So, ihr Lieben, jetzt kommt endlich, nach fast zehn Monaten, mein erster Blogpost. Das ist das perfekte Beispiel dafür, wie viel hier passiert. Ich mache einen EFD in Tschechien, genauer gesagt in Brno in Mähren. Ich kann es kaum glauben, dass ich so lange bereits in diesem Land verbracht habe. Letztes Jahr im Oktober, als ich gerade angekommen war, fragte ich mich oft, ob die Zeit denn noch langsamer vergehen könnte, und jetzt weiß ich nicht wirklich, wie jetzt schon Sommer sein kann und wie ich in ein paar Monaten nach Deutschland zurückkehren soll.

Mittlerweile fühle ich mich hier wirklich wie zu Hause. Ich arbeite mit Kindern zusammen. Meine Arbeitsstelle bietet Kindern nach der Schule Kurse an, z.B. Malen, Zeichnen, Keramik, Kochen, Sport, Tanzen und noch viel mehr. An zwei Tagen helfe ich vormittags in einer Art Kindergarten mit und verbringe vier Stunden mit Zwei- und Dreijährigen. Das kann frustrierend sein, wenn zum Beispiel ein Kind einfach nicht versteht, dass man seinen Freunden nicht an den Haaren zieht, aber auch sehr erhebend, wenn die Kinder irgendwann wissen, wer du bist und dir alles mögliche erzählen, was ihnen so in den Sinn kommt, und es ihnen dabei fast egal ist, ob du sie wirklich verstehst, was ja sonst bei der Arbeit mit Kindern unheimlich wichtig ist. Der schwierigste Teil meines EFDs war (und ist immer noch) die Sprache. Tschechisch ist nicht einfach. Sprachen wie Spanisch, Italienisch und Französisch und natürlich Englisch sind nichts dagegen. Bevor ich nach Brno kam, hatte ich mir einiges angesehen, aber dann wirklich jeden Tag die Sprache sprechen zu müssen und meistens fast nichts zu verstehen, war am Anfang nicht leicht und oft fragte ich mich, warum ich mir genau dieses Land und diese Sprache ausgesucht hatte, die zwar keine Artikel hat, aber dafür zwei verschiedene Future, (wenn ich richtig liege) 15 Deklinationen und Wörter, die sehr lang sind, aber fast keine oder wirklich keine Vokale haben. Anfang November hatte ich ein kleineres Tief; ich bekam Heimweh und das lag auch zum großen Teil daran, dass ich das Gefühl hatte, ich komme mit Tschechisch einfach nicht voran. Ich konnte mich zum Glück an meine Chefin wenden, die mir in dieser Situation sehr half. Und irgendwie ging es danach dann doch weiter. Und nach ca. 4-5 Monaten merkte ich, dass sich doch einiges tat; ich verstand immer mehr und wurde von anderen verstanden, und bald war ich wirklich in der Lage, mich zu unterhalten. Daraus habe ich gelernt, dass man manchmal einfach nur abwarten muss.

Außerhalb der Arbeit spiele ich im Orchester, treffe mich mit Freunden in Cafés oder im Kino, erkunde die Stadt, lese viel, stricke Socken und reise. Ich bin in einem Jahr wirklich noch nie so viel gereist wie hier. Ich war öfter in Prag und Wien und habe auch längere Reisen nach Berlin, Polen (dort war ich in Krakau und Auschwitz), Litauen, und Schottland unternommen. Vor ein paar Wochen habe ich mit zwei Freiwilligen ein paar Tage in der Nähe von Prag verbracht, wo wir uns ein Schloss und drei Seen angeschaut haben. Im August fahre ich nochmal für sechs Tage nach Krakau und wahrscheinlich noch ein Wochenende in den Norden Tschechiens. Ich habe so viele neue Orte gesehen und lerne immer mehr über andere Kulturen in Europa, auch weil hier in Brno noch viele andere Freiwillige sind, mit denen ich viel in Kontakt bin. Ich identifiziere  mich jetzt wirklich als Europäerin.

Viola_Tschechien_EFD_Freiwilligen_Blog_Erfahrungsbericht_ODI_2017_der erste Tag

 

Viola_Tschechien_EFD_Freiwilligen_Blog_Erfahrungsbericht_ODI_2017_tschechisches Weihnachtsessen

 

Viola_Tschechien_EFD_Freiwilligen_Blog_Erfahrungsbericht_ODI_2017_das letzte Konzert mit dem Orchester, in dem ich spiele

Ich bleibe noch ca. zweieinhalb Monate hier, bis ich wieder nach Deutschland fahre. Ich will wirklich jeden Tag ausnutzen, denn so eine Erfahrung macht man nicht zweimal. Ich melde mich wieder,

Tak zatím,

Viola


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