Letztens bin ich morgens aufgestanden, habe aus dem Fenster geguckt und wäre beinahe rückwärts zurück ins Bett gefallen. Es schneit. Anfang Oktober. Ja, ich muss mich jetzt wohl darauf einstellen, dass der Herbst in Litauen deutlich kürzer und kälter ausfällt, als in Deutschland. Aber dafür auch umso bunter. Wenn ich abends die Kinder mit dem Minibus vom Kindergarten nach Hause fahre, bekomme ich eine wunderschöne Farbenpracht zu sehen. Im strahlenden Licht der untergehenden Abendsonne leuchten Froschgrün und Sonnenblumengelb gegen Rostrot und schon Kastanienbraun. Da die Natur hier in der Gegend sehr unberührt und wild ist, wirkt alles umso eindrucksvoller.

Mittlerweile bin ich zwei Monate in Litauen und ich würde sagen, ich bin angekommen. Die Wohnung, die Leute, die Stadt, das Land, alles kommt mir jetzt bekannter und heimischer vor. In Ukmerge kenne ich mich jetzt auch schon richtig aus und habe schnell festgestellt: wenn ich was erleben will, muss ich woanders hin. Hier läuft nämlich absolut nichts. Die einzige Bar macht um 22 Uhr dicht und Clubs oder dergleichen gibt es sowieso nicht.

Also habe ich mich entschlossen, wenn es geht, jedes Wochenende woanders zu verbringen. Während des On-Arrival Trainings habe ich sehr viele andere Freiwillige kennengelernt und Kontakte in ganz Europa, naja also im Moment in ganz Litauen geknüpft. Wir sind eine ziemlich bunte und chaotische Truppe und inzwischen auch richtig gute Freunde geworden. Mit diesen Freiwilligen bin ich vor zwei Wochen nach Riga und letzte Woche nach Warschau gereist. Absolute Reiseempfehlungen.

Riga hat eine wunderschöne Altstadt und ist meiner Meinung nach nicht so touristisch überlaufen, was sehr angenehm war. Mir hat besonders die imperialistische Architektur und der kurze Ausflug nach Jurmala gefallen. Jurmala ist eine am Meer gelegene Kleinstadt etwas außerhalb von Riga. Dort haben wir einen Spaziergang gemacht, der für mich sehr eindrucksvoll war. Am Strand zehrt der Wind mal sanft, mal heftig an den Dünen. Das Wasser umspielt Malereien im Sand. Neben den protzigen Neureichen-Villen rüttelt das Wetter an den schon halb zerfallenen Soviet-Bruchbuden. Gedanken kommen und gehen, Gefühle auch. Chaos? Vielleicht…

In Warschau habe ich mich direkt wohlgefühlt. Die Stadt hat ihren ganz eigenen Charme und ist besonders architektonisch sehr interessant. Zwischen den hyper-modernen gläsernen Hochhäusern bröckeln die Bürgersteige auseinander. Und neben grauem Beton findet man frisch renovierte Einfamilienhäuser und Grünanlagen. Und für alle, die es interessiert: Warschau hat eine recht gute Techno-Szene. Zwar nicht vergleichbar mit Vilnius, aber nicht schlecht.

Nächstes Wochenende geht es dann nach Tallinn, worauf ich mich schon sehr freue.

Liebe Grüße und bis bald!

 

 


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