Einen Blog zu schreiben ist irgendwie schwieriger als gedacht. Seit Dezember sitze ich an einem Beitrag mit dem Titel „Das EFD-Alphabet“, bei dem ich zu jedem Buchstaben des Alphabets irgendetwas, das mit meinem EFD zu tun hat, schreibe. Weil sich seitdem aber so viel geändert hat, bin ich immer nur damit beschäftigt, Sachen zu aktualisieren, sodass ich mich entschieden habe, einfach nochmal von vorne anzufangen und ganz gewöhnlich zu schreiben, was so in den letzten beiden Monaten passiert ist. Hier geht es jetzt um November und Dezember, im nächsten Beitrag um den Januar und dann bin ich hoffentlich wieder aktuell. Soweit zur Einleitung.

November

Was ist im November passiert? Ich habe nach wie vor im Gästehaus des Klosters gewohnt (auch noch im Dezember), es aber als mein Zuhause während meines EFD angenommen und mich dort dann doch sehr wohl gefühlt. Das Kloster ist nämlich, wie ich finde, im schönsten Stadtteil von Bozen gelegen, in Gries. Der Ort wurde erst 1925 nach Bozen eingemeindet und hat sich seinen dörflichen Charakter bewahrt. Es gibt eine Promenade mit schöner Aussicht auf die Dolomiten, das Etschtal und Bozen, Cafés, ein Theater und eine Bibliothek. Und zum Kloster gehört nicht nur das Gästehaus, sondern auch eine Gärtnerei, eine ziemlich gute Kellerei, ein Krippenmuseum und ein Studentenwohnheim. In diesem Studentenwohnheim konnte ich ab Oktober frühstücken: Denn dort frühstücken fast alle Studenten nicht auf ihren Zimmern oder in den Etagenküchen, sondern gemeinsam in einem Frühstücksraum mit Kaffeemaschine, frischen Brötchen und Tageszeitungen auf Italienisch und Deutsch. So musste ich also immer nur mein Glas Nutella einpacken, 50 Meter laufen und konnte dann gemeinsam mit den Studenten frühstücken. Und nicht nur das: Ende November wurde ich ins Wohnheim zur Weinprobe eingeladen, bei der die Studenten und ich die Weine aus der Klosterkellerei verkosten konnten. Es war richtig gut, denn die Leute im Wohnheim sind nett, die Weine waren gut (in der Preisklasse kaufen Studenten und Freiwillige normalerweise nicht ein) und der Heimleiter, ein Benediktinermönch aus dem Kloster, konnte sehr viel zu den einzelnen Sorten und ihren Charakteristiken erzählen. Allen, die in Bozen studieren wollen, kann ich dieses Wohnheim, das Haus St. Benedikt, sehr empfehlen! Am selben Wochenende, dem ersten Adventswochenende, habe ich dann noch gemeinsam mit zehn anderen Freiwilligen Plätzchen gebacken und eine Wanderung im Schnee gemacht.

Dezember

Zunächst habe ich eines Abends ein Konzert der Reihe „Il Arte e il Duo“ in einer Kirche in unmittelbarer Nähe zu meiner Arbeit besucht. Wie der Name schon sagt, waren es lediglich zwei Personen, die musiziert haben, mit Saxophon und Harfe, aber es war genial. Ich hätte nicht gedacht, dass diese beiden Instrumente sich so perfekt ergänzen. Und das Ganze dann noch in einer alten Barockkirche und ohne Eintritt – besser geht es nicht! Am nächsten Abend gleich der nächste Programmpunkt, „Die Lange Nacht der Bozner Museen“. Nach Feierabend um 18 Uhr bis kurz vor Mitternacht habe ich gemeinsam mit einer IJFD’lerin gemeinsam vier Museen besucht. Im Südtiroler Archäologiemuseum haben wir den berühmtesten und ältesten Südtiroler besucht, den „Mann aus dem Eis“, Ötzi. Im alten Merkantilgebäude ging es um die Geschichte von Bozen als Handelsstadt an der Brennerroute. Blieben noch eine Burg mit mittelalterlichen Wandmalereien und eine Dokumentationsausstellung zur Zeit des Faschismus und des Nationalsozialismus in einem Denkmal aus der Zeit von Mussolini. Danach kam ein ereignisreiches zweites Adventswochenende mit zwei Weihnachtsmärkten in Brixen und Meran und Brunch im Studentenwohnheim. Ansonsten war ich im Dezember noch im Kloster zum Mittagessen eingeladen, war auf einem Adventskonzert, habe zwei weitere Weihnachtsmärkte besucht (fünf insgesamt) und bin schließlich am vierten Adventswochenende mit dem Nachtzug nach Hause gefahren, wo ich Weihnachten und Silvester verbracht habe. So gut es mir auch in Bozen gefällt, so war es doch sehr schön, wieder einmal nach Hause zu kommen und Familie und Freunde zu sehen. Eine Sache gibt es noch zu erzählen: Am 19. Dezember, ziemlich genau einen Monat nachdem es aufgegeben wurde, kam ein Paket von meinen Eltern an. Mit Plätzchen, Lebkuchen, Schokolade – und einem Schoko-Adventskalender. Für die 24 Türchen hatte ich diesen Advent dann also leider nur die vier Tage bis zu meiner Abreise Zeit, was sechs Türchen pro Tag entspricht. War nicht so besinnlich, aber gut zu schaffen.

Weihnachtsmärkte

Zum Schluss noch ein kleiner Weihnachtsmarktführer für Südtirol:

Bozen/Bolzano

Größe Sehr groß.
Lage Auf dem Waltherplatz/Piazza Walther in der Altstadt von Bozen.
Atmosphäre Am Vor- und Nachmittag Massenabfertigung. Abends, wenn die Touristen weg sind und nur noch die Essens- und Getränkestände geöffnet haben, wird es dann aber doch noch gemütlich.
Touristen Pro Tag wahrscheinlich mehr als 50 Reisebusse, vornehmlich aus Deutschland.
Besonderheiten An Dekoartikeln oder Essen bekommt man hier fast alles.

 

Meran/Merano

Größe Groß.
Lage Rund um das Kurhaus, entlang der Passer.
Atmosphäre Geht so. Der Weihnachtsmarkt ist eigentlich schön, aber überlaufen.
Touristen Quasi so viele wie in Bozen.
Besonderheiten Der Markt liegt nicht auf einem Platz, sondern entlang der Passer-Promenade.

 

Brixen/Bressanone

Größe Mittelgroß.
Lage Auf dem Domplatz.
Atmosphäre Von den drei größten Weihnachtsmärkten in Südtirol in Meran, Bozen und Brixen ist dieser am schönsten. Es ist einfach nicht ganz so viel los, die Stände sind schön und die Fassade des Doms im Hintergrund macht sich sehr gut.
Touristen Viele, aber nicht ganz so viele wie in Bozen und Meran.
Besonderheiten In der nahen Hofburg gibt es in der Weihnachtszeit Lichtshows.

 

Ritten/Renon

Größe Winzig.
Lage In den Dörfern Oberbozen und Klobenstein, verbunden durch eine Straßenbahn.
Atmosphäre Sehr weihnachtlich und gemütlich, abseits der Touristenströme.
Touristen Quasi keine.
Besonderheiten Wie der Name, „Rittner Christbahnl“, es schon sagt: Hier dreht sich alles um die Rittner Bahn, eine über 100 Jahre alte Straßenbahn, durch die die beiden Märkte verbunden sind. Mein Tipp: Sich mit einer Tasse Glühwein in die Bahn setzen und die Aussicht auf die verschneiten Wiesen und Wälder genießen. Das ist „Christbahnl“ im wahrsten Sinne des Wortes!

 

Klausen/Chiusa

Größe Klein.
Lage Im mittelalterlichen Stadtkern von Klausen.
Atmosphäre Ein schöner, kleiner Markt ohne modernen Schnickschnack. Ursprünglich.
Touristen Wenige.
Besonderheiten Der Weihnachtsmarkt in Klausen ist ganz auf das Mittelalter ausgerichtet. So gibt es Stände, an denen wie im Mittelalter geschmiedet und geschnitzt wird und die Statisten sind mittelalterlich gekleidet. Noch ein Tipp: Ein Spaziergang zum Kloster Säben oberhalb von Klausen. Von dort aus hat man eine schöne Aussicht auf das Eisacktal.

 

Bilder

Und ganz zum Schluss noch ein paar Bilder:

Schnee!

Weihnachtsmarkt in Brixen/Bressanone…

…und in Klausen/Chiusa.


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