Es ist zugegebenermaßen eine lange Zeit vergangenen, seit ich meinen letzten Eintrag verfasst habe. Fast zwei Monate. Allerdings muss ich mich rechtfertigen, es ist in der letzten Zeit sehr viel passiert, zu viel, um Zeit zu haben, einen ausführlichen Eintrag zu schreiben.

Weihnachten zu Hause

Die Weihnachtszeit in Deutschland war wirklich wundervoll und es war wirklich toll nach der ganzen Zeit in Frankreich mal wieder Deutsch auf den Straßen zu hören und natürlich vor allem meine Familie und meine ganzen Freunde wieder zu sehen. Bei den ganzen Leuten, die man natürlich in den recht kurzen Weihnachtsferien sehen will, steht das entspannende Weihnachten dann erst einmal ein bisschen im Hintergrund. So war mein Tagesablauf in den meisten Tagen folgendermaßen: Morgens traf ich mich mit meiner Oma, um die besten schwäbischen Gerichte zu erlernen, um das angeeignete Wissen gleich in die Normandie mitnehmen zu können. Den Mittag verbrachte ich dann meistens mit meiner Familie, den Abend mit meinen Freunden.

So hatte ich wirklich alles in den zwei Wochen. Mir hat es wirklich an nichts gefehlt, außer vielleicht an Schlaf. Die Weihnachtstage selbst waren auch wunderschön, so war ich so oft mit meiner Oma in der Kirche, dass sich sogar beim dritten Mal der Pfarrer schon über die Frequentierung unserer Besuche wunderte. Außerdem konnte ich die gesamte Großfamilie wiedersehen und die Weihnachtsrituale meiner Familie pflegen.Als es dann nach knapp zwei Wochen wieder in die vorübergehende Heimat ging, viel der Abschied schon ein bisschen schwer. Allerdings konnte ich schon ein Stück Heimat mit nach Frankreich nehmen, mit einem Rucksack voller deutscher Lebensmittel und Weihnachtsgeschenke.

Zurück bei der Arbeit

Nach der Weihnachtszeit fing dann erst einmal wieder der Alltag an. An meinem Tagesablauf hat sich dabei seit der Weihnachtszeit nicht wirklich viel verändert, allerdings werden mir immer mehr Aufgaben und selbstständige Projekte zugeteilt. Mit den immer weiter wachsenden Sprachkenntnissen lässt sich eben auch mehr Verantwortung übernehmen.

Nächste Woche beginnen in Frankreich die zweiwöchigen Schulferien. Diese Zeit bedeutet für uns im Maison de la Jeunesse et de la Culture allerdings das komplette Gegenteil von Ferien. So gibt es zwar keine Migrantenkurse in den Ferien und auch die Bastelwerkstatt genehmigt sich eine kleine Pause, stattdessen gibt es aber eine Rund-um-die-Uhr-Beschäftigung für die ganzen Kinder, die zwar Ferien haben, aber keine Aufsichtsperson zu Hause. Das heißt fünf Tage die Woche auf etliche Kinder aufpassen samt deren „Bespaßung“. Hier wird auch schon das Vertrauen ersichtlich, welches mir entgegengebracht wird. So bin ich vollkommen in der Planung involviert und darf sogar einen ganzen Tag nach meinen eigenen Vorstelllungen gestalten.

Bei meiner Spielidee für den Tag  handelt es sich dabei um ein überdimensionales Mensch ärgere dich nicht, auf dessen Spielfeld die Kinder sowohl als Spielfiguren als auch als Spieler agieren. So müssen sie auf manchen interaktiven Feldern erst kleine Aufgaben meistern, bevor sie weiter vorrücken dürfen. Ich bin dabei besonders stolz auf den Namen. In Frankreich nennt man Mensch ärgere dich „jeu des petits chevaux“ zu Deutsch ungefähr Spiel der kleinen Pferde, meine Version davon nenne ich selbst „jeu des grands chevaux“ zu Deutsch Spiel der großen Pferde. Genial oder? Dazu auf jeden Fall im nächsten Eintrag mehr, ich hoffe es geht alles gut.

Auch in der Arbeit mit den Migranten und Flüchtlingen gibt es Neuigkeiten. So werde ich bald Coach eines gemischten Fußballteams der MJC. Zusammengesetzt aus den Freiwilligendienstlern und den Migranten, alles für eine perfekte Integration und natürlich um Tore zu erzielen. Das ganze Projekt ist schon genehmigt es dauert allerdings noch ein bisschen, bis alles mit der Halle geklärt ist. Draußen spielen wäre dabei nämlich töricht, denn jedes Kind weiß: In der Normandie regnet es immer. An diesem Punkt lässt sich noch folgendes sagen: In Frankreich dauert alles länger, als in Deutschland, viel länger. Man gewöhnt sich aber auch daran.

Im Flüchtlingskurs ist seit ein paar Tagen nun auch ein neuer Schüler da. Ich muss ihn dabei unbedingt extra noch einmal erwähnen, da Frankreich nicht seine erste Fluchtstation war. Der gute Mann verbrachte so die letzten drei Jahre in München, dann drohte ihm allerdings wegen seines afghanischen Ursprungs die Abschiebung, weshalb er seine Taschen packte und sein Glück in Frankreich probierte, wo er dann auch mehr Erfolg hatte. So spricht dieser besagte Afghane ein perfektes Deutsch, vielleicht sogar mit einem leichten bayrischen Einschlag (ich bin mir noch nicht ganz sicher) und brachte mich damit nicht nur einmal in Verlegenheit. So übersetzt er die gelernten Texte nicht etwa auf Arabisch, sondern ins Deutsche, da es ihm einfacher falle, so die zwei doch in vielen Punkten ähnlichen Sprachen zu vergleichen. Dabei bin ich natürlich von allen Lehrkräften sein bevorzugter Lernpartner. So kam es schon vor, dass er mich nach französischen Pendants zur deutschen grammatikalischen Strukturen fragte, deren Namen ich vielleicht einmal in der 9. Klasse in Deutsch aufgeschnappt hatte, aber nicht wirklich beherrsche. Peinlich. Allerdings konnte ich ihm viel mit meinem Französischbuch aus der Kursstufe helfen, das ich extra nach Frankreich importiert hatte. Der Kopierer ist jetzt bestimmt leer, so viele Kopien konnte ich für ihn machen.

Im Apartment bricht nun auch eine neue Ära an. So ist vor ein paar Tagen ein neues Gesicht in unsere kleine französische Familie gekommen. Sie heißt Diana und kommt aus Spanien. Das heißt, es wird aller Voraussicht noch mehr Spanisch im Appartement gesprochen in nächster Zeit. Sie ist 29 Jahre alt und kommt aus Madrid. Sie scheint auf den ersten Blick richtig nett und scheint wirklich perfekt zu uns zu passen.

Dazu später mehr…



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