Während den Wochen vor dem Start meines Europäischen Freiwilligendienstes, als ich zur Vorbereitung die Blogbeiträge anderer Freiwilliger lesen wollte, war ich etwas enttäuscht, warum von ihnen nur so wenig kommt. Ein bisschen Zeit muss man doch haben! Nach einer Woche EFD beginne ich zu verstehen, warum: Von meinen acht Abenden hier habe ich bisher genau einen in meiner Unterkunft verbracht und auf der Arbeit wurde es auch nicht langweilig; die Zeit hier vergeht einfach wie im Flug und wenn man sich etwas nicht wirklich vornimmt, dann hat man auch immer irgendetwas anderes zu tun. Aber der Reihe nach.

Am Freitag, den 14. September 2018, bin ich – anders als die meisten Freiwilligen – mit dem Zug zu meiner EFD-Stelle nach Bozen in Norditalien (genauer gesagt Trentino-Südtirol) gereist. Da ich dieses Jahr den Sommerurlaub mit meiner Familie in der Region verbracht habe und währenddessen auch die Chance hatte, das Jugendzentrum, in dem ich arbeite, und meinen Mentor persönlich kennenzulernen, war nicht alles neu für mich und ich wusste auch, nach wem ich Ausschau halten musste, als mein Zug den Bahnhof von Bozen erreicht hatte. Vor dem Aussteigen sagte ein Schaffner der ÖBB noch zu mir und anderen aussteigenden Fahrgästen, dass wir nun nicht in Italien seien, sondern in Südtirol; Italien beginne erst weiter südlich. Was auf jeden Fall stimmt, ist, dass die Autonome Region Trentino-Südtirol bis 1918 zu Österreich gehörte und deswegen im nördlichen Teil, der Region um Bozen, fast zwei Drittel der Einwohner deutschsprachig sind und nur etwa ein Viertel italienischsprachig. Dieses Viertel konzentriert sich aber ziemlich stark auf Bozen, weswegen die Stadt sehr italienisch geprägt ist und man auch nicht sagen kann, dass es hier wie in Österreich ist – es ist einfach eine Region kulturell irgendwo zwischen Österreich und Italien, im Herzen Europas. Nach meiner Ankunft wurde ich bei meiner Arbeitsstelle, einem Jugendzentrum in der Innenstadt von Bozen, von den Mitarbeitern und meiner EFD-Kollegin aus der Ukraine begrüßt und ich konnte meine Unterkunft beziehen. Für die ersten Wochen, bis ein WG-Zimmer für mich gefunden wurde (was nicht einfach ist, da an der Freien Universität Bozen ausgerechnet zu diesem Semester eine neue Fakultät eröffnet hat und sich die Wohnungsknappheit noch einmal verschärft hat) ist das ein Zimmer im Gästehaus eines Klosters 20 Gehminuten von der Innenstadt und somit von meiner Arbeit entfernt, das echt in Ordnung ist, aber leider keine Küchenzeile und auch kein WLAN hat.

Da ich freitags angekommen bin, hatte ich direkt ein freies Wochenende, das ich mit meiner EFD-Kollegin aus der Ukraine und einem EFD’ler aus Spanien sowie einer EFD’lerin aus der Slowakei für einen Ausflug zu einem nahe gelegenen See und für einen Klettersteig in die Dolomiten genutzt habe. Die Landschaft ist großartig, das Wetter war super und die anderen Freiwilligen sind auch sehr nett – mein erstes Wochenende hätte also nicht besser laufen können. Die Arbeitstage liefen dann ungefähr so ab: Morgens Frühstück in der Schule, an die das Jugendzentrum angegliedert ist (in meinen Zimmer geht essen ja eher weniger gut), danach Vorbereitungszeit für die Nachmittagsaktivitäten, Mittagessen wieder in der Mensa (1. Mal Nudeln), Nachmittagsbetreuung im Jugendzentrum – bzw. diese Woche eher nochmal Vorbereitung, weil am Freitag das Fest zum Jubiläum des Jugendzentrums stattgefunden hat –, nach Feierabend Abendessen (2. Mal Nudeln – wenn das nicht Italien ist, dann weiß ich auch nicht!) und dann mit unserer Klettersteig-Gruppe und noch weiteren Freiwilligen (hier in Bozen gibt es ziemlich viele Freiwillige aus dem europäischen Ausland) in eine der vielen Bars oder an die Talferwiesen (ein beliebter abendlicher Treffpunkt vor allem bei Studenten), um dort den Blick auf die Berge zu genießen, Gitarre zu spielen und zu erzählen. Hier in Bozen ist auch fast jeden Abend irgendein Event, sei es ein Benefizkonzert auf dem zentralen Waltherplatz (Piazza Walther), Livemusik auf einer Piazza oder wie dieses Wochenende ein Open-Air Filmfestival mitten in der Stadt – es gibt immer etwas zu sehen.

Komme ich langsam mal zum Fazit. Ich denke, die erste Woche meines EFD’s hätte kaum besser laufen können. Meine größte Angst vor dem Beginn war, dass ich abends allein in einem Zimmer rumsitze und es sehr schwierig werden würde, sich mit anderen Freiwilligen zu vernetzen. Diese Angst hat sich aber bereits in Luft aufgelöst, da ich ja fast jeden Abend irgendwas unternehme und da ich auch schon so viele nette andere Freiwillige kennengelernt habe, mit denen ich mich nach Feierabend treffe – so lässt es sich auch sehr leicht verschmerzen, dass ich kein WLAN in meinem Zimmer habe. Meine Kollegen im Jugendzentrum sind richtig nett und die Kinder auch. Bozen ist eine geniale Stadt in einer genialen Landschaft. Es gibt aber auch ein paar kleine negative Punkte, wie z.B., dass mein Mentor in dieser ersten Woche auf Klassenfahrt und für mich nicht erreichbar war (wobei ich eigentlich zwei Wochen früher hätte anfangen sollen, doch die italienische Nationalagentur hat geschlafen; dann wäre diese Woche nämlich schon die dritte Woche gewesen) und dass ich nicht weiß, wann mein Italienisch-Kurs anfangen wird und wann das On-Arrival-Training stattfindet. Nichts desto trotz bin ich sehr, sehr zufrieden, denn das Allerwichtigste, das Sich-Einleben in das neue Umfeld, hätte besser und schneller nicht sein können.

Hier noch ein paar Bilder:

Das Kloster, in dem ich wohne.

Die Talferwiesen, eine bei den Bozenern sehr beliebte Parkanlage.

Der Kalterer See südwestlich von Bozen (das Wasser ist wärmer als im Freibad!).

Der Rotwand-Klettersteig in den Dolomiten.

 


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