Okay, jetzt wird’s kompliziert. Eigentlich hatte ich ja vor, einmal pro Monat was zu schreiben, aber jetzt ist mein erster Beitrag schon fast zwei Monate her und in dieser Zeit ist dann doch das ein oder andere passiert. Also wird dieser Beitrag etwas länger und unübersichtlicher. Nächstes Mal wird’s dann hoffentlich wieder besser. 🙂

Oktober

Am letzten Oktoberwochenende ist zunächst meine Familie hier nach Südtirol gekommen, um Urlaub zu machen. Sie haben mir mein Mountainbike von zu Hause mitgebracht sowie das beste Fahrradschloss, was sie finden konnten – in der Stadt weiß man ja nie und ich mag mein Fahrrad genug, dass ich nicht möchte, dass es gestohlen wird. Ein Beitrag darüber, warum Bozen Italiens „Fahrradhauptstadt“ ist, folgt.

In der Woche darauf hat dann mein Italienisch-Kurs begonnen, den ich bis Dezember zweimal wöchentlich besuche. Da hier in Südtirol/Alto Adige die meisten Menschen deutschsprachig sind, haben auch im Kurs ungefähr achtzig Prozent der Teilnehmenden Deutsch als Muttersprache und man kann immer jemanden fragen, wenn man etwas nicht verstanden hat. Darunter sind sogar Leute, die schon seit Jahrzehnten hier in der Region leben, aber jetzt erst Italienisch lernen, weil man außerhalb von Bozen einfach kaum Möglichkeiten hat, Italienisch zu sprechen. Und wenn man es doch mal mit einem breiten deutschen Akzent versucht, kommt die freundliche Antwort: „Sie können auch auf Deutsch mit mir sprechen.“. Ich kann mich also wirklich glücklich schätzen, dass auf meiner Arbeit nur Italienisch gesprochen wird!

Nach gut einem Monat habe ich mein ÖPNV-Ticket bekommen, das hier in Südtirol für alle EFD‘ler von der Region gestellt wird. Damit kann ich jetzt alle Busse und Züge und auch einige Seilbahnen in Südtirol kostenlos nutzen – von der italienisch-österreichischen Grenze am Brenner bis nach Trient! Das habe ich dann noch am selben Abend genutzt und bin mit vier anderen Freiwilligen mit einer der drei Bozner Bahnen nach Oberbozen gefahren, weil… naja, eigentlich nur weil wir es können. Gesehen hat man in der Dunkelheit leider nicht sehr viel.

On-Arrival-Training und Urlaub

An einem Montag Ende Oktober ging es nach Neapel zum On-Arrival-Training – naja, genauer gesagt nach Nola, einer tristen Vorstadt 40 Minuten mit der S-Bahn von Neapel entfernt. Die Anfahrt hat einen ganzen Tag gedauert, war aber ziemlich entspannt: Abfahrt in Bozen früh morgens, sechs Stunden im selben Zug, Ankunft in Neapel, eine Stunde Wartezeit auf die nächste S-Bahn, weil der Zug Verspätung hatte, nochmal 40 Minuten und dann Ankunft im Hotel. Am ersten Abend ging es erstmal darum, sich kennenzulernen und einen Überblick über das Programm zu bekommen.

Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag waren sich im Programm relativ ähnlich. Angefangen hat jeder dieser Tage immer mit einem Frühstücksbuffet, vormittags hatten wir dann zwei Sprachkurse – einen für Anfänger und einen für Fortgeschrittene. Ich habe es tatsächlich in den Fortgeschrittenen-Kurs geschafft, wo ich schon alles, was mir an Grammatik während meines EFD’s unterkommen kann, gelernt habe. Dann Mittagessen und Mittagspause bis 15 Uhr und am Nachmittag Einheiten zum EFD, wie „Intercultural Learning“, „Rights & Duties“ und „To Be An European Volunteer“. Eine Mittagspause haben wir genutzt, um im Hotelpool schwimmen zu gehen. Das war leider keine so gute Idee, denn für das restliche OAT war ich erkältet. Irgendwann zwischen 20 und 21 Uhr gab es dann endlich Abendessen. Nach dem Abendessen hatten wir noch Zeit, einfach so zusammenzusitzen, Karten zu spielen, uns über unsere Projekte auszutauschen und zusammen Espresso an der Hotelbar zu trinken.

Fehlen noch Donnerstag und Sonntag: Den ganzen Donnerstag waren wir in Neapel – zunächst mit der ganzen Gruppe von ca. 30 Freiwilligen mit Programm und danach in kleineren Grüppchen nach Lust und Laune. Es war auf jeden Fall interessant, sich die Stadt mal anzusehen, aber ich bin danach doch ziemlich froh, meinen EFD im Norden zu machen. Der Verkehr ist ein einziges gigantisches Chaos, die Straßen sind an vielen Ecken vermüllt und die meisten Häuser wirklich sanierungsbedürftig. Es gibt aber auch total schöne Ecken wie das Castell Sant’Elmo mit fantastischem Blick auf die Stadt, das Meer und den Vesuv oder das Spanische Viertel mit seinen engen Gassen und vielen kleinen Läden. Der gesamte Sonntag war für die „Final Evaluation“ reserviert und der Abend für die Abschluss-Party. Das beste am OAT waren definitiv die gemeinsamen Mahlzeiten und Abende zusammen. Mit ca. 30 Freiwilligen hatte die Gruppe auch eine perfekte Größe.

Am Montag darauf hat eine Sturmfront ganz Italien mit voller Wucht erwischt, aber außer ein paar umgestürzten Bäumen und bröckelnden Fassaden bzw. einstürzenden Mauern ist in Neapel nichts passiert – im Gegensatz zu anderen Teilen von Italien, wie z.B. Venedig, wo dieses Mal nicht nur der Markusplatz, sondern auch der Markusdom überschwemmt wurde. Dieser Tag war auch der erste Urlaubstag von einer Woche, die ich zusammen mit Katya, meiner EFD-Kollegin aus der Ukraine, und Ivanka, einer Freiwilligen aus der Slowakei, in Neapel und Umgebung verbracht habe. Über Neapel habe ich ja schon geschrieben, dort wurde es nach dem Sturm auch nicht schöner. Sehr gelohnt haben sich aber der Vesuv, die Ruinen von Herculaneum und Pompei und Sorrento in der Nähe der Amalfiküste. Leider war die Woche ziemlich verregnet, aber immerhin ist der Vesuv nicht ausgebrochen, denn unser Hostel lag genau zwischen der Westflanke des Vesuvs und dem Meer, einige hundert Meter entfernt von den Ruinen des vor ca. 2000 Jahren vom Vesuv zerstörten Herculaneum. Man kann halt nicht alles haben. Auf dem Rückweg gab es noch einen kurzen Zwischenstopp in Florenz.

Arbeit und Freizeit in Bozen

In Bozen läuft es auch gut und die Arbeit im Jugendzentrum ist schon alltäglich geworden. Dreimal in der Woche ist Hausaufgabenbetreuung, wo ich die Kinder bei den Deutsch- und Englisch-Hausaufgaben unterstütze. Außerdem organisiere ich mit Katya jeweils einmal pro Woche eine „Gruppo lingue“ und eine „Gruppo creativo“. In der Sprachgruppe geht es darum, spielerisch und informell Englisch zu lernen und die Sprachkenntnisse der Kinder zu verbessern. Und in der Kreativgruppe basteln wir zusammen passend zur Jahreszeit die verschiedensten Sachen – diese Woche z.B. einen Adventskalender. Einziges Manko ist die sehr überschaubare Zahl der Teilnehmer. Aber die Kinder, die kommen, sind stets motiviert! Und ansonsten spiele ich mit den Kindern z.B. Kartenspiele, Tischtennis, Fußball oder Basketball.

Die Freizeitgestaltung passt auch. Eine Bar in der Nachbarschaft, wo wir Freiwillige viele gemeinsame Abende verbringen, haben wir kurzerhand zu unserem „Wohnzimmer“ erklärt, weil es in unseren WG’s für zehn Leute und mehr ein bisschen zu eng ist. Und da wir nun insgesamt 17 Freiwillige in Bozen sind, die einen EFD bzw. einen IJFD machen, gibt es immer jemanden, der Zeit hat oder dieselben Interessen. Zum Beispiel für klassische Konzerte im Bozner Konzerthaus, Jazz-Konzerte und Shows im Theater for free, Filme-/Spieleabende in der WG oder Wanderungen und Klettersteige am Wochenende in den Bergen in der Gegend um Bozen. Und gestern, am 22. November, hat dann auch noch der Weihnachtsmarkt in Bozen eröffnet und die Advents- und Weihnachts-Events fangen an – es wird also nicht langweilig.

Bilder

Neapel bei Sonnenschein…

 

…und bei Sturm und Regen.

 

Der Vesuv, eigentlich nicht mehr als ein Berg mit einem Krater statt einem Gipfel.

 

Die Ruinen von Pompei, das vor ca. 2000 Jahren vom Vesuv zerstört wurde.

 

Sorrento bei Regenwetter.

 

Florenz, ein Zwischenstopp auf dem Rückweg in den Norden.

 

Das Bozner Umland im Herbst, im Hintergrund die Dolomiten.

 

Wanderung zu den „Stoanernen Mandln“.

 

Mit anderen Freiwilligen bei der Eröffnung des Bozner Christkindlmarktes.


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