Richtig reisen.

Diese zwei Wörter geistern seit meinem Kurztrip an die ecuadorianische Küste in meinem Kopf rum.
„Wir haben das Reisen verlernt“, sagt Ilija Trojanow in einem Podcast über seine Erlebnisse als auf der Welt rumirrender Vagabund. Alles vorgeplant, TripAdvisor und Google Maps immer in der Tasche. Abgesichert sein, keine Abenteuer mehr.
Mit diesen Vorwürfen konfrontierte er mich und ganz ehrlich – es stimmt.

Sich einfach mal in irgendeinen Bus setzen, losfahren, ohne zu wissen wohin, ohne wissen zu wollen wohin. Langwierige Fahrten über hucklige und matschige Straßen, abseits von den klimatisierten Reisebusrouten, sich auf die eigene Orientierung und die Tipps der Einwohner verlassen und dabei vielleicht ganz neue, unbekannte Ecken entdecken. Wer macht das schon. Es ist nicht immer schön oder komfortabel, du brauchst mehr Zeit, Geduld und vielleicht begegnest du Dingen, die dich erschrecken, traurig machen und dich deine eigene Lebensweise, deine Gedanken und Einstellungen reflektieren oder völlig umwerfen lassen, wenn du dich außerhalb der in Südamerika als „Gringo Routen“ (gringo= weißer Europäer/ Amerikaner) bekannten Reisewegen aufhältst. Aber warum nicht mal frei machen von standardisierten Backpackerreisen und so reisen wie früher, als es weder Reiseführer noch Flugzeug gab?ODI, weltwärts, Reisen, Volunteering, Freiwilligendienst;, Ecuador
Warum fangen wir nicht an, mal wieder völlig planlos irgendwo hinzufahren, lassen uns Zeit, lernen die Menschen kennen, sprechen mit Unbekannten und lassen uns auf Unbekanntes ein. Weit weg von Attraktionshopping und vorgefertigten Routen. Bereisen statt Anreisen. Auch mal die unschönen Seiten eines Landes sehen.ODI, weltwärts, Ecuador, Freiwilligenblog, Erfahrungsbericht, Volunteering
Grade wir haben in unserem Jahr in einem fremden Land so viel Zeit und Möglichkeiten dieses von einer ganz anderen Seite kennenzulernen, uns in die Perspektive der Bewohner hineinzuversetzen und unsere Touristenbrille mal für einen Moment abzunehmen. So können wir vielleicht verstehen lernen, warum bestimmte Dinge so sind, wie sie sind, warum es Unterschiede in den Lebensweisen der verschiedenen Länder gibt. Mal richtig abtauchen in ein anderes Land, eine fremde Kultur.
Und das geht am besten ohne Handy, ohne Begleitung, ohne angelesenes Wissen, ohne einen vorgefertigten und gefilterten Blick, mit einem Kaffee in der Hand sitzend, an den verschiedensten Orten, die vorbeilaufenden Leute beobachtend. Die Wege nehmend, die dein einheimischer Nachbar nehmen würde. Am Ende kannst du immer noch die von lonelyplanet empfohlenen Sehenswürdigkeiten ansehen, Fallschirmspringen und Kanu fahren und so zwei völlig unterschiedliche Seiten des Landes kennenlernen. Das wahre Abenteuer besteht doch darin, wie du dich selbst veränderst, deine Grenzen und Komfortzonen überschreitest, was du über dich selbst lernst und nicht, wie viele Orte du von deiner Bucketlist streichen kannst.
Genau das zu erlernen, steht dieses Jahr ganz oben auf meiner Bucketlist.

Für mehr Input: der „weltwach“ Podcast mit Ilija Trojanow über „Die Wiederentdeckung des Reisens“
Ecuador, weltwärts, Reisen, Freiwilligendienst, weltwärts, ODI, Volunteering


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