Das Wort zum Sonntag, diesmal von mir. Mit schlechtem Gewissen im wettertechnisch unentschlossenen Varna geben sich mein Laptop und ich mal wieder die Ehre.

Und damit herzlich willkommen zu dem erneuten Versuch, meine Erlebnisse auf der kecken Reise Freiwilligendienst in Bulgarien zusammenzufassen.

Aktuell ist es kalt und Strandbesuche finden hauptsächlich im Mantel und Schal und weniger im Bikini statt. Meine Bräune hat sich mit der Sonne zusammen verabschiedet. Hand in Hand sind sie über das Schwarze Meer geschippert. Den Wind haben sie mir da gelassen, der hüpft wie ein aufgeregter Terrier stets um meine Ohren.

Obwohl es mir in der Zeit so vorkam, als würden die Tage so endlos vergehen, wie eine 5 sekündige YouTube Werbung, ist rückblickend betrachtet recht viel passiert. In der letzten November-Woche fuhr ich (+ drei weitere Freiwillige) in einem auf Stufe Sahara temperierten Bus nach Sofia, Freiwilligentraining in der Hauptstadt, „kostenloses vier Sterne Hotel für fünf Tage“ hieß es. Angekommen war es wie Klassenfindungstage, nur, dass am Ende des Tages wir diejenigen waren, die „einen“ Feierabendtrunk genossen. Wir lernten viel, sahen viel und schliefen wenig. Zwischen offiziellem und inoffiziellem Programm lernten wir eine weitere deutsche Freiwillige kennen. Nach anfänglichem Beschnuppern beschlossen wir zu fünft, in aller bester Spice Girl Manier nach Istanbul zu reisen. Geschlagene 10 Stunden Busfahrt und eine Grenzkontrolle später fanden wir uns in der Metropole wieder. Istanbul gleicht einem Ameisenhaufen, der sich über zwei Kontinente streckt. Uns wurde er von der besten Seite präsentiert, nachdem wir nur kaltes Wasser hatten, mehrmals über den Tisch gezogen wurden und uns wütende Männer verachtende Blicke zuwarfen, weil keine von uns so frei war, den ach so schönen Mitarbeiter kennenzulernen.

Dann aber wurden wir mit strahlendem Sonnenschein, dem besten Frühstück, schönen Moscheen netten Polizisten, die unser überfülltes Taxi um 4 Uhr morgens freundlich durchwinkten und einer Menge Gastfreundlichkeit belohnt.

Relativ bald auf Istanbul folgte Weihnachten, was für mich einen knapp zweiwöchigen Heimatbesuch bedeutete. Zurück in Deutschland inhalierte ich ZUHAUSE und den Deutschland-Vibe, die genervten Leute im Supermarkt hatten mir schon fast ein bisschen gefehlt.
Auf dem Rückflug nach Varna, zusammen mit ein paar NC- Flüchtigen Docs in spe fühlte es sich ganz merkwürdig an, nochmal heim zu kommen, zu all meinen Sachen, die ja eigentlich dahin gehörten woher ich gerade kam. Ein bisschen befürchtete ich, das ursprüngliche Heimatgefühl zu vermissen, an das ich mich schon wieder so gewöhnt hatte. Diese Sorge hielt aber nicht lange an. In den nächsten Tagen stellte ich fest, in Varna hatte sich eigentlich nichts verändert. Klar, alle trugen diesen positiven Neujahrsausdruck in ihrem Gesicht durch die Gegend, als würde auf einmal durch eine Zahlenrotation im Datum die Faulheit aller Menschen in der Welt verschwinden.
Die einzigen Ehrlichen zu dieser Zeit waren die Omis am Straßenrand, die brav jedem ihre Blumen, Nüsse, Waagen und Socken anboten. Wie durch ein Wunder hatte auch die Population der Straßenhunde zugenommen, ganz zufällig nach Weihnachten. Zwischen den eingefleischten Hundegangs hüpften jetzt noch zusätzlich deutlich jüngere und nicht markierte Vierbeiner rum. Neben diesem traurigen Fakt ist eigentlich alles unverändert, aber irgendwie ist es doch anders. Der Grund dafür ist mir ein paar Tage später bewusst geworden. Meine Einstellung hatte sich verändert, meine Attitude, wie (jeder) GNTM Juror (XY) sagen würde.

Dazu kam es so:

Vor Weihnachten rutschte ich trotz des Istanbul Erlebnisses in ein kleines Loch, leider kam ich zunächst nicht im Wunderland wieder raus. Alles nervte irgendwie und nichts schien das zu ändern, bis ich aus Deutschland wiederkam. Die Ankunft und die Gewissheit, eine Idee zu haben, in welche Richtung ich einmal beruflich gehen möchte, veränderten meine Einstellung zu meinem Leben hier. Weil es nicht das Ende war, vor dem ich Angst hatte, sondern der Anfang, welcher darauf folgen sollte. Und damit vertrete ich das nächste Freiwilligendienst-Klischee, es hilft tatsächlich herauszufinden, wie es in der Zukunft weiter gehen könnte. Konjunktiv wurde bewusst verwendet.

Und das war mein Wort zum Sonntag.

Ciao.

 

 


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