Varna- eine Stadt voller NC-flüchtiger Medizinstudenten, Touristen auf der Suche nach Malle 2.0, alten Omis, die ihr Tchibo ähnliches Warenangebot auf dem Gehweg verkaufen, kaputten Straßen, tausenden Hunden, sowie Katzen und mir mitten drin.

Während des Abiturs hätte ich nicht gedacht, jetzt in dieser Stadt zu versuchen, sinnvoll meine Zeit zu verbringen. Seit knapp zwei Monaten bin ich schon hier und war zu Beginn ziemlich überfordert mit der Situation. Ich hatte nicht den Traumstart in diesem neuen Lebensabschnitt, welchen sich wahrscheinlich alle Freiwilligen oder Weltreisenden wünschen. Ich fühlte mich allein und unsicher, vermisste meine Freunde und Familie. Es war aber nicht nur das sichere Umfeld welches fehlte, auch ließ der Gedanke mich nicht los, ob ich nicht doch etwas anderes hätte machen sollen. Mittlerweile glaube ich, es ist das Richtige. Hundert Prozent sicher kann ich mir dem vermutlich erst am Ende meiner Zeit in Varna sein. Worin ich mir aber sicher bin, ist dass es nach einiger Zeit der Eingewöhnung und umgeben von ein paar wenigen Vertrauten möglich ist, sich in jeder Situation wohl zu fühlen.

Auch wenn hier ca. drei Mal im Monat ohne Ankündigung das Wasser abgestellt wird oder ich jeden Morgen das Gefühl habe eine Wirbelsäulen Transplantation zu benötigen, da mein Bett der Oberfläche des Mondes gleicht, bin ich dennoch dankbar das ESK hier machen zu können. Abstriche machen gehört dazu.

Neben all dem teile ich mir ein Zimmer mit einer anderen Freiwilligen, mit der ich mich besonders gut verstehe und habe zwei weitere nette Mitbewohnerinnen in einer WG nahe dem Zentrum. Ebenso hatte ich die Chance, die Rest-Sommermonate mit den anderen Freiwilligen jeden Tag, an denen es das Wetter es zuließ, meine Zeit am Strand mit den rauschenden Wellen in den Ohren, Salz in den Haaren, gebräunter Haut und Banitsa im Bauch zu genießen. Ein bisschen wie bezahlter Urlaub.

Die Tage, die mir hier als Freiwillige zur Verfügung stehen, kann ich relativ flexibel nutzen. Abseits von der Arbeit in verschiedenen Einrichtungen für körperlich und mental eingeschränkte Erwachsene und der Tätigkeit im Waisenhaus, besteht die Möglichkeit, Events jeglicher Art auszurichten. Die Arbeit mit Behinderten, insbesondere Erwachsenen, ist durchaus herausfordernd, allerdings gilt hier das gleiche wie eben erwähnt; nach einiger Zeit gewöhnst du dich an alles. Auch an den teilweise unangenehmen Geruch, den stetigen Körperkontakt und manchmal auch an etwas gröberem Umgang der „Kollegen“ vor Ort. Trotzdem bin ich hin und wieder erstaunt, wie fröhlich, geduldig und leidenschaftlich viele dieser „Kollegen“ ihre Arbeit machen. Während wir Freiwilligen oft nur ein paar Stunden arbeiten, sind diese von morgens bis abends dort und kümmern sich.

Ich freue mich schon auf weitere Achterbahn ähnliche Fahrten in Hebräisch, Deutsch oder anderweitig beschrifteten Bussen durch eine Stadt, in der du mit den satirischen Worten „Welcome to communism“ begrüßt wirst.

Ciao.

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Strand bei Sonnenuntergang

 

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Aussicht aus dem Fenster

 

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Seagarden

 


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