Diesen Monat hat ein weiterer Lockdown in Polen eingesetzt, was entsprechend zur Folge hatte, dass ich gar nicht mehr zur Arbeit kommen konnte. Zuerst war ja offiziell nicht klar, ob es bei zwei Wochen bleiben würde, aber dass sich die Zeit des Daheimbleibens jetzt doch länger hinzieht, überrascht mich nicht. Dafür habe ich gleich zwei Projekte von meiner Koordinierungsorganisation angeboten bekommen: Das erste bezieht sich darauf, einen Behinderten möglichst einmal in der Woche besuchen zu dürfen. Mit meinem Mitbewohner Alex war ich schon einige Male bei besagtem Behinderten, einem Rollstuhlfahrer, der Przemek heißt. Im Rahmen dieses kleinen Projekts ist es lediglich unsere Aufgabe, dass wir uns mit Przemek bei jedem Treffen ein paar Stunden lang unterhalten. Er freut sich immer, wenn er jemanden hat, mit dem er reden kann. In seinem Zimmer, in dem er sich recht oft aufhält, kann er nicht sonderlich viel unternehmen und er freut sich grundsätzlich immer über Gäste.

Bei meinem zweiten Projekt hat es sich um einen kleinen Online-Besuch bei polnischen Schulklassen gehandelt. Die Kinder dort sind von der fünften bis zur siebten Klasse gegangen. Mit dabei war Mariusz – der Lehrer der Klassen – und Elniz, also ein weiterer meiner Mitbewohner. Mariusz hat das Ganze für uns etwas angeleitet, Elniz hat für die Kinder über sein Heimatland Aserbaidschan und ich über Deutschland referiert. Danach haben wir mit den Klassen immer Gespräche geführt: Im Prinzip sollten die Kinder uns Fragen stellen und wir ihnen diese beantworten. Allerdings waren viele der Schüler relativ scheu. Mariusz hat es dabei immer wieder geschafft, sie zum Fragenstellen zu bewegen, damit auch wirklich ein Gespräch zustande gekommen ist.

Für mich hat in diesem Monat das mid term-Training angestanden. Von insgesamt siebzehn Leuten, die wir waren, habe ich nur eine der Leiterinnen dieses einwöchigen Seminars gekannt. Sie hat nämlich auch schon mein on arrival-Training geführt. Wir haben diesmal viel über uns selbst reflektieren dürfen; darüber, wie das Projekt bisher für uns war, was wir uns noch davon erhoffen und wünschen, wie die Zeit danach aussehen soll … Meiner Meinung nach war es sogar noch interessanter als das On-Arrival-Training gestaltet und strukturiert. Einer der wenigen Kritikpunkte – den ich mit vielen anderen der Teilnehmer teile – ist, dass es online stattgefunden hat. Da das allerdings momentan kaum anders zu organisieren war, hätte das Training unter diesen gegebenen Umständen nicht viel besser sein können.

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Mitte März war ich zum ersten Mal in Sopot, also einer Nachbarstadt von Gdynia, die mit Gdańsk Teil von Trójmiasto (der Dreistadt) ist. Elniz ist mitgekommen, außerdem Inesa – eine Mentorin für Freiwillige – und Janina von dem Polnisch-Deutsch-Tandemkurs, für den ich mich hin und wieder mit ihr und ein paar anderen Leuten treffe. Mit meinem Abstecher nach Sopot bin ich relativ spät dran, jetzt, da ich schon seit acht Monaten in Gdynia wohne. Zusammen sind wir den Steg in Sopot entlanggelaufen, der mit etwa 500 Metern der längste in Europa ist. Danach sind wir über den Strand zu Fuß wieder nach Gdynia zurückgelaufen. Mir hat es insbesondere gefallen, dass wir das ständige leise Plätschern der Wellen auf unserem Rückweg gehört haben.

Über Ostern hinweg war ich mit Johannes in Białystok. Die Stadt ist siebeneinhalb Stunden mit dem Zug von Gdynia entfernt und ich hatte auf dem Hinweg ein schlechtes Gewissen, weil erstens zurzeit von längeren Reisen auch in Polen abgeraten wird. Der zweite Punkt, der mich etwas geplagt hat, war, dass wir einige neue Leute kennengelernt haben, wovon in Zeiten des Corona-Virus bekanntermaßen ebenso abgeraten wird. Trotzdem habe ich mich dazu entschlossen

ODI, Open Door International e.V., Freiwilligenblog, Erfahrungsbericht, Blog, Auslandsaufenthalt, Freiwilligendienst, Freiwilligenarbeit, Freiwillige, soziales Projekt, Europäischer Freiwilligendienst/Entwicklungspolitischer Freiwilligendienst, ESK/weltwärts, Polen, Colinmitzukommen, und so habe ich die Zeit sehr genießen können. Wir haben uns zusammen viele verschiedene Kirchen angeschaut, sind in Wäldern spazieren gegangen und waren auch in einem Park unterwegs, in dem Bisons leben. Außerdem sind wir zur belarussischen Grenze gefahren.

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Bezüglich kulinarischer Vielfalt in der Zeit in Białystok gibt’s ebenso etwas zu berichten: Wegen der paar georgischen Freiwilligen, die wir kennengelernt haben, durften wir Chatschapuri essen: Teig, der am ehesten die Form eines Ovals hat und an zwei entgegengesetzten Seiten spitz zuläuft (wie im Bild zu sehen), mit einer käsigen Creme gefüllt und – wenn man mag – mit einem Ei, das man in der Creme verrühren kann. Chatschapuri kann man am einfachsten mit der Hand essen. Von einer anderen Freiwilligen aus Spanien durften wir eine große Tortilla probieren, an Ostern hat uns Johannes eine Gans serviert, von der ich als Vegetarier jedoch nichts gegessen habe. Kartoffeln und Blaukraut, was es als Beilage gab, haben mir ausgereicht. Am letzten Tag in der Stadt im Osten Polens habe ich einen Nudelsalat zubereitet, ohne den anderen etwas davon gesagt zu haben – hin und wieder gefällt es mir, andere Leute zu überraschen und keiner der Freiwilligen in Białystok hat gewusst, dass ich um halb sieben in der Früh beim Einkaufen war, bevor ich nicht wiedergekommen bin und die anderen aufgewacht sind.

Letztendlich war der Ausflug sehr abwechslungsreich und ich habe mir gesagt, dass ich es mir auch mal erlauben kann, neue Menschen zu treffen. Hoffentlich muss mich Johannes bloß beim nächsten Mal nicht mehr aufgrund von Covid-19 dazu überreden mitzukommen.


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