Wenn man Wikipedia vertraut, hat das Staatsgebiet Armeniens ca. eine Größe von 29.800 km², was etwa der Fläche Brandenburgs entspricht. Also ist das Land heute besonders eines: Klein. Und alt! Denn Armeniens Geschichte reicht mehrere Jahrtausende zurück und ist so komplex wie interessant. Immerhin waren die Armenier schon sowohl Großreich als auch staatenlos, gejagt im Genozid während des ersten Weltkrieges und gefeiert als erstes Land, welches das Christentum als Staatsreligion angenommen hat. Es lohnt sich also sehr in diesem kleinen komprimierten Land herumzukommen.

Gjumri

Obwohl sie schon die zweitgrößte Stadt Armeniens ist, ist Gjumri dann doch ein ganzes Stück weniger als Yerevan und mehr als das ländliche Armenien, eine Kombination, die die Stadt meiner Meinung nach sehr sehenswert macht. Allein die Architektur ist interessant, da die Häuser eher niedriger gehalten sind und –zumindest im Stadtkern- wahrscheinlich noch viele Gebäude aus Zeiten vor der Sowjetunion stammen, was man hier auch erst mal finden muss.

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Die russisch-orthodoxe Kirche in Gjumri

Durch puren Zufall trafen wir dort einen älteren Herrn, der in Gjumri aufgewachsen ist und sich demnach auskannte. Wir erhielten prompt eine alternative Stadtführung; unter anderem zeigte er uns den Friedhof von deutschen Kriegsgefangenen und das Gefängnis, in dem sie gestorben waren. Für mich war es unfassbar interessant so weit entfernt von Deutschland doch noch etwas Neues über die Geschichte des Landes zu erfahren und sich die geographischen Ausmaße von Weltkriegen in der armenischen Provinz wirklich mal bewusst zu machen.

Nach einem Spaziergang sind wir letztendlich auf einer Erhebung gelandet, auf welcher eine Statue der Mutter Armeniens und eine alte Festung stehen. Dort wird einem wieder einmal die Nähe der Türkei vor Augen geführt, die von Gjumri eigentlich nur noch einen Steinwurf entfernt ist. Eine fast absurd klingende Sache für jemanden, der an einer europäischen Grenze aufgewachsen ist, die man auf Waldwegen überqueren kann: Hier dauert die Fahrt in das nächste türkische Dorf direkt hinter der Grenze über 6 Stunden; man wird über Georgien geleitet.

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Sonnenuntergang über der Türkei

Der Süden Armeniens

Nach einigen Ausflügen in die Städte und Gebiete des Nordens, lag es beim langen Wochenende um der Weltfrauentag nahe, den Süden Armeniens zu erkunden; natürlich per Anhalter. So haben wir es bis nach Goris geschafft, welches von beeindruckenden Felskonstruktionen umgeben wird und es Lavash (süchtig machender, typisch armenischer Teigfladen) auch aus Vollkornmehl gibt, was ich immer noch als große Entdeckung verbuche.

Außerdem ist der Süden einfach nochmal eine andere Welt. Um Yerevan erstreckt sich die kargere Ararat Hochebene, die zum Sevansee hin immer bergiger wird und der Norden Armeniens ist von grünen Bergtälern durchzogen, doch im Süden fährt man durch tiefe Schluchten mit Höhlen in den Felshängen und grüne Täler mit Wasserfällen und Klöstern (wie das Kloster Tatev zum Beispiel) auf dem Klippenabsatz.

Unter anderem wegen vielen Sehenswürdigkeiten wie diesen, ist der Süden touristisch auch etwas besser erschlossen, doch alleine um auf der Fahrt aus dem Fenster gucken zu können, lohnt sich die Reise schon. Wenn man sich nämlich an einem klaren Tag in der richtigen Jahreszeit (also jetzt) von Yerevan aus in Richtung Süden begibt, sieht man den Ararat klar und deutlich in voller Größe, die blühenden Aprikosenbäume im Vordergrund. Definitiv ein Highlight der Reise.

Georgien/Tiflis

Dass Armenien klein ist, erwähnte ich bereits, doch dazu  kommt noch, dass es dazu von vier Staaten (Georgien, Aserbaidschan, Iran, Türkei) umgeben ist, die allesamt sowohl eine andere Sprache, ein anderes Alphabet, als auch andere Kulturen haben. Was das wirklich bedeutet ist für Europäer, denke ich, schwer nachzuvollziehen. Angefangen damit, dass zwei von vier Grenzen offiziell geschlossen sind, zeigt, wie isoliert das Land geographisch ist. Und gerade weil die georgische Grenze von Dilijan nur etwa 3 Autostunden entfernt ist, darf man sich diese Chance und dieses Land in unserer Situation nicht entgehen lassen.

Meine Besuche in Georgien beschränkten sich bisher auf die Hauptstadt Tiflis, einmal für ein langes Wochenende und einmal für unser weltwärts-Zwischenseminar; ich hoffe aber auch noch auf ein Wochenende am Schwarzen Meer.

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Der Blick über Tiflis

Tiflis ist auf jeden Fall noch einmal eine Runde westlicher und moderner als Yerevan und die Gegensätze von Neu- und Altbauten ist nochmal eindrücklicher. Meine persönlichen Erfahrungen mit der Stadt sind begrenzt, da ich dort nun auch nicht allzu lange Zeit verbracht habe und das auch schon etwas her ist. Khachapuri (georgisches Nationalgericht aus Teig mit seehr viel Käse) muss man dort gegessen haben (ich liebe es auf jeden Fall), wenn man Angst um sein Leben verspüren möchte, kann man noch im Freizeitpark, von dem man auf die ganze Stadt blickt, die Achterbahn aus Sowjetzeiten fahren und sonst lohnt es sich einfach sehr die Stadt zu Fuß zu erkunden.

 


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