Ein neues Jahr. Ich mache mir nie Vorsätze oder irgendwas. Mir geht es auf die Nerven, dass immer alle auf einmal am Ende des Jahres denken, nächstes Jahr muss alles anders werden. Warum denn nicht schon jetzt und hier? Es lebe die Spontanität! Das ist so ein bisschen mein Motto hier in Litauen und auch mein Lebensmotto.

Was habe ich seit dem letzten Bericht so alles erlebt?

Der Dezember war ganz schön bunt. Auch in Litauen ist Weihnachten ein großes Thema. Im Supermarkt dudeln Weihnachtslieder rauf und runter, die Nachbarn veranstalten unausgesprochene Wettbewerbe um die extravaganteste Außenbeleuchtung, überall wird eifrig dekoriert. Auch in unserer WG ist das allbekannte Weihnachtsgefühl angekommen. Die eine oder andere Lichterkette rückt die Dunkelheit ferner, die sich nicht nur materiell verbreitet hat. Schokolade ist auch eine willkommene Droge. Von Schnee oder kalten Temperaturen ist allerdings keine Spur. Im Gegenteil: der Dezember 2019 war in Litauen der wärmste überhaupt seit den Wetteraufzeichnungen, mit teilweise bis zu 12°C.

Was mein Projekt angeht, habe ich aber auch was zu erzählen:

Anfang des Monats war ich mit Bohdan, einem anderen Freiwilligen, in Klaipeda (ehemals die nördlichste Stadt Deutschlands „Memel“) in einem anderen Waldkindergarten. Dort konnten wir sehen, wie die Wald-Pädagogik anders interpretiert werden kann und uns mit den Erziehern austauschen. Im Gegensatz zu unserem Waldkindergarten in Ukmerge haben die Kinder in Klaipeda deutlich mehr Freiraum und verbringen ihre Zeit bei (fast) jedem Wetter draußen. Meiner Meinung nach ist der Ansatz dieser Pädagogik zwar gut, allerdings konnte ich auch feststellen, dass die Kinder wesentlich schlechter auf die Erzieher gehört haben. Außerdem halte ich den zwangsweisen Mittagsschlaf, wie er dort praktiziert wird, nicht für sinnvoll, denn wenn die Kinder den Schlaf ihres Empfindens nach nicht brauchen, warum sollte man sie dazu zwingen? Das Mittagessen müssen sich die Kinder in Klaipeda jeden Tag für sich selbst mitbringen. Bei uns wird das Essen von einer Köchin im Vorhinein oder je nach Gericht im Kindergarten gemeinsam mit den Kindern zubereitet. Meiner Meinung nach mindert dies das Konkurrenzdenken bei den Kindern und stärkt ihr Zusammengehörigkeitsgefühl. Als Fazit kann ich also sagen, dass ich die Pädagogik in dem „laissez-faireren“ Kindergarten in Klaipeda nicht so gut finde. Allerdings konnte ich viel Inspiration aus der ästhetischen Gestaltung des Kindergartens mitnehmen.

 

Eins meiner eigenen Projekte im Dezember war außerdem, einen internationalen Adventskalender für die Kinder zu gestalten. Dazu habe ich für jeden Tag ein Land der Welt rausgesucht und schöne (Weihnachts-) Geschichten und Lieder oder Traditionen aus dem jeweiligen Land gefunden, die ich dann jeden Morgen den Kindern mit kleinen selbstgemachten Illustrationen vorgestellt habe. Meine beiden litauischen Kolleginnen haben mir dabei geholfen, denn mein Litauisch ist leider noch nicht gut genug, um frei zu reden.

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Die Adventszeit ging sehr schnell vorbei und schon stand Weihnachten vor der Tür. Und auch der Besuch von Zuhause. Es war sehr schön, mal wieder ein altbekanntes Gesicht zu sehen und noch dazu eins, das man so gerne hat. Heiligabend haben wir in der WG in Ukmerge gefeiert. Die Bude war voll, es wurde viel gelacht und getanzt und vor allem gegessen. Der ganze Esstisch stand voll mit Köstlichkeiten. Als Hauptspeise gab es von unserer ukrainischen Fraktion zubereitete ukrainische Teigtaschen mit Kartoffeln gefüllt und Pilzsauce dazu. Außerdem gab es diverse Dips und Saucen von Guacamole über Hummus und Tomatensauce bis Tapenade. Dazu stand selbstgebackenes Brot auf dem Tisch. Zum Nachtisch gab es Panna Cotta mit Erdbeersauce. Alles seeehr sehr lecker! Es war ein wunderschöner Abend und ich bereue es kein bisschen, über Weihnachten in Litauen geblieben zu sein.

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Auch die Tage zwischen den Jahren konnten dem Weihnachtsabend kein bisschen nachstehen. Nach den Feiertagen haben wir uns mit sechs Leuten auf nach Klaipeda und von dort aus weiter auf die Kurische Nehrung nach Nida gemacht. Die Landschaft dort ist einfach wunderschön.  Ich habe dort einmal mehr festgestellt, dass ich ein Naturwesen bin. Wenn sich die knochigen Kiefern im harschen Ostseewind neigen, ein Reh direkt vor meiner Nase zurück in den Wald springt und sich am Strand die Wellen kräuseln, dann bin ich einfach nur glücklich.

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Über Silvester waren wir dann bei einer ukrainischen Freiwilligen-WG in Vilnius, wo wir aus dem 8. Stockwerk wunderbar das Feuerwerk konnten.

Ja und jetzt hat der Alltag in meinem Projekt wieder angefangen, aber das ist okay. Ich habe große Motivation und mein Kopf sprudelt nur so von Ideen. Ich hoffe, davon lässt sich auch die eine oder andere verwirklichen.

Meine Weihnachtsferien in Litauen waren unglaublich schön und werden mir immer besonders im Gedächtnis bleiben.


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