Inzwischen neigt sich der Winter dem Ende und der Frühling lockt. Wurde aber auch Zeit, vor lauter Grauigkeit wird man ja irgendwann krank. Apropos Zeit. Mehr als die Hälfte meiner Zeit hier in Litauen ist nun um.  Zum einen ist die Zeit unfassbar schnell vergangen, aber manchmal konnte ein Tag auch nicht schnell genug umgehen.

So zum Beispiel die Tage kurz vor meinem Besuch in der Heimat vor zwei Wochen. Ich konnte es kaum noch abwarten, aus dem Zug auszusteigen und Familie und Freunde in die Arme zu schließen. Sich nach so langer Zeit einmal wiederzusehen, ist einfach wunderschön. Nicht nur, dass ich alle sehr vermisst habe, ich war Litauen so langsam auch etwas satt. So liebenswürdig die Litauer im Grunde sein mögen, sie haben doch den einen oder anderen Charakterzug, der mir mit der Zeit sehr auf die Nerven geht. Die Art der Litauer kommt mir immer viel verklemmter und verschlossener vor, als die lockere und jecke Lebensweise der Kölschen, mit der ich aufgewachsen bin. Ja, ich habe die Zeit zu Hause sehr genossen und brauchte sie auch gewissermaßen. Jetzt habe ich nochmal einen Boost bekommen und wieder neue Energie und Motivation für die restliche Zeit.

Mädels, Karneval, Kostüm, Zuhause, Freunde, Jeilezick

Karneval in Kölle

Im Kindergarten habe ich im Moment auch ein paar Projekte am laufen. Vor einigen Wochen habe ich beispielsweise eine Liane für die Kinder für den Wald geknotet, die leider aufgrund äußerer Umstände (meine Größe) bisher noch nicht aufgehängt werden konnte. Außerdem möchte ich die einen oder anderen Dekorationen selber basteln, wie zum Beispiel einen Traumfänger oder einen Foto-Baum. Ja, was meine kreative Ader angeht, kann ich mich hier schön ausleben. Und Kunst macht frei.

Kindergarten, Jurte, Dämmerung, Mond, Wald, Wiese

Bezüglich der Pfadfinder gibt es allerdings eine nicht so schöne Neuigkeit. Leider kann das geplante internationale Camp bei meiner deutschen Pfadfindergruppe in Erftstadt doch nicht stattfinden. Um allerdings nicht die ganze Idee fallen zu lassen, wollen Tom (mein Pfadfinderleiter-Kollege) und ich jetzt noch versuchen einen Trip nach Polen zu organisieren. Drücken wir die Daumen.

Übrigens war ich Anfang Februar mit ein paar Freiwilligen in Helsinki. Wir haben bei einem Couchsurfer übernachtet, der sich trotz kleiner Tochter sehr viel Zeit für uns genommen hat und uns seine Stadt gezeigt hat. Mit einem Local eine fremde Stadt zu besichtigen macht immer viel mehr Spaß, wie ich finde. Man erfährt und sieht Dinge, die einem sonst niemals aufgefallen wären.

So waren wir zum Beispiel in einer „Retro/Punk-Sauna“ direkt im Hafen von Helsinki. Diese wurde vor einigen Jahren von Freiwilligen ohne Einwilligung der Stadt gebaut, war allerdings bei den Helsinkianern so beliebt, dass sie nicht abgerissen wurde. Finnische Sauna ist ein Erlebnis für sich. So kam es, dass wir nackt, schwitzend und schwer atmend Pizza und nicht mehr ganz so kühle Kaltgetränke angeboten bekamen. Währenddessen konnten wir dem schiefen Klang des kaputten Klaviers vor der Sauna lauschen, das von einem nackten Finnen gespielt wurde. Anschließend sind wir natürlich noch in die Ostsee gehüpft.

Helsinki, Freiwillige, Tuomiokirkko, Sehenswürdigkeit, Treppe, Dafuq

Nächste Woche geht es zum Mid-Term Training. Dabei treffen wir uns mit anderen Freiwilligen wie beim On-Arrival Training in der Nähe von Trakai und sprechen mit den Teamern über unsere bisherige Zeit und Erfahrungen in Litauen. Wahrscheinlich viel Gesülze über Gedanken, Gefühle, Gedöns. Aber das ist vermutlich gar nicht so schlecht, denn wenn eines im ESK wichtig ist, dann ist es Reden. Über alles, über (die) Zeit.


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