Lesedauer: ca. 10-20 Minuten

My first time:

  • telling my boss off
  • getting fired
  • getting re-employed less than 24 hours after having been fired
  • staying in a 4-star hotel
  • sleeping in a bed with a stranger
  • being considered to be good at playing piano (lmfao, I can literally play two short pieces)
  • hitch hiking
  • hiking alone
  • spending 5 days with people from 11 different countries
  • building ~20 friendships in 5 days
  • celebrating Thanksgiving
  • succeeding at fixing the Rubik’s Cube (*audience claps*)
  • going swimming in the sea in November (7th)
  • getting mad at a Greek guy trying to flirt with me but insulting me and my country 5 minutes straight
  • reading a Greek book
  • having a Portuguese as a very close friend
  • making Greek friends
  • starting a beautiful friendship with a French girl
  • having a conversation in Greek
  • being the happiest I have ever been
  • experiencing the patience a music teacher has to have if he has a very untalented student that plays like a retard (:p)
  • driving a car in Greece
  • nearly crashing the car
  • nearly getting stuck on a steep road with the car
  • stalling the car 6 times in under 7 minutes
  • dancing Greek dances with Greek old men in a bar
  • sitting at 4 am on a hill in Athens with view on Akroplis, having sinful talks
  • having the most beautiful talks with so many different strangers
  • living off pasta for 2 weeks cause it’s cheap (*sound of a person vomiting*)

Einige Dinge bedürfen einer Erklärung, denke ich:

  1. Ich war zwei Wochen reisen. Von Skiathos über Athen nach Patras ( dritt-größte Stadt Griechenlands). Dort habe ich mit 28 anderen Freiwilligen an dem On-Arrival-Training in einem wunderschönen 4-Sterne-Hotel fünf Tage genächtigt. Das On-Arrival Training fand vom 02.11. bis zum 07.11. statt. Es kamen Freiwillige (bis 30 Jahre) aus Estland, Deutschland, Österreich, Tschechien, der Slovakai, den Niederlande, Luxemburg, Frankreich, Italien, Spanien und Portugal zusammen. Am Tag der Anreise haben wir uns abends alle zusammen mit unserem griechischen Trainer Ilias versammelt. Ich war überrascht zu sehen, dass ich unter den sieben Jüngsten war. Tatsächlich scheint es nur in Deutschland üblich zu sein, direkt nach dem Abitur ins Ausland zu gehen. Einige hatten schon studiert, andere sogar studiert UND schon einige Jahre gearbeitet. Jedenfalls war klar: Wir sind eine super Truppe, wo jeder mit seiner eigenen Lebensgeschichte die anderen bereichern kann. Und so war es auch. In diesen vier ganzen Tagen sind wir nicht nur als Gruppe sondern auch in zweier/dreier Freundschaften extrem zusammen gewachsen. Das Alter spielte überhaupt keine Rolle. Oder der Schulabschluss. Es war cool zu merken, dass der Fokus weder auf Schule, noch auf finanziellen Verhältnissen lag. Es ging einzig und allein um die Persönlichkeit, den Charakter und natürlich das Verhalten in einer Gruppe. Sehr schnell kristallisierte sich heraus, wer der Boss ist. Eine Spanierin. Oder generell die spanische Riege, ein bisschen ignorant, haben fast nur auf Spanisch gesprochen, ihre Musik dominierte immer (arghhh) und das Temperament unterdrückte einige ruhigere Gemüter.

    Am Tage haben wir zwischen den ganzen Kuchenpausen ein bisschen Training gehabt. Eigentlich echt zu wenig, weil es viel darum ging, die Projekte der anderen kennenzulernen, über Probleme zu sprechen etc., was eigentlich wirklich cool war. Schnell machte es die Runde, dass mein Projekt nicht zu Stande gekommen ist und dass ich mit Katzen (‚Oooh wie coool!!!‘ ‚Ich komm dich so safe besuchen‘ ‚Can you show me photos?‘ ‚I envy you so much, omg!‘) stattdessen arbeite. Ich bekam einige Spitznamen wie ‚Crazy Catlady‘, ‚Mother of the Cats‘ (reference to game of thrones). Nachdem alle ihre Projekte dann offiziell im Training vorgestellt hatten, kamen mir beinahe die Tränen. Für mich klangen ALLE Projekte so viel toller als meins. Und ALLE hatten Mitfreiwillige. Ich konnte es nicht fassen, wie ich bei so einer großen Auswahl an super coolen Projekten an diese (Entschuldigung) ‚Scheiße‘ geraten war. Wir sollten aufmalen/-schreiben, was die Challenges, Hürden, Unterstützungen sind, was/ wer uns runterzieht und was unser ultimatives Ziel in diesem EVS ist. Danach sollten wir uns darüber mit einem ‚Buddy‘ austauschen. Aber anstelle von 10 Minuten, sprachen mein Buddy und ich zwei Stunden lang. Und da die Partner zufällig ausgewählt wurden, war dies der zufällige Beginn einer sehr schönen Freundschaft. Nach den zwei Stunden hatten wir beide so viel von uns erzählt. Es ist krass, wie man manchmal einfach instinktiv fremden Menschen vertraut.

    Bei den Mahlzeiten saß man jedes Mal mit unterschiedlichen Leuten zusammen und so konnten wir noch viel mehr über die unterschiedlichen Projekte herausfinden. Und nachdem ich von vielen privatere Details über ihre Projekte erzählt bekommen habe, war ich plötzlich froh, in meinem Projekt zu sein. Wie viele Probleme mit ihren Mitfreiwilligen haben (es kam nicht selten vor, dass wann immer es um Mitfreiwillige ging, ich scherzeshalber laut gefragt wurde: ‚oh, what about you, Sabeth?‘), wie viele in einem Projekt sind, wo sie die Probleme sehen, aber es ihnen nicht erlaubt ist, irgendetwas zu unternehmen. Und das Beste: Die Freiheit, die ich habe, zu reisen (jetzt gerade bin ich aufgebrochen, um für einen Monat zu reisen, nur um dann nach einem Monat auf Skiathos wieder einen Monat auf Reise zu gehen).

    Abends sind wir meistens als gesamte Gruppe durch die Stadt gezogen, sind in Clubs, Bars oder Ruinen (weder im Ruin noch im Urin) geendet. Auf die Frage ‚pu pamä?‘ (wohin gehen wir?) hieß es ‚We are following Irene!‘ Ja leider wurde dann erst nach ungefähr 20 Minuten bemerkt, dass Irene gar nicht mehr da war. Ja also ein zuverlässiger Boss ist etwas anderes. 😀 Zwar war es schon Anfang November, aber da wir ja in Griechenland waren, hatten wir die ganze Zeit über Sonne bei zwischen 23 und 25 Grad. In der Sonne war es aber so unfassbar heiß, dass man in langer Hose zerschmolz. An einem Nachmittag sind wir ein Stück mit dem Bus gefahren, in der Erwartung an einen Strand zu gelangen. Der Plan kam von den Spanierinnen. Ja dumm. Hätte man vielleicht vorher gucken können, ob es tatsächlich Strand oder nur einfach eine unbebaute Küstenstrecke ist. Da macht Google Maps offensichtlich keinen Unterschied. Denn der ‚Strand‘ bestand aus einem 20 Meter langen Stück aufgehäuften Kies, der sobald eine Fähre vorbei fuhr, komplett überspült wurde. Aber mit den richtigen Leuten macht das auch nichts. 🙂 Ursprünglich hatten wir geplant, baden zu gehen, aber angesichts der nicht so angenehmen Badesituation hatten dann alle plötzlich ihre Tage, ihren Bikini vergessen oder mochten Baden generell nicht so gerne. Aber der Sonnenuntergang war so unfassbar schön kitschig und romantisch. Also habe ich dann doch zwei andere überreden können und wir sind rein gerannt. Und es hat sich so sehr gelohnt! Wir waren ca. 30 Minuten schwimmen und nach ungefähr sechs Minuten und ziemlich genau 35 Sekunden kamen dann doch noch einige weitere langsam ins Wasser gewatet. Es war ein richtig tolles Erlebnis, Anfang November mit so vielen coolen Leuten in Griechenland in den Sonnenuntergang hinein zu schwimmen!

    Eine Französin und ich verstanden uns extrem gut, hatten viele schöne Gespräche und werden nun auch Weihnachten und Silvester zusammen verbringen (für euch ‚verbracht haben‘). Ein Franzose, ein Portugiese und ich haben uns auch sehr gut angefreundet und mit dem Portugiesen geht’s jetzt erstmal nach Budapest! Außerdem habe ich versucht, ihm ‚l’après midi‘ von Lunuido Einaudi auf dem Klavier beizubringen. Das war nur semi erfolgreich und kostete mich viel Geduld und Stunden. Ich hab’s dann auch mal vorgespielt und wie ich so umgeben von Nicht-Musikern war, dachten alle, ich würde gut Klavier spielen. Ich wurde gefilmt, es wurde geklatscht und ich dachte mir nur so: wenn ihr wüsstet wie schlecht ich bin! Meine Güte! Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich wirklich ausnahmslos von Leuten umgeben war, die wirklich keine Ahnung von klassischer Musik hatten. Das war sehr seltsam und teilweise ein wenig schade, weil ich es so gewohnt bin, Musikerwitze zu machen, oder irgendetwas Musikbezogenes zu erwähnen…

  2. Nach dem On-Arrival-Traning ging es nach Athen, wo ich fünf Tage bei vier Freiwilligen vom On-Arrival-Training gewohnt habe. Zufälligerweise waren das unter anderem der Portugiese und der Franzose. Eingeladen wurde ich allerdings am ersten Tag von der Spanierin, also war es wirklich Schicksal, dass ich auf diese Weise die Freundschaften weiter vertiefen konnte! Die Athener mussten natürlich arbeiten, so hatte ich zum Glück Zeit, alleine Athen zu erkunden. Je nachdem wann wer fertig mit der Arbeit war, hatte ich dann auch mal Begleitung, was zu Verirrungen (mit zufälligem Fund von toller Streetart) und extrem schönen und lustigen Gesprächen führte. Mein Highlight war die Akropolis. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr ich sie liebe! Sie ist so unfassbar schön, so beeindruckend und gleichzeitig so extrem geschichtsträchtig! Ich könnte da einziehen (wäre auch nicht kälter als in meinem nicht-beheizbaren Haus auf Skiathos)! Abends sind wir entweder ausgegangen oder haben in der Wohnung gechillt, gekocht, geredet oder Fußball geguckt. Man hatte richtig das Gefühl, dass wir Flatmates seien. Und an einem der Tage meinten sie auch, ich sei die 5. Freiwillige und dass sie mich am Liebsten als Flatmate behalten würden. Das war echt cool zu hören, auch wenn es natürlich leider nicht möglich war. Am 7. November sind wir zum Strand in Athen gefahren. Es war bewölkt, also nahmen wir Abstand von unserem Vorhaben, schwimmen zu gehen. Aber es hat mich natürlich doch gepackt und dann sind wir zumindest zu zweit ins Wasser gegangen. Es war eiskalt aber bald waren wir so tief in ein Gespräch verwickelt, dass wir gar nicht merkten, wie wir nach 30 Minuten bibberten und sich unsere Gliedmaßen taub anfühlten. Aber man geht ja nicht alle Tage im November im Meer schwimmen!

  3. Von Athen bin ich dann mit dem Bus weiter nach Volos gefahren, von wo aus ich am nächsten Morgen das Boot zurück nach Skiathos nehmen wollte. Ich habe das erste Mal Couchsurfing ausprobiert. Mein Gastgeber war ein 20-jähriger Grieche, der in einer sehr kleinen Wohnung wohnte. Er war extrem gastfreundlich, offen, hilfsbereit und nett. Obwohl er viel für die Uni machen musste hat er sich die Zeit genommen, mir Volos zu zeigen, sich mit mir zu unterhalten… Dafür hat er dann bis morgens gelernt. 😀 Ja und das sleeping-arrangement war eben ein großes Bett. Wusste ich das vorher? Nein. Hab ich mich seltsam gefühlt, mit einem komplett fremden Typen in einem Bett zu schlafen? Ja. Hatte ich Angst ich würde nachts zu ihm rüberrollen im Schlaf? Ja. Habe ich daraufhin wie erstarrt geschlafen? Ja. Am nächsten Morgen beschloss ich noch einen Tag länger zu bleiben, um ein bisschen mehr was von Volos zu sehen. Das lief dann darauf hinaus, dass ich noch drei weitere Nächte blieb. Zur Freude meiner Koordinatorin, weil sie meinte, ich wäre so geduldig gewesen, ich hätte mir das Reisen und die Auszeit verdient. Zum Ärger von Sharon (Boss vom Catshelter).

    Das Wetter war immer noch sehr warm! Und es war der 16. November. An einem Tag habe ich beschlossen, in der Gegend des Berges Pilion zu wandern. Natürlich bin ich zu spät aufgestanden und bin daher zu spät losgewandert, sodass die Schlechtwetterwolken schon über dem Berg hingen. Aber ich hatte mich auf die Wanderung gefreut, also hab ich gar nicht darüber nachgedacht, umzukehren. Es war eine der besten Wanderungen, die ich je gemacht habe, nach so vielen Tagen in großen Städten und mit so vielen Leuten war es so unfassbar erholsam, endlich mal komplett alleine zu sein. Keine Geräusche waren zu hören, außer dem Rascheln der Vögel im Unterholz. Diese Stille und friedvolle Stimmung waren unbeschreiblich. Zudem war es das erste Mal, dass ich alleine gewandert bin. Ich hatte mir die Beschreibung der Wanderung auf mein Handy geladen, aber da diese nicht so genau war, dachte ich wirklich die ganze Zeit, ich würde mich verlaufen! Aber tatsächlich verlief (haha) alles gut und letztendlich kam ich in einem kleinen, süßen Bergdorf an. Nur leider hatte es angefangen zu regnen. Und auf einmal wurde mir klar, dass ich genau eine Stunde bis zum Sonnenuntergang hatte und wenn die Sonne erstmal weg ist, wird es sehr schnell sehr duster. Und mit den schwarzen Wolken war es schon jetzt sehr zwielichtig. Und der Wanderweg verlief schmal und unerkannt durch den Wald, wo keine Seele normalerweise vorbei kam (an sich perfekte Szenerie für einen Horrorfilm.) Also fing ich an zu laufen. Mit Handytaschenlampe. Inzwischen regnete es in Strömen und nach nur ein paar Minuten war ich komplett durchnässt. Nach zehn Minuten beschloss ich umzukehren, da mir bewusst wurde, dass ich mich hoffnungslos verirren würde, meine Handybatterie war beinahe alle und mein Handy funktionierte wegen der Nässe auch eh nicht mehr so richtig. Und dann diese spezielle Wanderbeschreibung. Poetisch würde man das jetzt mit ‚die Wanderung war zum Scheitern verdammt‘ ausdrücken. Mach ich aber an dieser Stelle mal nicht. Also rannte ich wieder zurück zum Dorf, wo kein Mensch mehr zu sehen war. Ich suchte auf Google Maps nach einem Alternativweg zu dem Dorf zurück, von wo der Bus fahren würde. Es gab nur die Hauptstraße, die mir zumindest recht sicher erschien. Aber es würde mich zwei Stunden kosten. Zu dem Zeitpunkt war es schon komplett dunkel durch die Wolken. Also schritt ich weiter aus als die Sicht reichte und versuchte gute Miene zu bösem Spiel zu machen. Es fuhren einige Autos an mir vorbei und in einer Anwandlung von Müdigkeit und Verärgerung, dass mein Tagebuch nun wohl komplett durchnässen würde, winkte ich in der Hoffnung, dass man mich mitnehmen würde. Zwei Autos fuhren an mir vorbei. Das dritte hielt an. Auf Griechisch erklärte ich, wo ich hinwollte. Die freundliche Dame, deren Auto vollgestopft war mit Müll, ließ mich einsteigen und wir unterhielten uns ein wenig, auf Deutsch allerdings. Ich realisierte erst ein bisschen später, dass ich gerade das erste Mal getrampt war. Vorher hatte ich bei dem Gedanken schon immer ein wenig Angst bekommen, aber in der ‚Not‘-Situation, war kein Platz für irrationale Ängste gewesen. Es fühlte sich richtig gut an! Komplett nass und müde kam ich in Volos an und wie ich mich innerlich schon unter der heißen Dusche wähnte, fiel mir ein, dass ich noch zwei Stunden warten musste, bis mein Host zurückkommen würde. Nass, hungrig und kalt wie ich war. Ich muss sagen, über die letzten zwei einhalb Monate habe ich so unfassbar oft gefroren, bin aber nur ein einziges Mal krank geworden. Mein Immunsystem schlägt sich deutlich besser, als ich es jemals für möglich gehalten hätte! Bin ich Norddeutsch oder was.

    Am letzten Abend sind wir mit Freunden von meinem Couchsurfing-Host weggegangen. Dimitris, einer seiner Freunde hat auf typisch griechischer Art alle Register für’s Flirten gezogen. Nun gut. Das klappt eben nur semi gut, wenn er gleichzeitig von den stumpfesten Stereotypen von Deutschen spricht. Daraufhin bin ziemlich sauer geworden und habe ihn sehr bestimmt zurechtgewiesen. Als er meinte, dass wenn man einem Mädchen einen Drink bezahlt, es kein Zurück mehr gebe und dass sie einem dann praktisch Sex schulde und wie asozial und egoistisch es sei, wenn sie dann Weiteres abblocken würde… Ich glaube ich muss nicht beschreiben, wie lebhaft unsere Diskussion war. Griechen sind interessante Geschöpfe. 😀 No offense, love them all.

    Das Beste an meinem Aufenthalt in Volos war aber tatsächlich, dass mein Host mir beigebracht hat, wie man alle sechs Seiten des Rubik’s Cube (Zauberwürfel) hinbekommt. Ich habe drei Tage gebraucht, um alle Algorithmen auswendig zu lernen und den Würfel komplett ohne Hilfe fertig zu machen. Aber als ich das geschafft hatte, habe ich mich so krass gefühlt. 😀 Ich habe einfach nicht gedacht, dass ich das jemals in meinem Leben lernen werde. Aber es macht richtig Spaß und ich muss zugeben, dass es gar nicht soo schwierig ist (das hätte ich vielleicht nicht sagen sollen, denn jetzt denkt ihr bestimmt doch nicht, dass ich ein Genie sei 🙁 naja, truth be told..)

  4. Als ich dann nach zwei Wochen endlich wieder in die Ruhe meiner kleinen Insel zurückkehrte, habe ich mich richtig auf die Katzen und die kleine Stadt gefreut! Ich kam morgens nach dem Vorabend extrem müde mit nicht mehr als 4 Stunden Schlaf an und musste direkt nach einer halben Stunde zur Arbeit. Am nächsten Tag musste ich dann das erste Mal mit Sharon’s Schrottauto fahren. Ich bin mir echt nicht sicher, wann das Auto auseinanderfallen wird. Aber es wird ziemlich sicher in den nächsten Sekunden passieren, I swear… 3 ,2, 1 … (nicht lustig, Sabeth!). Wie auch immer, noch furchterregender sind aber wirklich die Straßen. So eng! Und extrem steile Serpentinen! Ich musste direkt in der nächsten Woche dann jeden Morgen die Straßenkatzen füttern, d.h. mit dem Auto eine bestimmte, komplizierte Strecke fahren. Alleine. Habe ich mehrere Male beinahe einen Unfall gebaut? Vielleicht. Habe ich das Auto öfter abgewürgt als ich in meinem Leben gezwinkert habe? Vielleicht. Bin ich stecken geblieben in einer extrem steilen Straße und ich MUSSTE umkehren aber hab es nicht hinbekommen, weil ich den Motor abgewürgt hab und bin dadurch immer gefährlicher an den Metall-Zaunpfahl herangerollt? Ziemlich sicher.

  5. Auf Skiathos haben für einen Monat zwei Amerikaner bei uns gewohnt. Zwei Wochen davon war ich ja wie gesagt nicht da, aber die anderen zwei Wochen waren wirklich cool. Allerdings war ich die ganze Zeit am Thirdwheeling… Am 21. November wird in den USA ja Thanksgiving gefeiert, also hat Savannah traditionelles Essen vorbereitet (extrem lecker!). Außerdem habe ich gelernt, dass an Thanksgiving eigentlich das Töten von den Leuten gefeiert wurde, welche die Amerikaner durch den Winter gefüttert haben (ich bin nicht so gut in Geschichte, deshalb kann ich jetzt nicht Genaueres dazu sagen). An derem letzten Abend sind wir mit noch einer anderen Freiwilligen vom Catshelter in eine Bar gegangen, was sehr lustig und teuer war. Zum Abschluss waren wir noch in einer Art Club, wo ungefähr sechs alte Männer waren. Sie haben im Kreis griechische Tänze getanzt und uns aufgefordert mit zu tanzen. Es ist mal wieder einer dieser Momente, die man durchs Beschreiben kaputt machen würde. Aber es war ein super schönes, magical Erlebnis.

  6. Eines Tages wanderte ich herum in Skiathos-Town und fand mich in einem Buchladen wieder. Kurze Zeit später fand ich mich dann davor auf der Straße mit einem griechischen Kinderbuch wieder. Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich das alles verstanden habe, aber es hat sich nach einem großen Schritt angefühlt, mein erstes Buch in der so fremden und gleichzeitig vertrauten Sprache in den Händen zu halten.

  7. Zufälligerweise habe ich auf Skiathos in einem Kleidungsgeschäft einen alten Griechen getroffen, der kein Englisch konnte. Während eine Freundin super hässliche Leggins anprobierte, fragte er mich über meine Arbeit, Herkunft etc. aus. Auf Griechisch. Ja, das war meine erste notwendige Konversation auf Griechisch würde ich sagen. Joa, war schon cool.

  8. So, jetzt ist es mal wieder knapp vor der Deadline für’s Blogeinreichen und inzwischen ist noch Einiges mehr passiert. Ich war jetzt einen Monat, wie oben angekündigt Reisen. Und es war wirklich super! Angefangen mit mal wieder ein paar schönen Tagen in Athen, danach vier Tage im wunderschönen Budapest mit meinem portugiesischen Kumpel, wo wir in kürzester Zeit alle Sehenswürdigkeiten abgelaufen sind und sogar in einem der so berühmten Bäder waren. Außerdem hat er zwei Freunde wieder getroffen, die er seit zwei Jahren nicht gesehen hatte und ich habe eine serbische Freundin, die ich seit vier einhalb Jahren nicht gesehen hatte, wiedergesehen. Und da wir Couchsurfing gemacht haben, kamen wir auch richtig billig davon! Manchmal hatte ich es satt, Englisch zu sprechen. Ich meine, nach vier Monaten, brauche ich irgendwann auch mal eine Pause. Diese ‚Sprach-Müdigkeit ‚ war ganz verwirrend, weil sie dazu führte, dass der Portugiese auf Portugiesisch mit mir gesprochen hat und ich irgendwas auf Deutsch erwidert habe. Aber alles in allem war es cool zu merken, dass man doch in der Lage ist auch tiefgründige Gespräche auf Englisch zu führen!

    Nach Budapest war ich wieder ein paar Tage in Athen, wo ich einen griechischen Freund getroffen habe, den ich bei dem Dance-Festival am Anfang meines EVS kennengelernt hatte. Er brachte eine Freundin mit, die ich nicht kannte, aber da Griechen so extrem offen sind, haben wir uns trotzdem zu dritt sehr, sehr nett und extrem lustig für viele Stunden unterhalten. Außerdem habe ich weitere Freiwillige kennengelernt, was immer wieder interessant ist. Von Athen bin ich dann ein paar Tage vor Weihnachten nach Ioannina, im Nord-Westen Griechenlands, gefahren. Dort hatte ich, nachdem ich keine Schlafmöglichkeit über Couchsurfing fand, den Koordinator des dortigen Projektes kontaktiert. Das ist ein Projekt, was ich auch überlegt hatte zu machen (I am happy I didn’t, because they are literally not doing ANYTHING). So kam ich dann bei den beiden Freiwilligen (Russin und Lettin) unter. Beide sind in den paar Tagen zu guten Freundinnen geworden, mal wieder trotz des Altersunterschieds. Ioannina ist ultra schön, an einem See und hohen Bergen gelegen. Ich hatte eine super Zeit dort, auch wenn die Heizung in deren Wohnung nur morgens zwei Stunden und abends zwei Stunden heizt. Und inzwischen war es wirklich kalt!

    Nachdem ich dann leider einige Tage krank war, habe ich Silvester in Thessaloniki (Nord-Osten) mit 35 anderen Freiwilligen gefeiert. Das war schön aber enttäuschend, da Feuerwerk in Griechenland nicht so wichtig genommen wird. Die nächsten sechs Tage habe ich dort in dem Haus der dortigen 26 Freiwilligen gewohnt. Es gibt vier Stockwerke, eine Küche, ein Wohnzimmer und zwei Duschen. Die Heizung funktionierte aber erstaunlich gut und die Schlafräume waren immer sehr gemütlich warm, was ich ja ansonsten nicht in Griechenland angetroffen hatte. Von einer Französin wurde mir Thessaloniki gezeigt und ich bin, glaube ich, die erste, die sagt, dass sie Athen lieber mag als Thessaloniki. Naja, zur Abwechslung habe ich mich dann auch mal kulturell fortbilden wollen und habe so dem Byzantine museum of culture einen Besuch abgestattet, was sehr interessant war. Außerdem wurde ich erleuchtet: Der Geruch in den Griechisch-Orthodoxen Kirchen geht von den Ikonen aus. Deshalb, wann immer ich eine Kirche besichtige, beuge ich mich über die Marienbildnisse, um zu gucken, ob sie riechen. Von Außen sieht es allerdings so aus, als würde ich die Ikonen küssen. Man passt sich ja an die Kultur, in der man lebt an, nicht wahr?

    Auch in Thessaloniki eilte mir der Ruf meines Projektes mal wieder voraus. Alle hatten schon von der ‚Catlady‘ gehört. Es ist unfassbar, wie interessant meine Arbeit mit den Katzen für die anderen scheint. Nicht selten höre ich, dass es deren Traumprojekt wäre… Schön, dass andere das zumindest so sehen. Während meiner Zeit in Thessaloniki hat es tatsächlich geschneit. Und das verursachte ein Chaos sondergleichen. Keine Wege oder Straßen werden geräumt, wahrscheinlich gibt es auf Griechisch gar kein Wort für Schneeschieber oder Schneeräummaschine (was ja irgendwie auch kein Wort, sondern eher eine Beschreibung ist, ups). Wenn man aber dennoch gezwungenermaßen irgendwo hin muss, schlittert und stolpert man mit den drei anderen Dummen durch die Straßen.

    Trotz der schönen Zeit dort, musste ich langsam wieder zurück in die Einöde. Und da ich gerade voll im Modus bin, neue Dinge auszuprobieren, habe ich mich entschieden auf Facebook in einer dafür vorgesehenen Gruppe nach einer Mitfahrgelegenheit zu suchen. Und am Ende saß ich dann nach dem griechisch-obligatorischen ein einhalb Stunden Warten in einem kleinen, vollen Auto mit zwei Griechen. Die drei Stunden Autofahrt waren sehr lustig und unterhaltsam. Das sind so Gespräche, von denen man besser in seinem Tagebuch erzählt, denn diese kleinen, (un)bedeutenden Momente sind es, die das Leben irgendwie auch nochmal um vieles lebenswerter machen.

    Nach einer Nacht wieder bei meinem griechischen Bekannten/Freund in Volos, wurde ich auf Skiathos mit einer Heizung in meinem Zimmer überrascht. Was auch bitter nötig war, denn die Innentemperatur im Haus glich der Außentemperatur von fünf Grad sehr stark. Mit der Heizung kann ich zumindest mit offener Winterjacke in meinem Zimmer sitzen. Die kleinen Dinge soll man doch auch wertschätzen, oder? Über Nacht schneite es dann heftig auch auf meiner Insel. Und die ganze Insel sah so schön aus! Aber da der Schnee ziemlich hoch war und natürlich nur die Hauptstraße dürftig geräumt wurde, war es auch hier schwierig, irgendwo ohne mehrere Knochenbrüche hinzugelangen. Irgendwo in Griechenland ist tatsächlich jemand gestorben, weil der Krankenwagen, auf Grund der nicht geräumten Straßen, nicht zu seinem Haus kommen konnte.

  9. Sooo, jetzt kommen wir zu den wahrscheinlich verwunderlichsten Punkten. Me telling my boss off and getting fired. Während mein Boss für eine Woche nicht zugegen war, waren zwei Männer verantwortlich. Und die beiden sind zwar eigentlich extrem nett und auch sehr viel strukturierter und offen für Vorschläge, aber menschlich hat der eine zumindest anscheinend ein kleines Defizit manchmal. Er hatte einen sehr anstrengenden Morgen, weil er zwei Stunden im Wohnzimmer Katzenkot aufwischen musste (was für uns Freiwillige total normal ist). Die Amerikanerin machte etwas falsch und er hat sie dafür richtig fertig gemacht. Das ging wirklich gar nicht. Also bin ich später zu ihm hingegangen und habe gesagt, dass ich verstehe, dass er schlechte Laune hatte und dass es mir leid täte, dass er so einen – im wahrsten Sinne des Wortes – Scheiß-Morgen hatte, aber dass er kein Recht habe, seine Wut an anderen rauszulassen. Er hat es glücklicherweise relativ gut aufgenommen. Aber es war echt mal ein anderes Erlebnis. Ich meine, man weist ja nicht alle Tage seinen Boss zurecht, richtig?

    Gefeuert wurde ich allerdings von dem echten Boss des Catshelters, Sharon. Ich hatte ihr nicht besonders zeitnah Bescheid gegeben, dass ich nach Budapest reisen werde. Das fand sie zwar ok, sie meinte dann aber, sie müsse Januar, Februar, März zu 100% auf mich zählen können (das ging alles über Whatsapp und es war nach 16:00 Uhr, also ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie betrunken war, größer als mein Selbstbewusstsein). Es war Ende November. Und ich hatte nicht für möglich gehalten, dass ich ihr zwei Monate im Vorhinein meine Reisepläne offenbaren müsse. Also war dies wahrscheinlich der ungünstigste Moment um die Bombe platzen zu lassen, dass ich nicht nur den gesamten Dezember sondern auch den kompletten Februar höchstwahrscheinlich reisen werde. Sie wurde extrem sauer und hat mich gezwungen zu bestätigen, dass ich am 30.01.2019 meinen letzten Arbeitstag im Catshelter haben werde. Sie meinte, sie könne das Shelter nicht basierend auf ungewisser Hilfe führen. Das ist natürlich irgendwie korrekt. Aber ich bin nicht die einzige Freiwillig, sie hat noch zwei weitere, unerwartete Freiwillige! Und ich bin nun mal, im Gegensatz zu den anderen Freiwilligen, nicht wegen der Katzen auf Skiathos. Und Sharon ist nicht mein Boss, sondern Ilektra und sie hat mir erlaubt zu reisen. Am nächsten Tag ist Sharon mir immer schön aus dem Weg gegangen. Very mature, milady. Am Ende hat sie dann aber doch auf meine Bitte hin angeboten, dass wir uns für zwei MINUTEN unterhalten können. Ich habe mich entschuldigt – natürlich – und gesagt, dass ich selbstverständlich die Pläne für Februar mit ihr noch besprochen hätte, aber dass ich ja gezwungen war, es am Vortag zu erzählen und dass es für mich wichtig sei, dass ich mein EVS genießen kann. Daraufhin hat sie gesagt, es sei ja alles ok und dass ich doch nicht gefeuert sei. Boom, there we go.

    Bevor ihr jetzt denkt: ‚Oh, Sabeth is putting freetime activities before work‘ lasst mich das kurz erklären: I REFUSE to accept the catshelter as my EVS project. This is something I would have NEVER EVER applied for. Also ist mein EVS Projekt etwas anders und sehr facettenreich: einerseits das Theaterprojekt, dass nun endlich begonnen hat, Haus putzen, meiner Koordinatorin bei administrativen Dingen helfen, Griechisch lernen, Blog schreiben und andere europäische Länder und Menschen kennenlernen. Hat durchaus was mit EVS zutun. Und das Versprechen, dass ich reisen darf, ist der einzige Grund, weshalb ich nicht abgebrochen habe. Und in meiner Freizeit helfe ich eben mit den Katzen.

Awkward posing in Budapest with Nuno

Beautiful Athens

Well well well, das ist der längste Blog, den ich uploaden werde. Aber jetzt wisst ihr, was bei mir so abging. Wenn ihr bis hierhin gelesen habt, was ich bezweifle, dann VIELEN DANK für euer Interesse und die Zeit, die ihr euch genommen habt.

Wenn ihr Vorschläge für den nächsten Eintrag habt, freue ich mich sehr über Nachrichten.

Macht’s gut oder besser und kalí chroniá (Happy new year)!

Eure Sabeth


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