Wenn man an die Natur Madeiras denkt, kommen einem sofort unglaublich farbenfrohe Bilder in den Sinn. Zumindest mir geht das so…Die unendlichen Weiten des Atlantiks, denen ja auch schon in meinem letzten Beitrag eine gewisse Aufmerksamkeit zu teil wurde, die bunte Blumenvielfalt, die vor allem im Frühling die Insel erstrahlen lässt, und natürlich nicht zuletzt die Wälder. Bäume über Bäume, die dafür sorgen, dass Madeira erst so richtig zu Madeira wird. Denn kleiner historischer fun fact am Rande: Die Seefahrer die im 15. Jahrhundert Madeira entdeckten sahen als erstes, dass die Insel fast vollständig von Bäumen bedeckt war. Und so nannten sie ihr neu erobertes Stück Land „Madeira“, auf deutsch also soviel wie „Holz“.

Durch eben diese Wälder Madeiras fließen, damals wie heute die sogenannten Levadas. Lange, künstlich angelegte Wasserkanäle, die vor allem damals das Hauptwassersystem Madeiras bildeten. Da diese Levadas unglaublich schön gelegen sind: Mitten in der Natur, häufig an Berghängen, umgeben von Wald (ich finde man kann wirklich nur erahnen, wie gefährlich es gewesen sein muss diese Kanäle anzulegen…) bietet es sich an, diese Levadas „abzuwandern“. Zig Wanderrouten, auf der ganzen Insel verteilt, verlaufen entlang dieser Levadas. 

„Madre do Lavada“. Die Mutter der Levadas. Dies ist der Name einer Route, die am „Ribeiro Frio“, 6 km von Funchal entfernt, beginnt. Eine kleine Gruppe der Freiwilligen hier bewältigte diese Tour erst kürzlich und so beschlossen wir anderen es ihnen nachzutun. Unsere bunte Gruppe (bestehend aus einer Französin, einem Brasilianer, einer Italienerin, einem Liechtensteiner und mir, einer Deutschen) traf sich um 10 Uhr morgens im Bus Richtung des Landesinneren. Alle irgendwie doch noch ein wenig verschlafen, aber auch schon voller Vorfreude und Enthusiasmus.

Nach circa 45 Minuten Fahrt erreichten wir unsere Zielhaltestelle. Wir stiegen aus…und standen in der Kälte. Am „Ribeiro Frio“, dem kalten Fluss, war es tatsächlich schattig und für uns, die vom Klima direkt an der Küste verwöhnt sind, überraschend kalt. Die anderen hatten uns schon über das schnell wechselnde Klima dort in den Bergen in Kenntnis gesetzt, weshalb wir alle gewappnet mit Regenjacken und in meinem Fall einer kurzen Hose, dem Abenteuer entgegen blickten.  Der eigentliche Weg gestaltete sich dann jedoch recht angenehm. Obwohl sehr rutschig durch die viele Feuchtigkeit, war es eine Levada-Tour mit der man gut in das Wanderparadies Madeira starten konnte. Nur leicht auf und ab führte uns dieser Weg.

Vorbei an kleinen Wasserfällen, Bergziegen, Steintunneln und Lücken im dichten Wald, die uns immer wieder einen Blick auf das atemberaubende Panorama ermöglichten. Bewaldete Hügel soweit das Auge reichte, darüber ein Himmel, der sich ganz entgegen unserer Befürchtung in einem strahlenden Blau wölbte, und dessen Wölkchen sich immer mal wieder an den Berggipfeln verfingen und so alles in einen leichten Nebel hüllten. Ganz hinten, ein nahtloser Übergang des Himmels in das blaue Schimmern des Meers. Kein Foto der Welt kann diesen Anblick gebührend festhalten. Wir alle waren völlig überwältigt von dieser Schönheit der Natur, die so vollkommen unberührt und mystisch wirkte. Nur Francesca, die Italienerin, nahm all die Eindrücke etwas gefasster hin, da sie die Tour schon einmal gemacht hatte… noch kann ich mir nicht vorstellen, dass dieser Anblick irgendwann einmal auch für mich weniger eindrucksvoll sein soll.
Marli, Madeira, Blog 2

Von Portela aus nahmen wir schließlich ein Taxi zurück nach Funchal. Denn da Sonntag war, fuhr der nächste Bus erst wieder in 3 Stunden. Tatsächlich ist eine Taxifahrt zu fünft aber preislich gar nicht so verschieden zur eigentlich geplanten Busfahrt… und die Sitze im Taxi waren zudem deutlich gemütlicher als die im Bus. So schlummerte ich friedlich und erschöpft vor mich hin, bis der Taxifahrer uns in den strömenden Regen Funchals entließ…


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Related Posts

ESK 2019-20

Als Reisen noch selbstverständlich waren…

Seit meinem letzten Beitrag ist hier in Griechenland, wie wahrscheinlich auch an den meisten anderen Orten, ziemlich viel passiert. Dazu aber am Ende dieses Blogbeitrags mehr, vorerst möchte ich über meine schönsten Reisen durch Griechenland Weiterlesen

ESK 2019-20

ESK mit Corona im Nacken

Jaja, Corona hier, Corona da. Überall Corona. Nirgendwo kann man mehr hin, ohne dem nervigen (und gefährlichen) Virus in irgendeiner Weise zu begegnen. So hat auch Litauen strikte Maßnahmen ergriffen, um die Pandemie im Land Weiterlesen

Annika in Spanien

Meine Zeit in Spanien

Mein Aufenthalt hier in Spanien ist wie im Flug vergangen und ich kann kaum glauben, dass es schon 7 Monate her ist seit ich ins Flugzeug gestiegen bin. Zu der Zeit hatte ich noch keine Weiterlesen