Kaum zu glauben, dass ich jetzt schon fast die Hälfte meiner Zeit hier bin. Ich freue mich so sehr auf alles, was 2020 bringen wird und vor allem erstmal auf meine bevorstehenden Abenteuer in Ecuador. Jetzt, wo die Feiertage vorbei sind und der Alltag schnell wieder eingekehrt ist, möchte ich euch ein bisschen darüber erzählen, wie ich diese Zeit in Ecuador erlebt habe:

Feliz navidad!

Bei uns in Quero wurde der Advent nicht wirklich zelebriert. In der Fundación wurde zwar schon Ende November die Weihnachtsdeko aufgehängt, allerdings gab es weder einen Adventskranz noch einen Adventskalender. Daher haben Johanna und ich beschlossen, dass wir zumindest eine dieser deutschen Traditionen hier gerne einbringen würden und haben selber Adventskalender für die Fundación und unsere Gastfamilie gebastelt. Sie kamen super gut an. Besonders in der Fundación hatte ich das Gefühl, dass viele der Kinder das sehr besonders fanden und extrem wertschätzen konnten. Da viele von ihnen auch aus wirklich sehr ärmlichen Verhältnissen kommen, war für sie die tägliche Süßigkeit eine Besonderheit und es war rührend zu sehen, wie sie sich darüber gefreut und jeden Tag schon morgens beim Reinkommen gefragt haben, wer das heutige Tütchen öffnen darf.

Johanna, Maura und ich mit einigen Patienten der Fundación vor unserem selbstgebastelten Adventskalender

 

Auch wenn es keine klar abgetrennten Jahreszeiten gibt, ist gerade so etwas wie Sommer in Quero, das bedeutet, dass es ein wenig wärmer ist und es mehr sonnige Tage gibt als im Winter. Durch das verhältnismäßig warme und sonnige Wetter kam für mich nicht so wirklich Weihnachtsstimmung auf.

Weihnachten selbst fing dann erstmal ähnlich wie in Deutschland an: mit Vorbereitungen. Am 23. wurde zunächst das ganze Haus geputzt, geschmückt und umgeräumt, so dass die 25 Gäste, die sich für den nächsten Tag angekündigt hatten, auch alle einen Platz haben würden und man nach dem Essen noch tanzen könnte.

Der Versuch in einem Gasofen Plätzchen zu backen – beim zweiten Versuch m Lehmofen hat es besser geklappt

Am 24. gingen die Vorbereitungen weiter und während in Deutschland Heiligabend schon in vollem Gange war (wir sind hier 6 Stunden zurück), bereiteten Johanna und ich eine letzte Ladung deutscher Weihnachtsplätzchen vor. Als bei uns die rund 25 Gäste (Familie von beiden Seiten meiner Gasteltern, sowie Freunde der Familie) eingetrudelt waren und das Fest mit über einer Stunde Verspätung, klassisch ecuadorianisch, endlich losging, war in Deutschland schon jeder im Bett. Das Fest begann damit, dass jeder reihum etwas sagen musste. Dabei ging es darum, seine Dankbarkeit ausdrücken, für die Unterstützung, die man von den Anwesenden das Jahr über bekommen hat.  Erst war mir das etwas unangenehm und ich wusste gar nicht, was ich sagen soll, aber letztendlich fand ich das eine schöne Tradition, um auch seine Liebsten wissen zu lassen, dass man sie sehr schätzt. Danach fand eine kleine Bescherung statt. Das ist, wenn ich das richtig mitbekommen habe, nicht besonders ecuadorianisch, hier wird in den meisten Familien zu Weihnachten eher nichts verschenkt. In meiner Gastfamilie hatten wir uns aber dazu entschlossen zu wichteln, so dass jeder eine Kleinigkeit für eine Person besorgen musste. Ich habe meinem Gastvater ein Vier-Gewinnt Spiel geschenkt.

Johanna und ich mit unseren Gastgeschwistern und unserem Gastcousin (das Baby) an Heiliabend

 

Nach der Bescherung haben wir um ca. 10 Uhr abends gegessen, es gab Truthahn und Schweinefleisch mit – wie könnte es anders sein – Reis und einem Kartoffelgericht. Anschließend wurden irgendwann die Tische weggeräumt, um mehr Platz zum Tanzen zu haben. Wenn auch nicht alle Gäste ganz so lange durchgehalten haben, es wurde bis in die frühen Morgenstunden hinein getanzt, getrunken, Vier-Gewinnt gespielt und ausgelassen gefeiert, so dass ich erst um 6 Uhr morgens nach einem traumhaft schönen Sonnenuntergang ins Bett gegangen bin.

Der Weihnachtstag (hier gibt es übrigens nur den einen) wurde dementsprechend erstmal mit Ausschlafen und Erholen verbracht. Dummerweise ist uns dann noch bei einer Erledigung, die so 5 Stündchen dauern sollte, der Reifen vom Auto kaputt gegangen. Unterwegs an Weihnachten Ersatz zu finden, stellte sich als eine große Herausforderung heraus, so dass wir am Ende 10 Stunden unterwegs waren und von traditionellen Weihnachtsfeiern oder Ähnlichem nur wenig mitbekommen haben.

Die Tage bis Neujahr musste ich nicht arbeiten, sie vergingen aber wie im Flug, da ich sie gemeinsam mit der Familie verbracht habe. Wir haben Pizza im Lehmofen im Garten gebacken, noch mehr Vier-Gewinnt gespielt und natürlich auch die Zeit mit Fußball verbracht (wie könnte es anders sein)

Tagelanges Viergewinnt Spielen, hier mit meinem Gastbruder und Freunden

Feliz año nuevo!

Silvester war ebenfalls eine ganz eigene und andere Erfahrung. Es begann damit, dass sogenannte „viudas“ (als Frauen verkleidete Männer) die Straßen in Quero tagsüber verbarrikadierten und die Autofahrer nur für Geld durchließen. Dafür haben die Autofahrer aber auch meistens einen Tanz oder Ähnliches geboten bekommen. Abends ist die ganze Familie ins Zentrum von Quero zu einem überdachten Basketballplatz aufgebrochen. Dort fand die ganze Fiesta statt und ganz Quero hatte sich versammelt. Es begann mit einem Programm (Tänze von Viudas sowie Livemusik) und endete kurz vor Mitternacht mit einem Sketch, in dem die Leute aus Quero einmal durch den Kakao gezogen wurden. Der Sketch war in Form eines Gottesdienstes aufgebaut und in der „Predigt“ sowie in den „Fürbitten“ wurde sich über die diesjährigen Ereignisse in Quero auf zum Teil auch etwas gemeine, aber sehr witzige Art und Weise belustigt. Dann um Mitternacht, nachdem sich ganz Quero einmal umarmt hatte und es ein kleines Feuerwerk gab, wurde das sogenannte „año viejo“ ( das alte Jahr) in Form einer Holz-oder Pappfigur, die oft auch eine Person aus dem Dorf darstellt, verbrannt. Es soll aber Glück bringen, wenn man das macht, da man nur das Unglück und die bösen Geister verbrennt, um gereinigt und ausschließlich mit Glück ins neue Jahr zu gehen. Obwohl den ganzen Abend über viel getrunken wurde, wurde um Mitternacht nichts getrunken. Hier ist es keine Tradition, auf das neue Jahr anzustoßen.

viudas

Danach wurde nur noch wild getanzt. Ich habe wieder einmal die ganze Nacht durchgetanzt, bis ca. 4 Uhr morgens . Danach war zwar mein Fuß sehr angeschwollen, aber um es in den Worten meines Gastvaters auszudrücken: „Valió la Pena“ (Die Schmerzen waren es wert.)

         

Auch wenn ich mir Weihnachten und Silvester niemals so ausgemalt hätte, bin ich sehr froh, die Erfahrung gemacht und beide Feste in meinem Dorf verbracht zu haben. (Ursprünglich hatten Johanna und ich nämlich geplant, ein paar Tage zu verreisen, um noch mehr von Ecuador kennen zulernen.) Es waren wirklich sehr wilde und lustige Feste. Ich habe erneut gelernt: In Quero weiß man, wie man feiert.

Der Blick auf den Chimborazo bei Sonnenuntergang

Hasta luego!


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