Jaja, Corona hier, Corona da. Überall Corona. Nirgendwo kann man mehr hin, ohne dem nervigen (und gefährlichen) Virus in irgendeiner Weise zu begegnen. So hat auch Litauen strikte Maßnahmen ergriffen, um die Pandemie im Land zu bekämpfen. Dennoch habe ich mich dazu entschieden, trotz Reisewarnung und Empfehlung ODI’s zurückzukehren, in Litauen zu bleiben und meinen ESK fortzuführen. Viele Gründe haben mich hin und hergerissen, aber letzten Endes wäre es für mich einfach unglaublich niederschmetternd gewesen, mein Auslandsjahr verfrüht abbrechen zu müssen. Ja und hier bin ich also, in Litauen.

Supermarkt, Einkaufen, Klopapier, Coronakrise

In Litauen gibt es nach wie vor Klopapier en masse

Wie mein Alltag in Litauen mit Corona im Nacken zurzeit aussieht:

Zwar hat der Kindergarten geschlossen, aber dank der Vielschichtigkeit und Flexibilität meiner Organisation hier, können wir (meine zwei verbliebenen Mitfreiwilligen und ich) unter der Woche trotzdem noch arbeiten. Gegen Mittag fahren wir mit dem Minibus zum Zeltplatz und schrauben, hämmern, malen, zerkleinern Holz mit der Kreis- und Kettensäge (das macht sehr viel Spaß). Bisher haben wir beispielsweise eine Hütte gebaut, in der das Brennholz gelagert wird. Außerdem bin ich sehr stolz auf unser eigenes Projekt, ein „forest gym“ zu bauen. Weitere Projekte stehen an, wie zum Beispiel eine Art Arena mit Sitzgelegenheiten für die zentrale Feuerstelle errichten, eine Informationstafel bauen, Atemschutzmasken nähen, und anderes. Diese praktische und handwerkliche Arbeit macht mir sehr viel Spaß und ich bin froh, gerade in dieser Zeit so unterschiedliche und kreative (Herzens-) Projekte verwirklichen zu können.

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Das „Forest Gym“

Holzhütte, Holz, Bauen, Malkos, Wald, Kein Dach

Die Holzhütte für das Brennholz

Kettensäge, Inga, Badass, Holz, Sägen, Forest Gym

Kettensägeee

Außerdem drehen Marine, Bohdan und ich regelmäßig kleine Videoclips mit Challenges, die wir den Pfadfindern stellen. Der Videodreh war vor allem zu Beginn sehr chaotisch, doch inzwischen sind wir ganz gut. Die Kids bekommen Aufgaben von Osterschokolade verbacken über Knoten üben bis 100 Meter sprinten mit einem Siegertänzchen am Ende. Anscheinend machen diese Challenges nicht nur uns Freiwilligen, sondern auch den Pfadfindern sehr viel Spaß, denn wir bekommen einige Videos von den Kindern zurückgesendet. (Kleine Werbung: Die Videos kann man auf dem Youtube-Kanal von meiner Organisation Skautu Slenis finden und gerne mitmachen.)

Neben der Arbeit auf dem Zeltplatz und den Challenges, ist mir eigentlich auch nur selten langweilig. Ich spiele Gitarre, male, zeichne, schreibe, schaue Filme und Serien mit Marine und Bohdan und gehe bei schönem Wetter sehr viel nach draußen in die Natur. Des öfteren habe ich auf meine Spaziergänge auch einen Müllsack mitgenommen, um beim Gehen ein bisschen Müll zu sammeln. Ich gehe sehr gerne raus, da bekomme ich mal den Kopf klar von den ganzen Themen, die mich beschäftigen. Inzwischen denke ich sehr viel an die Zeit nach dem ESK. Da gibt es viele Fragen: Was will ich studieren? Wie ist es, nach so langer Zeit wieder in Deutschland zu leben? Wie stark habe ich mich verändert? Wann kann ich endlich wieder gutes Brot essen?

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Sonnenuntergang in Ukmerge

Stein, Moos, Wald, Fahrräder, Freiwillige, Zeit, Corona

Auf einer Fahrradtour mit Marine und Bohdan

Blume, Buntstifte, Malen, Rot

Zeit zum Malen

 

Coronaspielt bei alldem natürlich auch wieder seine Rolle. Eigentlich hatte ich geplant, im Sommer sehr viel zu reisen. Unter anderem wollte ich Paula bei ihrem ESK-Projekt in Frankreich besuchen gehen. Tja, aus alldem wird jetzt leider nichts. Das ist sehr schade und macht mich traurig. Dennoch denke ich, dass es mich immer noch deutlich besser getroffen hat als andere und ich bin zuversichtlich, dass ich das Beste aus der Situation mache und machen werde.

Ich bin sehr froh über meine Entscheidung in Litauen geblieben zu sein, auch wenn ich mich schon auf zu Hause freue. Ich kann meiner Oma nur zustimmen: die Zeit hier kann mir keiner mehr nehmen.


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