Warum ich hier bin, wie meine Arbeit aussieht und wie ich hier so lebe, habe ich ja bereits beschrieben. Doch das Land, die Kultur und damit die Menschen, mit denen oder für welche ich arbeite, kennenzulernen und zu verstehen, ist, denke ich, auch eine Aufgabe in meinem Freiwilligendienst. Deswegen habe ich mich im letzten halben Jahr bemüht in der Region herumzukommen, was auch herausragend geklappt hat. Die Beschreibungen darüber habe ich in zwei Teile getrennt. Es folgen zunächst die Grundlagen:

Yerevan und die Transportfrage

Elisabeth, Armenien, Dilijan, Winter, weltwärts

Winter in Dilijan: Wunderschön und zum Glück vorbei

Neben Dilijan stellt Yerevan mittlerweile so etwas wie meine zweite armenische Heimat dar. Als Hauptstadt des Landes ist die Millionenstadt Zentrum für Politik, Kultur, Wirtschaft und Touristen, was für uns zunächst einmal bedeutet, dass man dort Fremde (bzw. fremd Aussehende) gewohnt ist und man die obligatorische Falafel bei Araks genießen kann ohne besonders beachtet zu werden, was manchmal ganz erleichternd sein kann. Außerdem ist es dort einfach einfacher Anschluss zu englischsprachigen Armeniern oder anderen Internationalen zu finden, weswegen sich mittlerweile ein großer Teil meines Freundeskreises in Yerevan befindet.

Elisabeth, Armenien, Dilijan, weltwärts, Yerevan

Meine WG aus Dilijan mal wieder in Yerevan

Wenn also in Dilijan nichts Großes ansteht, ist in Yerevan immer was los und wir verirren uns gerne mal für ein Wochenende dorthin. Wie gesagt ist die Falafel bei Araks (ein kleines Restaurant) ein Muss und wenn das mal langweilig wird, kann ich noch ein paar andere Falafel-Läden mit je anderer Zubereitungsweise empfehlen, da sie einen Großteil meiner Nahrungsaufnahme dort darstellen, ich glaube man merkt’s.

Und sonst passiert irgendwie immer irgendetwas anderes. Vom Abarbeiten des normalen Touristenprogrammes (wir arbeiten noch daran) über das Entdecken unbekannterer Stadtviertel, Events wie dem Empfang der deutschen Botschaft zum 3. Oktober (es gab Schwarzbrot, in dem Moment hatten sie mich) oder dem groß gefeierten 2799. Stadtgeburtstag; Es ist immer viel los.

Elisabeth, weltwärts Armenien, Yerevan Geburtstag

Yerevans 2799. Geburtstag: Einer der besten Tage in Armenien soweit, hier: Heißluftballons auf dem Platz der Republik

Wie wir uns nach Yerevan und zu anderen Zielen hinbewegen, ist so eine Sache. Natürlich fährt von Dilijan eine Marschrutka (eine Art Minibus) in die Hauptstadt, was knapp 1,5 Stunden dauert und 1000 Dram (ungefähr 1.70€) kostet. Doch wenn man mal andere Teile des Landes erkunden will, werden gute Busverbindungen rar und man lernt schnell die Vorzüge des Trampens schätzen.

Ja, das hört sich jetzt erst einmal wie eine jugendlich-naive Idee an, doch in Armenien ist per Anhalter fahren nicht wie Deutschland, wo man alle paar Monate mal einen verrückten Reisenden sieht, der stundenlang sein Glück an der Autobahnausfahrt versucht. Hier macht es wirklich jeder, der kein Auto besitzt oder dem sich gerade keine andere Möglichkeit bietet, regelmäßig und es klappt wirklich immer.

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Der Blick über Yerevan mit dem etwas unklaren Ararat im Hintergrund

Klar, wir sind weibliche Fremde, was automatisch interessant ist und wenig Sicherheitsrisiko ausstrahlt (die längste Zeit, die wir auf ein Auto warten mussten beschränkt sich auf ca. 10-15 Minuten), doch auch von anderen habe noch nie gehört, dass sie nicht nach gewisser Zeit mitgenommen wurden, wenn sie an der richtigen Straße zur richtigen Tageszeit standen.

Der Jeder-Hilft-Jedem-Gedanke ist hier allgemein stark in der Gesellschaft verankert und das leichte Trampen ist, denke ich, ein Resultat daraus. Und obwohl ich noch nie von einer Situation gehört habe, die akut übergriffig oder gefährlich wurde, gibt es natürlich, wie überall auf der Welt, auch die 5% an eher –naja- unnetten Menschen, die schnell unangenehm werden können, weswegen ich als Frau auch hier niemals alleine per Anhalter fahren würde.

Doch deshalb lohnt es sich noch lange nicht auf den Großteil der wirklich sehr netten Begegnungen zu verzichten, auf die Leute, die jetzt beschließen, dass du Hunger hast und nur anhalten, um dir Snickers, Gata und Cola zu kaufen.

Das interessante am Trampen ist außerdem, dass man Armenier aus allen Gesellschaftsschichten kennenlernt. Ob es nun der Lastwagenfahrer, der auf einen Cognac mit uns besteht, auf seinem Weg nach Karabach, der Geschäftsmann aus Gjumri, dessen deutsche Lieblingsstadt meine bescheidende Heimatstadt Flensburg ist oder das moderne Pärchen aus Yerevan mit dem gestochenen Englisch ist; aus jeder einzelnen Begegnung wird wieder und wieder ein kleines Abenteuer und auch wenn es am Anfang etwas Überwindung und Vertrauen braucht, ist es die Erfahrung immer wert!


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