Ja, das Getränk Kaffee und seine Variationen ist es durchaus wert, einen eigenen Beitrag zu bekommen! Beginnen wir mit einer allgemeinen Definition:

„Als Kaffee bezeichnet man ein koffeinhaltiges Aufgussgetränk, das aus gerösteten und gemahlenen Kaffeebohnen hergestellt wird. Grundsätzlich wird Kaffee aus den Steinfrüchten verschiedener Pflanzen aus der Familie der Rötegewächse (bot.: Rubiaceae) hergestellt. […]“

(Quelle: https://www.lebensmittellexikon.de/k0000180.php; Zugriff am 22.06.2019)

Schon in diesem Zitat wird die unglaubliche Vielfalt des Kaffees deutlich. Verschiedenartige Sorten von Bohnen, unterschiedlich geröstet, mal frisch gemahlen, mal als Pulver gekauft, unterschiedliche Mengen an Wasser, verschiedene Arten von Kaffeemaschinen – kein Kaffee ist wie der andere. Zunächst muss ich jedoch zugeben, dass ich, bevor ich im September des letzten Jahres nach Italien kam und in meinen EFD startete, der absolute Teetrinker war und erst zwei-, dreimal insgesamt Kaffee getrunken habe. Doch Italien hat auch mich zum Kaffeetrinker gemacht!

Die wichtigsten Kaffeegetränke

Zunächst der Espresso und seine Variationen, alle serviert in der Espressotasse.

  • (Caffè) Espresso: Der Espresso bildet die Basis für alle italienischen Kaffeegetränke und ist ein echter „Italiener“ – er wurde in Mailand erfunden. Das Getränk, das man bekommt, wenn man in Italien in einem Café einen „Espresso“ (ital.: espresso) bestellt, ist zunächst einmal dasselbe, das man auch in Deutschland darunter versteht. Doch es gibt einige Unterschiede. Wenn man in Italien einen „Kaffee“ (ital.: caffè) bestellt, wird man ebenfalls einen Espresso bekommen. Und wird Espresso in Deutschland eher in den eigenen vier Wänden nach dem Mittagessen oder im Restaurant nach dem Essen getrunken, was in Italien natürlich auch gemacht wird, so trinkt man Espresso hier auch nach dem Abendessen im Restaurant, im Bahnhofscafè während des Wartens auf den Zug oder auf dem Weg von zu Hause zur Arbeit direkt am Bartresen.
  • Caffè doppio: Sehr einfach zu erklären: ein doppelter Espresso.
  • Caffè lungo: Ein Espresso mit der doppelten Menge an Wasser, aber der gleichen Menge an Kaffeepulver, dementsprechend nicht so stark wie ein Espresso.
  • Caffè macchiato: Ein Espresso mit einem Schuss Milch. Die Milch kann entweder kalt (macchiato freddo) oder warm (macchiato caldo) dazugegeben werden. Im warmen Zustand als Milchschaum.
  • Caffè corretto: Ein Espresso mit einem Schuss Grappa (Kräuterlikör).

Kommen wir nun zu Cappuccino und Caffè americano, die in einer Kaffeetasse serviert werden.

  • Cappuccino: Ursprünglich als „Kapuziner“ in Österreich erfunden, fand dieses Getränk seinen Weg nach Italien und heißt im Italienischen „Cappuccino“. Der Cappuccino ist ja auch in Deutschland ein sehr beliebtes Getränk, und genauso verhält es sich in Italien. Ein Espresso wird in eine ca. 150ml fassende Tasse gefüllt, diese wird dann mit Milchschaum aufgefüllt. Italiener trinken Cappuccino nur zum Frühstück oder im Laufe des Vormittags, aber nicht nachmittags und auch nicht zu Mahlzeiten. Sehr verbreitet ist es, zum Cappuccino ein „brioche“ (Croissant) zu essen. Fun Fact: Während sich in Deutschland der italienische Name durchgesetzt hat sagt man in Österreich immer noch Kapuziner. Wenn man z.B. mit dem Eurocity der ÖBB von München aus nach Venedig oder Bologna fährt und ins Bordbistro geht, wird man den Cappuccino auf der Karte als Kapuziner finden.
  • Caffè americano: Beim Caffè americano könnte man als Deutscher fast meinen, eine Tasse Filterkaffee vor sich zu haben, doch Fehlanzeige: Der Caffè americano ist zunächst einmal ein Espresso, der dann mit reichlich heißem Wasser gestreckt wird. Das Ergebnis sieht dem Filterkaffee sehr ähnlich, schmeckt aber viel besser!.

Und schließlich die Sorten, die im Glas serviert werden.

  • Mocaccino: Der Mocaccino besteht aus Cappuccino, Sahne und flüssiger Schokolade und wird im Glas serviert.
  • Caffellatte: Der Caffellatte wird wie ein Cappuccino gemacht mit dem Unterschied, dass die Milch nicht aufgeschäumt wird. In der Bar im Glas serviert, zu Hause üblicherweise in einer Tasse. Beliebt zum Frühstück und mangels Milchaufschäumer auch mein Frühstücksgetränk.
  • Latte macchiato: Der Latte macchiato ist mehr oder weniger ein Glas heiße Milch, dem Espresso beigemischt wird.
Die Espressokanne

In Deutschland absolut unterschätzt und überwiegend nur Outdoor- und Camping-begeisterten Menschen bekannt, in Italien dagegen in jedem Haushalt zu finden: die Espressokanne. Sie ist nicht teuer und einfach zu bedienen, und doch schmecken Espresso bzw. Kaffeegetränke mit Espresso als Basis aus dieser Kanne viel besser als Kaffee aus der Maschine – wobei die Maschinen in Cafés und Bars in Italien natürlich auch sehr guten Kaffee machen. Aber zurück zur Espressokanne. Sie besteht aus drei Teilen: ein Wasserbehälter ganz unten, ein Filter aus Metall mit nach unten gehendem Rohr, ein Behälter für den Kaffee, in dessen Mitte sich ein zweites Rohr befindet, das knapp bis unter den Deckel geht und oben offen ist. Man nehme also Wasser und fülle es in den dafür vorgesehenen Behälter, setze den Filter ein und fülle diesen mit Kaffeepulver, schraube den oberen Behälter darauf und stelle die Kanne auf den Herd bzw. über einen Gaskocher. Dann nur noch warten, bis man ein brodelndes Geräusch hört und fertig ist der Espresso. Einfach, aber genial!

Meine Lieblingscafés in Bozen

Zum Schluss seien hier noch fünf Cafés in Bozen genannt, in denen ich schon häufiger war und die meine persönliche Top-5-Liste bilden:

  • Café Museion: Das Museumscafé. Im futuristischen Gebäude des Bozner Museums für moderne Kunst (Museion) untergebracht, schaut man durch die Außenwände auf das Grün der Wiesen an der Talfer und auf den beeindruckenden Mendelkamm, einen Gebirgszug im Westen von Bozen.
  • Loacker Moccaria: Das Schokoladencafé. Die Loacker Moccaria liegt am Waltherplatz direkt gegenüber dem Dom, in der Altstadt. Man kann dort perfekt draußen sitzen und nach dem Kaffeetrinken im Loacker-Geschäft im selben Gebäude Schokolade und Waffeln kaufen.
  • Good Day Caffè: Das Marktcafé. Ein kleines, unscheinbares Café in der Freiheitsstraße, die aus der Altstadt hinaus nach Gries führt. Auf den Straßen drumherum findet jeden Samstag der Wochenmarkt statt, weswegen es sich anbietet, erst auf dem Markt einzukaufen und dann im Good Day Caffè einen Cappuccino zu trinken.
  • Café Grieserhof: Das Kur-Café. Hier lässt sich die Zeit erahnen, als Gries, heute ein Stadtteil von Bozen, ein bekannter Kurort in Österreich-Ungarn war und viele Reiche hier zur Kur gingen. Es ist untergebracht in einer alten Kurvilla, die heute ein Altenheim beherbergt. Gut verbinden lässt sich ein Kaffee hier mit einem Spaziergang durch den alten Ortskern von Gries und entlang der Guntschna-Promenade.
  • Bar & Café Poststube: Das Ausflugscafé. Die Poststube gehört zu einem Hotel in Klobenstein, einem Dorf auf dem Rittner Hochplateau oberhalb von Bozen. Es hat sich zum Ausflugscafé von uns Freiwilligen entwickelt und gefühlt sind wir jedes zweite Wochenende dort und trinken Cappuccino. Mit der Rittner Seilbahn geht es von Bozen nach Oberbozen und von dort aus zu Fuß über die Freud-Promenade, benannt nach dem berühmten Ritten-Urlauber Sigmund Freud, nach Klobenstein. Mit der Rittner Trambahn geht es zurück nach Oberbozen und von dort aus wieder mit der Seilbahn ins Tal.
Fazit

Bis auf zwei habe ich schon alle der oben genannten Sorten probiert. Für jede Lage und jede Tageszeit gibt es die passende Variation: Zum Frühstück ein Caffellatte, vormittags im Café ein Cappuccino, nach dem Mittagessen ein Espresso bzw. abends im Konzerthaus in der Pause, um auch während dem zweiten Teil des Konzertes wach zu bleiben. Auch eine Espressokanne kaufe ich mir noch, damit ich in Deutschland nicht darauf verzichten muss. Denn auf dem Weg nach Deutschland ist der italienischen Kaffeekultur einiges verloren gegangen.


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