Vor einigen Wochen bin ich bei einer Haltestelle namens „Janka Wiśniewskiego“ aus dem Bus  ODI, Open Door International e.V., Freiwilligenblog, Erfahrungsbericht, Blog, Auslandsaufenthalt, Freiwilligendienst, Freiwilligenarbeit, Freiwillige, soziales Projekt, Europäischer Freiwilligendienst/Entwicklungspolitischer Freiwilligendienst, ESK, Polen, Colin, Pickelmannausgestiegen. Ich bin über die Straße gegangen, in der Hoffnung, einen Schreibwarenladen zu finden. Ein paar Schritte weiter und ich müsste da sein, so dachte ich mir.
Auf der anderen Seite der Straße habe ich ein Gelände betreten, das offensichtlich überwacht wird und auf dem ein relativ großer Parkplatz war. Jedenfalls ist ein Mann in Uniform aus einer Art Schalter auf mich zugekommen und wollte etwas von mir wissen.

Da hat das Problem schon angefangen, denn ich habe ihn nicht verstanden. Ich sage also: „Przepraszam, nie rozumiem“, was übersetzt so viel bedeutet wie: „Tut mir leid, ich verstehe nicht.“ Der Mann hat mich etwas ratlos angeschaut, ist aber gleich wieder in das kleine Gebäude zurückgegangen, wo er arbeitet.

Danach kommen noch zwei Männer und eine Frau auf mich zu, die ich natürlich ebenso nicht verstehe. Einer von ihnen kann zum Glück Englisch sprechen, aber als ich ihm erkläre, wonach ich suche, meint er nur, dass hier kein Schreibwarenladen wäre. Trotzdem schaue ich mich noch etwas in der Nähe um, leider ohne Erfolg. Schließlich wende ich dem Gelände den Rücken zu.

Dort hat meine Suche nach Karteikarten begonnen – und sie hat bis zum heutigen Tag nicht aufgehört. Doch bevor ich an dieser Stelle weitererzähle, lasst mich von ganz vorne anfangen:

Im Juni habe ich herausgefunden, dass man in Gdynia (wo ich jetzt bin) in einer Bibliothek als Freiwilliger arbeiten kann. Für mich war das ein relativ kurzfristiges Unterfangen, denn ich sollte schon Mitte Juli dort sein. Davor war ich noch bei einem Supermarkt angestellt und mein Chef dort hat mir gesagt, dass es besser wäre, wenn ich erst Anfang August nach Polen reisen würde. Damit war auch die Aufnahmeorganisation einverstanden, und so habe ich mich auf dieses kleine Abenteuer eingelassen. Deshalb habe ich nach Zugtickets geschaut, mit denen ich möglichst innerhalb eines Tages in Gdynia ankommen würde. Ein solches habe ich zum Glück gefunden, weshalb ich zu jener Zeit um sechs Uhr in der Früh aufgestanden, den ganzen Tag unterwegs gewesen und 14 Stunden später angekommen bin. Gegen Abend war ich relativ erschöpft und diesen Grund habe ich als Ausrede dafür genutzt, versehentlich eine Station zu weit gefahren zu sein; eine andere Freiwillige aus Deutschland, Emily ihr Name, hat schon auf mich gewartet, weil wir am Bahnhof in Gdynia zusammen mit dem Taxi zu unserer Quarantäne-Wohnung gefahren werden sollten. Der Taxifahrer hat auf mich einen weniger genervten Eindruck erweckt, und auch Emily hat verhältnismäßig entspannt auf die Situation reagiert, in die ich sie wegen meiner halbstündigen Verspätung gebracht habe.ODI, Open Door International e. V., Freiwilligenblog, Erfahrungsbericht, Blog, Auslandsaufenthalt, Freiwilligendienst, Europäischer Freiwilligendienst, Balkonblick, Bäume, Polen, Colin

Als wir in der Quarantäne-Wohnung waren, haben wir die Zeit für Freizeitaktivitäten genutzt, denen wir vor allem in der Wohnung nachgehen konnten. Genauer gesagt waren wir nur in Halb-Quarantäne, weil zu dem Zeitpunkt das Corona-Virus in Polen noch nicht die Oberhand erlangt hatte. Momentan sieht es bedauerlicherweise anders aus, aber darauf kann ich ein andermal ausführlicher eingehen. Wegen der Halb-Quarantäne konnten wir jedenfalls einkaufen und in einem naheliegenden Wald spazieren gehen.

In der ersten Woche waren Emily und ich zu zweit in Quarantäne, in der zweiten Woche ist Klara zu uns in die Wohnung eingezogen. Sie kommt aus Österreich und arbeitet wie ich in einer Bibliothek in Gdynia, bloß nicht in derselben.

Da ich die Quarantäne-Zeit nicht ohne Weiteres verstreichen lassen wollte, habe ich an einem Buch weitergearbeitet, das ich eigentlich schon fertiggestellt hatte. Allerdings hatte ich an einer Kapitelzusammenfassung gearbeitet, um eine bessere Übersicht über mein eigenes Buch zu erlangen. Es kann dem Genre der Fantasy / Science Fiction zugeordnet werden. In letzter Zeit arbeite ich daran, es zu überarbeiten. Daraufhin will ich mich damit bei Literaturagenturen bewerben.

Gut zwei Wochen nach meiner Ankunft in Polen bin ich schließlich in eine andere Wohnung mit weiteren Freiwilligen eingezogen. Emily ist eine Woche später nachgekommen und Klara wurde einer wieder anderen Wohnung zugeteilt. Unmittelbar nach dem kleinen Umzug hatte ich mein on-arrival Training, bei dem ich etwas über die polnische Kultur und über die Sprache gelernt habe. Um ehrlich zu sein, habe ich bezüglich der Kultur keine großen Unterschiede zur deutschen feststellen können. Bisher ist mir nur aufgefallen, dass mir oftmals Tee oder Kaffee zu trinken angeboten wird, wenn ich bei jemand anderem eingeladen bin; eine Willkommensgeste, die ich so nicht aus Deutschland kenne.

In der Arbeit konnte ich leider nicht den Aufgaben nachgehen, die mich als Freiwilliger hauptsächlich dort beschäftigen sollten: Wenn Kinder im Grundschulalter zur Bibliothek kommen dürften, sollte ich ihnen Englisch und Deutsch beibringen, natürlich auf einem entsprechend  niedrigen Niveau. Bisher hält die Krise jedoch die Kinder von der Bibliothek fern, weshalb mein Aufgabenfeld etwas anders aussieht, als es sollte. Ziemlich oft habe ich z. B. neu gelieferte Bücher mit Bibliotheksstempeln versehen und alte Bücher darauf vorbereitet, vernichtet zu werden – es gibt ein gewisses System, nach dem das abläuft, auf das ich vielleicht irgendwann einmal zurückkommen werde.

Momentan muss ich daheim arbeiten, weil die Bibliotheken in Gdynia geschlossen sind. Besser gesagt bin ich somit kaum mit Aufgaben eines Bibliothekars beschäftigt und fokussiere mich stattdessen darauf, meine Polnisch-Kenntnisse zu verbessern. Dafür habe ich mir auch „Harry Potter und der Stein der Weisen“ auf Polnisch gekauft, denn auf Englisch hatte ich schon eine Version des Buchs nach Gdynia mitgenommen. Ich lese also immer einen Absatz auf Englisch, einen auf Polnisch und schreibe mir parallel dazu alle möglichen Vokabeln auf. Damit werde ich mindestens die nächsten drei Monate noch beschäftigt sein.

Zweimal in der Woche habe ich einen Polnisch-Kurs, mit dem ich meine Sprachkenntnisse ebenso Stück für Stück verbessern will. In der Quarantäne hatte ich auch schon Unterricht, allerdings täglich unter der Woche. Die Kurse laufen immer online ab.

Mein Plan ist, dass ich monatlich einen dieser Blogs schreibe, also kann sich jeder, der daran interessiert ist, für die Zukunft schon mal auf weitere Beiträge von mir einstellen, um etwa herauszufinden, ob ich jemals einen Laden finden werde, bei dem man Karteikarten in Polen kaufen kann. Fürs Erste bekomme ich welche von meiner Schwester zugeschickt. Falls jemand sich fragt, warum mir das so wichtig ist: Mit Karteikarten bereitet mir das Lernen einer neuen Sprache umso mehr Spaß.


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