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Wohngebäude und Berge

Vor ca. einem Monat bin ich in Rifugio Re Carlo Alberto, einem Altenheim, das auf Alzheimer- und Demenzpatienten spezialisiert ist, angekommen. Es liegt ein bisschen höher gelegen in einer kleinen Stadt namens Luserna San Giovanni, südwestlich von Turin. Das Heim ist in mehrere Wohnbereiche unterteilt, die unter anderem nach dem Grad der Krankheit eingeteilt sind. Manche Bewohner sind noch relativ fit und auf den ersten Blick versteht man nicht, warum sie in einem Heim leben. Das wird erst klar, wenn man sich mit ihnen unterhält oder generell mehr Zeit mit ihnen verbringt. Andere Bewohner sind nicht mehr zu viel in der Lage. Sie liegen in ihrem Bett oder sitzen im Rollstuhl und sind nicht oder kaum fähig sich selbständig zu bewegen. Auch essen können sie nicht mehr alleine. Außerdem haben viele Schluckstörungen, was ein Symptom der Krankheit ist. Sie bekommen das Essen püriert und statt normalem Wasser bekommen sie eine Art Gel. Außerdem gibt es noch die Tageseinrichtung. Hier kommen die Bewohner ca um 9:30 Uhr an und werden um 16:00 Uhr wieder abgeholt. Bei den Menschen, die dort sind, ist die Krankheit noch nicht so weit fortgeschritten. Sie können noch alleine essen, sich selbständig fortbewegen und sich mehr oder weniger gut mit einem unterhalten. Die Tageseinrichtung hat einen großen Garten mit Wiese, Sitzgelegenheiten, Gemüsebeeten und einem Hühnerstall/Auslauf. Außerdem gibt es auch ein Kaninchen und mehrere Katzen die jedoch auch auf dem gesamten Gelände und auch in den Häusern anzutreffen sind.

Mittags und morgens helfen wir Freiwilligen das Essen zu verteilen bzw. die Bewohner, die nicht mehr selbst Essen können zu füttern. Ansonsten leisten wir nicht die Arbeit eines Pflegers. Wir kümmern uns eher um das mentale Wohlbefinden der Menschen hier. Wir spielen mit ihnen Spiele wie Karten oder Bingo, was außerdem auch gut ist um das Gedächtnis zu trainieren, gehen mir ihnen spazieren oder auf den Markt in der Stadt und einen Kaffee trinken. Wir kochen und gärtnern mit ihnen, lesen ihnen die Zeitung vor, malen, singen und tanzen. Zweimal die Woche  gibt es einen Gottesdienst, einen katholischen und einen evangelischen. Einmal im Monat wird eine Geburtstagsfeier für alle, die bin zu diesem Zeitpunkt Geburtstag hatten, veranstaltet. Musikanten kommen, es gibt Kuchen und es wird getanzt. Auch so kommen manchmal Musikanten und heute zum Beispiel warne Tiertherapeuten mit Hunden da. Die Bewohner durften die Hunde streicheln, ihnen einen Ball zuwerfen und ihnen Leckerlis geben. Außerdem wurde ihnen auch ein bisschen was über Hunde und dessen Körpersprache erzählt.

An dem Tag, an dem Ich in Italien angekommen bin, wurde ich von Clara, einer anderen Freiwilligen, vom Bahnhof abgeholt. Die Reise war sehr anstrengend und ich war sehr erschöpft, doch durch die herzliche Art, mit der sie mich empfangen hat, und ihrer scheinbar nie enden wollende Energie, wurde ich sofort wieder aufgemuntert. In Rifugio bewohnen wir Freiwilligen das oberste Stockwerk des einen Gebäudes. Wir haben einen kleinen Raum, direkt wenn man hochkommt, mit einem Kühlschrank und einem Tisch und einem Sofa, von dem vier Zimmer abgehen. Zwei Räume sind Doppelzimmer, im Moment aber nur von jeweils einer Person bewohnt, da wir nur 4 Freiwillige sind. Im November werden aber noch 2 weitere ankommen. Außer mir und Clara (sie ist aus Portugal) sind noch Franzisco (er ist aus Spanien) und Ivona (sie ist aus Kroatien) da. Sie ist wie ich 6 Monate da und ist 2 Wochen nach mir angekommen. Die anderen beiden sind schon länger hier. Ich wurde von allen in Rifugio sehr herzlich aufgenommen und habe mich von Anfang an sehr wohlgefühlt, auch wenn es natürlich schwer ist so weit weg von zu Hause und alles neu war. Außerdem musste und muss ich mich immer noch an die Arbeit gewöhnen und alles lernen, was damit zusammenhängt. Am Anfang habe ich in einem Bereich gearbeitet, in dem die Bewohner fast alle nicht mehr selbständig laufen und essen können und auch fast nicht mehr sprechen. Mir persönlich fällt es sehr schwer zu solchen Menschen, zumindest in kurzer Zeit, eine Beziehung aufzubauen. Das ist meiner Meinung nach aber von Vorteil, wenn man sie füttern soll. Außerdem kann dort kaum einer der Pfleger Englisch und und an Tagen, an denen kein anderer Freiwilliger da war, habe ich mich sehr alleine und verloren gefühlt. Außerdem hatte ich das Gefühl mehr im Weg zu sein als helfen. Keiner hat mir gezeigt, wie ich die Sachen zu machen habe. Das war aber nur an wenigen Tagen so und die meisten Menschen dort sind super lieb und teilweise auch sehr fürsorglich. Seit ca. einer Woche bin ich jedoch in der Tageseinrichtung. Dort gefällt es mir sehr gut und die Arbeit macht mir Spaß. Dort bin ich nicht nur zu den Essenszeiten sondern den ganzen Tag. Aber auch hier werden ähnliche Aktivitäten gemacht. Nicht alle Besucher sind jeden Tag da, manche kommen nur noch ein paar Tagen in der Woche aber es ist doch eine feste und einigermaßen kleine Gruppe an Menschen, die ich immer besser kennen lernen und zu denen ich eine Beziehung aufbauen kann.

Als ich hierher kam, konnte ich, bis auf ein paar wenige Worte, kein Italienisch. Ich habe in der Schule zwei Jahre Spanisch gelernt und habe deshalb ein wenig verstanden, aber viel war es nicht. Dazu kommt noch, dass hier in der Region ein Dialekt gesprochen wird, Piamontese. Das bedeutet, selbst wenn man Italienisch kann, kann es sein, dass man die Bewohner nicht versteht. Da ich am Anfang fast nichts von dem verstanden hab, was die Menschen hier gesagt haben, ist mir ihre Krankheit teilweise gar nicht richtig bewusst geworden. Das hat sich mit der Zeit jedoch geändert, als ich mit der Zeit ein wenig mehr verstanden habe, und mich eine Frau ungefähr 10 Mal in Sekundenabständen gefragt hat, ob in der Box auf dem Tisch Kekse sind und eine andere Frau, beim Abräumen des Tisches, 2 Mal im Abstand von wenigen Minuten geschaut hat, ob die gleichen Tassen sauber sind.

Auch wenn es manchmal schwer ist, die Sprache kaum zu können, komme ich doch im Großen und Ganzen gut zurecht und lerne außerdem jeden Tag ein bisschen was dazu. Seit 2 Wochen bekomme ich auch Italienischunterricht und freue mich darauf, mich auch bald mit Menschen auf Italienisch unterhalten zu können.

 


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