Lesedauer: 6 Minuten (auf vermehrte Beschwerden hin habe ich mich entschieden, die Lesedauer realistischer anzugeben).

Erste Option: Catshelter

(bin mir nicht sicher, ob das wirklich meine erste Wahl ist…)
9.00 Uhr: Weckerklingeln

9.40 Uhr: Losrennen zum Treffpunkt

9.47 Uhr: Zwei Minuten zu spät ankommen, weil ich noch Wasser holen musste

9.48 Uhr: Ich sehe ein fremdes Auto wegfahren und erkenne noch in der letzten Sekunde, dass da eine meiner Mitfreiwilligen drin sitzt. Sind die gerade ohne mich weggefahren?
→ Ja, sind sie. Und was ich nicht verstehe, warum von mir erwartet wird, dass ich in alle parkenden Autos reinschaue, ob da jemand drin sitzt, den ich kenne oder jemand der so aussieht, als würde er heute ausnahmsweise als Pick-up-Service für Sharon einspringen.

10.00 Uhr: Ankunft im Catshelter

10.01 Uhr: Sharons Begrüßung: „Hey baby, you alright? Here are your tasks. Thanks!“

bis 14:30 Uhr: Ähnliche Aufgaben wie hier zu sehen:

Da dieser Blog über längere Zeit entstanden ist, ist dies ein Beispiel für den Sommer. Jetzt im Winter bin ich die einzige Freiwillige und es gibt generell wesentlich mehr zu tun.

12.06 Uhr: Ich mixe Futter im Schuppen, mache sauber… Sharon kommt zurück vom Einkaufen: „SAB! SAAAAB! Where are you, SAAAB! I need you to take all the cages and buckets out of the car, SAAB.“ Ich lasse alles stehen und liegen und renne zu ihr, um ihrem Befehl Folge zu leisten.

12.09 Uhr: Sharon wundert sich, warum der Schuppen so unordentlich ist. Hold up. Vielleicht, weil du mich aus meiner Arbeit gerissen hast?!

12.45 Uhr: Ich bereite das Futter für die Indoor Cats vor. Das geht natürlich nicht von statten, ohne dass Ford, der Frechste, immer wieder auf die Arbeitsplatte springt und schon direkt aus der Dose fressen will. Einmal weggesperrt und erst zum Essen gelassen, als alle Katzen schon essen durften, hat ihn gelehrt. Vielleicht ist er doch ein Hund?

12.55 Uhr: Das Futter für die Draußenkatzen wird vorbereitet. Cue hat nicht verstanden, dass das Futter auf dem Boden steht und sitzt immer noch hungrig neben mir und versucht das Essen zu klauen (Cue ist meine Lieblingskatze).

13.05 Uhr: Ich klapper wie bescheuert mit den Feeding Trays und laufe mit einem großen Eimer voller Futter zur Futterstelle, wo enorm viele Katzen wohnen und noch mehr hingerannt kommen, als würden sie verhungern (24/7 ist Trockenfutter bereitgestellt).

13.10 Uhr: Ich finde keinen Platz für’s Abstellen der Tabletts, weil die Katzen genau da stehen, wo sie das Essen zu erwarten haben. Das mit dem siebten Sinn bezweifle ich langsam…
Edit: Inzwischen weiß ich wirklich nicht, was ich von den Katzen halten soll. Entweder sind sie unfassbar dämlich oder einfach so krass ignorant, dass es weh tut.

14.30 Uhr: Ich bin endlich mit allem durch, Sharon muss aber noch dringend bevor sie mich zurückfährt ein Dokument für ihre Scheidung bearbeiten, mit den Worten: „Just a minute baby, let me JUST finish.“

15.00 Uhr: Sharon: „ok get your things.“ Apparently minutes have a different duration for every person…

15.20 Uhr: Essen machen

16.00 Uhr: Griechisch mit Ilektra

17.00 Uhr: Videos gucken

17.30 Uhr: Schnell losrennen, bewaffnet mit einem Buch, um den Sonnenuntergang zu genießen, der schon fast vorbei ist, wenn ich endlich ankomme.

19.00 Uhr: Mit Eltern oder Freunden skypen/telefonieren (nicht jeden Tag natürlich!)

bis 02.00 Uhr: nicht erklärbare, unwichtige Dinge machen

Zweite Option: freier Tag

13.15 Uhr: Aufstehen, langsam fertig machen und essen

14.00 Uhr: Zimmer langsam aufräumen, gleichzeitig Videos gucken

14.50 Uhr: Griechische Vokabeln lernen

15.03 Uhr: Griechischunterricht

16.00 Uhr: Auf die Idee kommen, rauszugehen wegen Vitamin D und so

16.55 Uhr: Sachen packen und los gehen

17.18 Uhr: Sonnenuntergang verpassen

19.00 Uhr: Skypen (optional)

20.30 Uhr: Essen kochen

21.10 Uhr: Mich erneut wundern, dass Kochen so lange dauert und die Karottenscheiben mal wieder immer noch steinhart sind (I swear, one day I will be a chefcook).

22.00 Uhr: Abwaschen, was überwiegend NICHT von mir schmutzig gemacht wurde, obwohl über dem Waschbecken ein großes Schild hängt, dass KEIN schmutziges Geschirr in das Becken gestellt werden darf. Trotzdem ist es nicht selten, dass beide Waschbecken bis oben vollgestapelt sind mit dem Plastikgeschirr. Alle 2 Wochen ist es so schlimm, dass ich mich weigere, irgendetwas außer meinem Schmutz weg zu machen. Eigentlich ist es meine Aufgabe, die Küche zu putzen. Aber das habe ich aufgegeben, mein Job ist es nicht, deren willkürlich verursachten Dreck wegzumachen. Das wäre ja wie wenn ich im Bad die Klospülung nicht betätige, das benutzte Toilettenpapier auf den Boden und ins Waschbecken schmeiße und mit meiner Kleidung den Boden pflastere, nur weil es nicht meine, sondern Ilektras Aufgabe ist, das Bad zu putzen.

22.45 Uhr: Netflix

01.35 Uhr: Waas schon so spät?

Wie schon erwähnt, habe ich noch keine richtig geregelten Tagesabläufe. Deshalb probiere ich unterschiedliche Dinge aus, wie z.B. Morgens um 5 Uhr aufstehen, zwei Stunden arbeiten, eine Stunde laufen gehen, acht Stunden arbeiten (mit Unterbrechungen natürlich, da ich ja nicht wirklich berufstätig bin), Abends wieder Sport (Poweryoga oder Taekwondo), vier Stunden Freizeit und um 23 Uhr schlafen gehen. Gestern hat das ultra gut geklappt. Ich habe so unfassbar viel geschafft und hatte so viel Zeit!! Echt cool. Heute: Jetzt ist es schon 6.54 Uhr und ich bin immer noch so unmotiviert wie um 4.55 Uhr als der Wecker klingelte. Vielleicht mach ich das doch nicht auf Dauer. Und tatsächlich habe ich es schon aufgegeben, nach einer knappen Woche.

Work.

Gewaltsame Unterbinden des Fortpflanzungsdranges (DER KATZEN!):

Einmal im Jahr kommen freiwillige Tierärzte aus aller Welt um Sharon beim Kastrieren und Sterilisieren der Straßenkatzen zur Seite zu stehen. Das ist auch durchaus notwendig, da es mehr Katzen als Menschen auf der Straße gibt, zumindest im Winter. OK, das ist vielleicht auch keine Kunst, denn schon jetzt (=September) wenn man durch die Hauptstraße läuft, begegnet man kaum zehn Menschen. Trotzdem ist das Straßenkatzenproblem mindestens so groß wie Sharons Leidenschaft zu Zigaretten (und die ist unbeschreiblich. Also die Sucht. Sharon auch, aber das ist ein anderes Thema). Also zog ich mit Sharon los, um nach ’not neutered‘ Katzen Ausschau zu halten. Einfach daran zu erkennen, dass die Katzen, die ‚done‘ sind, die Spitze des Ohres ab oder eingeschnitten bekommen, je nach Geschlecht.

Das Fangen lief dann folgendermaßen ab: Sharon streut Futter hin und steht mit einem Dropcage (Käfig ohne Boden) mit gebückter Haltung, wie auf der Lauer, bereit (man fragt sich: will sie die Katzen imitieren?). Ich mache Lockgeräusche und Lärm mit dem Trockenfutter, damit die Katzen unkonzentriert, bzw. auf mich fixiert sind. In einem (un)passenden Moment stülpt Sharon den Käfig über die sich daraufhin windende Katze. Ich renne zum Auto, hole den Boden des Käfigs, trage die Katze ins Auto mit beruhigenden Worten wie: „Alles gut. Wir tun dir ja nichts. Schon ok“ Warte. Da ist irgendwas falsch. Alles gut? Nein, nichts ist gut. Wir tun dir nichts? … Wir nehmen dir gewaltsam die Möglichkeit, dich entgegen aller Natürlichkeit fortpflanzen zu können. Schon ok? Was wir machen ist jedenfalls aus deiner Sicht alles, aber nicht ok. Von Tag zu Tag habe ich mich schlechter gefühlt.

Einige besonders clevere Katzen versucht Sharon schon seit zehn Jahren zu fangen. Aber man hat eben pro Jahr nur einen Versuch, denn wenn es einmal missglückt, bleiben die Katzen für längere Zeit zu wachsam. Dieses Jahr haben wir alle ingesamt 100 Katzen gefangen und weitaus mehr kastriert/sterilisiert.

Kurze allgemeinbildende Frage: was glaubt ihr, wie lange die Operation dauert?
→ Die Auflösung ist ganz unten (nicht auf dem Kopf, wie es in professionellen Klatsch-Zeitschriften wäre, wegen mangelnder Edeting-skills) zu finden.

 

Me.

In den letzten Wochen ist sehr viel bei mir passiert. Und auch wirklich sehr viele spannende Dinge. Also, stay tuned, denn der nächste Blog wird auf jeden Fall extrem interessant!
Ich entschuldige mich ein bisschen für diesen Blogeintrag, am Ende wurde es ein bisschen stressig also bleibt der Feinschliff diesmal aus…
Ich geh jetzt erstmal wieder reisen.

Ciao und bis zum nächsten Mal!

Eure Sabeth

Auflösung: bei Katern dauert die Operation 5-10 Minuten, bei Katzen 20-30 Minuten


1 Comment

Rüdiger · 16. Dezember 2018 at 14:47

Dankeschön für den Blog! Wie schön, dass du so viel fürs echte Leben lernst und dich in so unterschiedlichen, krassen Situationen erproben kannst. Es ist doch wirklich seeeeehr anders als dein bisheriges Leben in Lübeck es bot und auch sicher sehr anders als die kommende Lebensphase – Studium oder so.
Grüße vom Papa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Related Posts

EFD 2018-2019

Many First Times

Lesedauer: ca. 10-20 Minuten My first time: telling my boss off getting fired getting re-employed less than 24 hours after having been fired staying in a 4-star hotel sleeping in a bed with a stranger Weiterlesen

EFD 2018-2019

Eine mehr oder weniger friedliche Freiheitsbewegung

Ja, es gibt sie. Die schlechten Tage. Tage voller grauer Gedanken. Wie an einem regnerischen Herbsttag, an dem von oben nur kleine Tropfen zu fallen scheinen. Tropfen so klein, dass man sie einzeln nicht erkennt. Weiterlesen

Anna in Griechenland

Weihnachtszeit in Griechenland

Nun bin ich bereits vier Monate in Griechenland und durfte schon viele, auch herausfordernde Erfahrungen sammeln. Aber dennoch möchte ich zunächst erstmal von der Vorweihnachtszeit hier in Griechenland berichten. Diese begann hier bereits Mitte bis Weiterlesen