Mein On Arrival Training, mein Projekt, Wochenendtrips und der Umzug in eine WG

Es ist irgendwie als würde man nur kurz mit den Augen blinzeln und Schwupps schon ist ein weiterer Monat vergangen. So fühlt es sich momentan zumindest für mich an. Jedoch hatte es auch der Monat ein bisschen in sich… .

Mein On Arrival Training:

Das Erste, und was für mich echt der Wendepunkt nach der schwierigen Zeit der Eingewöhnung, Akzeptanz und so weiter war, war mein On Arrival Training in Miranda de Ebro. Schon bevor es für Adrianna und mich dorthin ging, haben alle Kollegen immer gesagt, dass alle Freiwilligen bisher immer strahlend von diesem Training zurückgekommen sind und nur davon schwärmen konnten. Ich konnte mir das eigentlich ganz gut vorstellen, weil ich oft schon an Freizeiten teilgenommen habe und dadurch schon die Erfahrung gemacht habe, dass es echt die kleinste Gemeinsamkeit sein kann, die eine große Gruppe so sehr verbindet. Sei es Musik oder wie in diesem Falle, die Erfahrung ein Jahr lang komplett woanders zu leben, ohne seine Familie und sein gewohntes Umfeld aber vor allem auch, weil wir alle Freiwillige aus Europa sind, die in der vergangenen Zeit mehr oder weniger dasselbe durchgemacht haben und auch in Zukunft ähnliche Erfahrungen machen werden. Trotz der Erwartungen weiß man im Endeffekt natürlich trotzdem nicht wie es wird und ein paar waren vorher auch echt skeptisch. Als Adrianna und ich dort angekommen sind und ich gesehen habe, dass auch noch ein paar weitere Deutsche dabei sind, war ich extrem erleichtert. Nach 4 Wochen nur Spanisch, Englisch und bisschen Französisch und gelegentlich mal Deutsch, wenn man mit der Familie oder mit Freunden telefoniert hat, war es dann doch auch mal schön mit Personen deutsch zu reden, die wirklich vor einem stehen und nicht nur am Telefon sind. 😀 Ansonsten war es aber auch echt der Hammer alle anderen kennen zulernen. Insgesamt waren wir 24 Personen aus 13 verschiedenen Ländern. Natürlich war ich mal wieder die Jüngste, aber das war nicht schlimm, weil wir trotz der Altersunterschiede, all unserer verschiedenen Charaktere, Erfahrungen und Kulturen, eine Art Verbindung hatten. (Das hört sich jetzt wirklich schnulziger an als es ist. Aber diese Erfahrung ist echt einer der schönsten, die ich hatte). Für mich hat es sich auch ein bisschen wie in der Schule in Kamerun angefühlt. Dort wurde jeder respektiert und bewundert für die Art wie man ist, auch wenn man aus x verschiedenen Ländern ist und so viele unterschiedliche Erfahrungen gemacht hat.

Die 6 Tage vergingen echt im Flug und ich kann nur sagen, dass ich diese 6 Tage nicht mehr vergessen werde und innerhalb von so kurzer Zeit so viele Freunde aus ganz Europa dazu gewinnen konnte, die ich nicht nur momentan während meiner Zeit in Spanien sondern auch danach in ihren Heimatländern wieder besuchen kann. Echt schade, dass nicht jeder eine so tolle Erfahrung machen kann, denn das kann einen so glücklich machen, einfach nur zu wissen, dass es Menschen von so vielen verschiedenen Ländern gibt, die etwas verändern wollen und auch einfach DEINE Freunde sind. Vor allem auch weil man nach dem On Arrival Training immer jemanden hat, mit dem man reden kann. Jemand, der eventuell dieselbe Erfahrung momentan macht oder gemacht hat und sich generell besser in deine Lage versetzen kann durch dieselbe Situation, in der wir momentan alle sind.

Na ja, genug geschwärmt 😀

Denn als ich nach Hause kam, befand ich mich dann wieder in der gleichen Situation wie vorher, zwar mit sehr viel mehr Energie und mit dem Gefühl weniger allein zu sein aber trotzdem wieder in demselben Umfeld. Aber bevor ich alles überstürze, fange ich mal von vorne an indem ich erkläre, was überhaupt mein Projekt ist und was ich so alles bei der Arbeit mache:

 

Mein Projekt:

Sowohl ich als auch Adrianna sind Freiwillige beim Cruz Roja (Rotes Kreuz). Ich arbeite mit Kindern und Adrianna mit Senioren.

Genauer gesagt arbeite ich vormittags mit Kleinkindern im Alter von 0 bis 3. Jedoch haben wir auch zwischendurch Kinder bis zu 6 Jahren dort. Diese Kinder sind Flüchtlingskinder, die mit ihren Müttern in einer der 4 Wohnungen vom roten Kreuz wohnen und aus den Kriegsgebieten aus Afrika geflohen sind. Ich finde es echt krass, wenn man sich das mal überlegt, was für eine lange und schwere Reise sie hatten und vor allem, was sie alles hinter sich lassen mussten. Natürlich ist es zu ihrer eigenen Sicherheit aber dennoch alles andere als einfach. Einer der Flüchtlingskinder kommt aus Kamerun und ich hatte die Möglichkeit mit ihrer Mutter zu reden und sie hat mir ein wenig erzählt, was dort momentan passiert. Im Endeffekt läuft es vor allem auf Terrorgruppen in den englischsprachigen Teilen Kameruns hinaus, die die Chiefs und ihre Familien der verschieden Stämme vertreiben oder sogar umbringen möchten. Die Frau ist die Tochter eines Chiefs, die so wie auch ihre Brüder geflüchtet ist. Für mich ist das ganze nochmal echt interessanter über Kamerun zu hören, weil ich dort für 2 Jahre mit meiner Familie gelebt habe und wir dort auch in den verschiedensten Gebieten herumgereist sind und uns auch von den verschiedenen Lebensweisen in Stämmen ein Bild machen konnten. Jedoch habe ich das Gespräch dann nach ein bisschen mehr reden abgebrochen, da sie auf einmal wollte, dass ich mir einen ihrer Brüder aussuchen soll und den dann heiraten soll… 😀 WHAAAAT?! Das war dann wieder erst mal so ein Schockmoment und das Thema kam, nachdem ich ihr erklärt habe, dass noch lange nicht vor habe zu heiraten und so etwas wie eine arrangierte Ehe etc. alles andere als üblich ist in Deutschland oder Europa generell, kam das Thema nie wieder auf… PUHH! Aber echt, sowas passiert immer nur mir… .

Auch in Südafrika als wir einmal zum Urlaub dort waren, waren wir in einem Township und haben uns vom Stammesältesten herumführen lassen aber auch da kam dann einer und meinte nur zum Stammesältesten, wie viel er für mich haben möchte, damit er mich heiraten kann… . Meine Familie fand es zu dem Zeitpunkt nur lustig und natürlich war es nicht komplett ernst gemeint, aber da erkennt man mal wieder die kulturellen Unterschiede und auch das Dilemma in das man kommen kann, wenn man blond, blauäugig und groß ist… . (JA DAS LAG WIRKLICH DARAN, MEINE GESCHWISTER WAREN JA AUCH NOCH DA (die sind nicht blond und ich bin auch die Größte von uns Geschwistern).)

Na ja back to the topic:

Ich arbeite also vormittags mit den Kleinkindern während die Mütter meistens Spanischunterricht bekommen. Leider merkt man aber auch, dass die Frauen teilweise keine Ahnung von Kindern oder vom Aufziehen von Kindern haben (und das sagt eine 18 Jährige, die vorher gerade mal Babysitter Erfahrungen hat…). So kommt es mal vor, dass ein 5 Monate altes Kind mit Kajal unter den Augen zu uns gebracht wird, weil den Müttern wahrscheinlich langweilig war oder sie es lustig fanden, keine Ahnung… oder, dass einem 1 jährigen Kind Chips als Snack mitgegeben werden, wo man als Betreuer dann auch nur noch darüber lachen kann… gesund und sicher ist anders.

Hier ein Beispiel für ein mit Kajal geschminktes Kind. Ein paar andere Kinder kommen dann auch mit Lippenstift zu uns… Auch ein Junge hatte mal Lippenstift…

 

So sah es zwischenzeitlich am Anfang zur Ferienzeit aus.. Jetzt sind es zum Glück nur noch ca. 9 – 11 Kinder.

In Spanien ist mittags immer Siesta. Montags gehe ich, nachdem ich für die Kinder am Nachmittag die Essenssachen eingekauft habe um 13:30 Uhr dann nach Hause. Sonst bin ich meistens schon um 12:30 Uhr oder einmal die Woche um 13:00 Uhr.  Meine Arbeit am Nachmittag beginnt dann wieder um halb 5. Ich habe also eine seeeehr lange Siesta. Das ist also alles andere als Standard, glaube ich. 😀

Nachmittags bin ich dann in der Hausaufgabenbetreuung. Jedoch habe ich leider keine Zeit den Kindern wirklich mit ihren Hausaufgaben zu helfen, da ich für die Sandwiches zuständig bin und also jeden Nachmittag von halb 5 bis halb 8 Uhr zwischen 25 und 30 Sandwiches mache. Mittwochs werde ich dann demnächst immer noch eine halbe Stunde Englischunterricht geben und Freitags mache ich mit den Kindern immer irgendwas Kreatives, ob Basteln für Halloween, Weihnachten oder sonst noch anstehende Feiertage für die man basteln kann oder Ausflüge etc. Da muss ich meiner Kreativität, die leider sehr begrenzt ist, noch freien Lauf lassen.

Leider wurde mir das mit Freitagsprogramm erst sehr kurzfristig gesagt, weswegen ich dann am ersten Freitag alleine mit 12 herumrennenden Kindern stand, aber danach wurde mir immer geholfen.  Und mit dem Englischunterricht darf ich mir dann auch noch Gedanken machen, wie man das Ganze anstellt, wenn man Kinder mit x verschiedenen Englisch Kenntnissen hat.

 

Wochenendtrips:

 

Ayora:

Ayora ist ein kleines Dorf in der Communidad Valencia. Dort bin ich mit Santi (dem Mitbewohner von Adrianna) und einem Ehepaar im Alter von meinen Eltern hingefahren. Dort war an dem Wochenende das jährliche Honigfest, wofür das ganze Dorf geschmückt wird und tausend verschiedene Essstände aufgestellt werden. Wo man auch hinguckt, gab es entweder etwas zu trinken oder etwas zu essen und ich muss echt sagen, ich habe glaube ich noch nie so viel an einem Wochenende gegessen, wie an diesem. Trotz des Faktes, dass wir Mitte Oktober haben, war es noch echt warm da und ich habe mir sogar (ok, als Blondie ist das vielleicht keine Überraschung) einen Sonnenbrand geholt, da ich nicht bedacht habe, dass die Sonne noch so stark scheint, dass man sich eincremen muss. Morgens sind wir also immer wandern gegangen, was echt richtig schön war, da die Landschaft in Ayora wirklich so typisch Spanisch ist, oder so wie man sich die Landschaft in Spanien vorstellt und das Wetter auch echt gut mitgespielt hat. (Wie gesagt, ich hatte am Ende einen Sonnenbrand.) Nachmittags sind wir dann immer in die Dorfmitte gegangen und haben uns durchprobiert was das Essen angeht. Eine Freundin von Santi hat mir auch erzählt, dass für sie und ihre Freunde das Essen eher ein Hobby ist anstatt nur eine Notwendigkeit, was ich auch echt zu spüren bekommen habe, da sie alle wirklich den ganzen Tag über (egal ob Hunger oder nicht) gegessen haben. Hier sind ein paar Bilder, damit Ihr eher ein Bild von dem süßen Dorf Ayora habt.

Kitschig aber irgendwie echt süß!

 

Ausblick von einem Berg auf den wir in Ayora gewandert sind, bei mindestens 20°C Mitte Oktober 🙂

 

Und ich muss echt sagen, es war eigentlich ein echt schönes Wochenende aber so anstrengend, zumal ich am Ende echt froh war, meine Ruhe von dem Ehepaar zu haben. (Die beiden haben zwar das Alter meiner Eltern, aber die Frau hat sich teilweise wie ein 5 jährige Kind verhalten.) So habe ich mich manchmal in ein paar Situationen gefunden, in denen ich nur den Kopf schütteln konnte. Mama,  – an dieser Stelle: DANKE, DASS DU ALLES ANDERE ABER NICHT SO BIST!!!!

 

Barcelona:

JA GENAU BARCELONA! Dort habe ich bei einem Mitfreiwilligen von dem On Arrival Training übernachtet, was schon mal finanziell eine riesen Erleichterung war. 😀

Ich liebe Barcelona auch wenn ich es manchmal echt zu groß finde aber diese Stadt sprudelt nur vor Kunst!!! Zum Glück hatte ich ein langes Wochenende dort und konnte viel sehen, aber wenn man sich Barcelona genau anschauen möchte, braucht man mindestens eine Woche dort um alles besucht und gesehen zu haben. Es gibt so viele Sehenswürdigkeiten, die einem den Atem nehmen, wenn man sie zuerst sieht. Ob die berühmte Sagrada Familia, Gaudis Häuser, Palau Nacional, die verschiedenen Viertel Barcelonas (das gotische Viertel ist der Hammer, wie ein Sprung in die Vergangenheit) oder vor allem Park Güell (mein absolutes Favorit dieser Stadt). UND ALLES KUNST, WOHIN MAN AUCH SIEHT.

Sagrada Familia!

 

Park Güell! <3

Und nun zu einem Thema was nicht so ganz toll ist, aber im Endeffekt extrem zur Verbesserung der Situation hier beigetragen hat:

Mein Umzug

Ich habe zwar gesagt, dass ich mich daran gewöhnt habe, wenn sich Aroa und ihre Eltern sich ständig streiten, aber letztendlich stellt man sich einen Freiwilligendienst ja nicht so vor, dass man wie ein Au-pair oder ein Austauschkind in einer Familie lebt, oder? Zumal ich der Familie bei der ich gelebt habe Miete gezahlt habe. Im Endeffekt habe ich mich zumindest beobachtet und unwohl gefühlt. Sei es nur, dass ich meine Wäsche waschen wollte oder mir in der Küche einen Tee machen wollte. Aber was ich vor allem wollte war, selbst kochen zu können. Selbst planen zu müssen, was ich esse und wie ich das zubereite und alles. Das lag aber auch daran, dass das Essen, was die Familie gemacht hat immer sehr fettig und Knoblauchhaltig war… . Nicht so meins… . 😀

Na ja, also alles in Einem habe ich mich im Endeffekt nicht wirklich wohl gefühlt und ich habe mich sobald die Familie im Haus war in mein Zimmer verkrochen.

Was die Wohnungssuche angeht, hatte ich echt Glück, denn es gibt 2 weitere italienische europäische Freiwillige, die in ihrer Wohnung noch ein Zimmer frei hatten. Und so konnte ich, eine Woche nachdem ich beschlossen habe, dass ich umziehen muss, direkt nach der Barcelona Reise umziehen. Jetzt lebe ich also mit den 2 Italienerinnen, mit denen ich mich sehr gut verstehe und auch echt viel rede (auf Spanisch – ich merke wesentliche Fortschritte, wohooo) und einem Spanier, der aus Bilbao kommt aber hier unter der Woche arbeitet und für das Wochenende immer nach Bilbao fährt.

Auch wenn es anstrengender ist, weil man selbst alles einkaufen muss und an alles denken muss, bin ich echt glücklich und vor allem froh, dass ich jetzt so lebe und endlich noch unabhängiger und freier bin.

 

Ansonsten war es das bisher,

Hier ist es inzwischen auch nicht mehr so warm und ich bin echt froh, dass mir meine Familie noch meine Winterjacke nachgeschickt hat (die hat auf dem Hinflug nicht mehr in den Koffer gepasst).

Liebe Grüße,

Eure Wiebke

 


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