen frühstücken kann.
Unsere Reise ging weiter nach Hazyview. Ich kann das Adventure Backpacker sehr empfehlen. Coole Leute, Coole Unterkunft in Mitten von Bäumen. Außerdem ist Hazyview nur 20 Minuten von dem nahe gelegensten Krüger Gate entfernt und weil es außerhalb dem Park liegt auch nicht so teuer (Studentisches Denken am Start :D). Wir verbrachten einen ganzen Tag im Park und haben unglaublich viele Tiere sehen können: verschiedene Antilopen, Zebras, Affen, Giraffen, Büffel, Elefanten und Hyänen. Löwen waren an dem Tag leider nicht zu sehen, den Tag haben wir trotzdem in vollen Zügen genossen. Abgeschlossen wurde der Tag mit einem von Farben getränkten Himmel: Lila floss in rot, rosa, orange und blau. Einfach nur wunderschön!

Fourth Stop: Durban
Eine etwas längere Fahrt durch ländliche Regionen und Dörfer, bei denen man auf frei herum laufende Tiere wie Kühe, Ziegen und Hunde auf der Straße achten musste brachte uns nach Durban. Dort konnten wir bei Freunden aus Kapstadt unterkommen. Man muss sagen, mich hat Durban ein bisschen an bestimmte Gegenden in Spanien erinnert, bei denen die riesigen Hotel-Bauten direkt an die Strandpromenade gebaut sind. Ein riesiger Strand entlang Durban, der in verschiedene Abschnitte unterteilt ist, aufgrund der Ferienzeit auch mit Menschen überflutet. Durban ist wohl nicht die schönste Stadt, die ich je gesehen habe, wir haben dennoch dort eine gute Zeit zusammen verbracht.

Fifth Stop: Coffee Bay
Die Fahrt nach Coffee Bay war nervenaufreibend. Da die Wild Coast viel weniger touristisch als die allseits bekannte Garden Route ist, befindet sich die Infrastruktur in einem sehr schlechten Zustand. Die Straße besteht zum Teil mehr aus Schlaglöchern als aus ebener Straße, wenn man überhaupt von Straße sprechen kann. Kommen dann noch Berg und Talfahrten mit einem nicht ganz geländefähigen Auto hinzu wird der Weg ein wenig stressig. Der war es aber sowas von Wert! In Coffee Bay hatte ich wirklich das Gefühl runter zu kommen. Buchten, Felsen, Hügel, Meer und wenn es wolkenklar ist kann man nachts einen atemberaubenden Sternenhimmel sehen bei dem man sogar die Milchstraße erkennt.

Sixth Stop: Christmas in PE
Am 24. Dezember kamen wir dann in Port Elizabeth, kurz PE, an. Mit einem kurzen Abstecher zum Sardinia Beach, der seinem Namen alle Ehre macht, versammelten wir uns abends um einen großen Tisch mit Kerzen und reichlich Salaten, Kräuterbroten und anderen Leckereien um zusammen zu grillen. Mit so vielen Leuten, gutem Essen, feierlicher Musik und ausgelassener Stimmung hatte man keine Zeit Heimweh nach den Lieben zuhause unter dem Weihnachtsbaum zu bekommen. Als man aber doch kurz zuhause anrief um frohe Weihnachten zu wünschen, gab es einen kleinen Moment von Vermissen. Alles in allem war Weihnachten in PE ein voller Erfolg. Am nächsten Morgen ging es dann noch in eine Freikirche, um sich den Gottesdienst dort mal anzuschauen. An mancher Stelle war der Inhalt des Gottesdienstes für mich persönlich zu konkret und wörtlich auf biblische Phrasen gerichtet, die Medien die für den Gottesdienst genutzt wurden fand ich aber sehr cool und modern: eine Rock-Pop-Band die Christian Rock gespielt hat, Schattentheater, Lichteffekte und Tanzeinlagen, alles war dabei.
Bevor es dann nach Jeffreys Bay ging, haben wir noch einen Abstecher in den Addo Elephant Park gemacht. Dieser ist vor allen Dingen wegen der großen Population an frei lebenden Elefanten bekannt (daher auch der Name 😉 ). Dort konnte ich aber auch Löwen beobachten, die wir vorher im Krüger ja verpasst haben.

Seventh Stop: Jeffreys Bay
Jeffreys Bay ist bekannt als Surfer Paradies. Wir hatten allerdings etwas Pech mit dem Wetter. Für ausgiebiges Seele-baumeln-lassen in der Hängematte war dadurch aber genug Zeit. Mit direktem Blick auf das Meer, einem warmen Getränk in der Hand und einem guten Buch (ist übrigens ein deutsches Buch, das ich von meinem südafrikanischem Arbeitskollegen geschenkt bekommen habe, weil er es bei sich zuhause rumliegen hatte und nicht lesen konnte) ließ es sich gut leben.

Eighth Stop: Natures Valley
In Natures Valley hatten wir Glück noch auf einem Camping Platz unterzukommen, da dieser eigentlich schon ausgebucht aber eigentlich der einzige Campingplatz in der Nähe war. Da zahlt es sich aus nicht viel mehr als ein 4-Personen Zelt dabei zu haben , dass man zur Not auf dem kleinsten Fleck freie Wiese aufschlagen kann. Auch hier wurde einem Nachts ein wunderschöner Sternenhimmel präsentiert. Da Natures Valley so abgelegen ist, gibt es tatsächlich auch nur einen Shop und ein Restaurant in der Nähe, bei dem wir somit öfter zu Besuch waren. Auch hier gibt es viele lokale Wanderwege, die man schnell erreicht. Besonders empfehlen kann ich den Weg auf sich zu nehmen und bis zum Punkt zu laufen, wo der Salt River auf Küste zum Ozean trifft. Dort hat sich eine beeindruckende Bucht gebildet, bei der auf den Hängen zu ihr hinunter die Bäume so gewachsen sind, dass sie wasserfallartig in die Bucht zu fließen scheinen. Danach folgt raue Küste, aufgeschäumtes Wasser und schwarze Felsen im Ozean. Hier wird einem die Kraft der Natur einmal wieder bewusst, denn diese ist gewaltig und als einzelner Mensch hat man keine Chance gegen diese Gewalt anzukommen.

Ninth Stop: Wilderness
Last Stop before back home. In Wilderness kann ich das Fairy Knowe Backpacker sehr empfehlen. Hier kann man für kleinen Preis quasi im Vorgarten übernachten. In den Bäumen hängen Schaukeln und Hängematten, man kann draußen zusammen Essen und von dort aus werden viele Dinge unternommen. So haben wir uns Kayaks geliehen und sind mit diesen Fluss aufwärts gepaddelt bis der Fluss irgendwann zu eng und flach wurde. Dort konnte man mit den Kayaks anlegen und eine weitere halbe Stunde Fußmarsch später einen Wasserfall bewundern. Unglücklicherweise hatte es angefangen zu regnen, weswegen die Felsen zu rutschig waren um über diese zu dem Wasserfall zu klettern. Die Rückfahrt wurde dann nicht trockener, sodass wir durchnässt wieder am Backpacker ankamen. Nach einer heißen Dusche und einem warmen Essen waren wir dann auch gestärkt genug, um die Heimreise anzutreten.

Destination: Kapstadt
Home sweet Home! Nach einer langen Reise kamen wir mit tausenden von Eindrücken im Gepäck wieder Zuhause an. Die Reise hat uns auf jeden Fall verschiedenste Seiten von Südafrika aufgezeigt, die über Kapstadt hinaus gehen. Von Business getriebene Städte, touristenleere Natur, National Parks, ländliche Dörfer, Wald, Flüsse, Dünen, Wasserfälle, uvm.
Natürlich gab es auf der Reise auch einige Momente mit einem mulmigen Gefühl, da aufgrund der hohen Armut, Arbeitslosigkeit und Ungerechtigkeit Kriminalität zum alltäglichen Leben gehört. Gerade in ländlichen Regionen, in denen man schnell als Tourist erkannt wird, entwickelt man manchmal eine kleine Paranoia. Uns ist auf der Reise nichts zugestoßen, sodass ich als einfachen Ratschlag jedem mitgeben würde, dass man einfach nicht leichtsinnig werden darf und nicht vergessen sollte wo man sich befindet, auch wenn man sich an einem Ort sehr sicher fühlt. Wenn man auf sein Bauchgefühl hört und seine Umgebung beobachtet, ist das eine solide Basis, um eine sorgen- und zwischenfallfreie Zeit zu verbringen und den Urlaub über die Feiertage genießen zu können.


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