Und das war’s auch schon mit meinem EFD, die Zeit ist viel, viel zu schnell vergangen! Hier kommt mein letzter Beitrag, schon nicht mehr aus Italien, sondern aus Deutschland, wohin ich vor genau einer Woche zurückgekehrt bin.

Juli

Die erste Juliwoche hatte ich noch frei und habe mit meiner Familie Urlaub in den Dolomiten gemacht, nicht weit entfernt von Bozen. Und die drei Wochen danach habe ich ziemlich viel gearbeitet. Mein Jugendzentrum veranstaltet jedes Jahr die „Giorni del sole“, ein Sommercamp für Kinder und Jugendliche. Das sind lange und anstrengende Tage, von 7:30-17:30 Uhr. Aber es ist auch eine tolle Erfahrung mit viel Trubel und Möglichkeiten für mich, Italienisch zu sprechen.

Der Tagesablauf sah ungefähr so aus: Bis 8:30 Uhr kamen so nach und nach alle Kinder an. Dann wurde zusammen gesungen, getanzt und gebetet – die Associazione Juvenes ist nämlich ein kirchliches Jugendzentrum. Um 9:30 Uhr fanden Sportturniere in Volleyball, Fußball und Basketball statt. Nach einem kurzen Vesper, der „Merenda“, gab es verschiedene Angebote wie Theater, Tanzen, Robotik, Basteln, Zirkus usw.. Um 12 Uhr  gab es dann Mittagessen. Den Nachmittag über wurden dann noch mehr Aktivitäten angeboten. Nach dem offiziellen Schluss um 17 Uhr und einer Teambesprechung danach hieß es dann eine halbe Stunde später: Feierabend!

Aber wir waren nicht nur in Bozen, sondern auch einmal pro Woche unterwegs: im Freibad, in den Bergen und im Freizeitpark.

Freizeit hatte ich natürlich auch, zum gemeinsamen Eisessen und Aperitivo trinken am Abend. Um sich morgens zum italienischen Frühstück (Cappuccino und Brioche) zu treffen oder am Wochenende wandern zu gehen. Aber auch, eher weniger schön, zum Abschied nehmen von vielen EFD-Freiwilligen in Bozen, die während des letzten Jahres für mich zu Freunden geworden sind und die ich jetzt schon vermisse, von meiner Arbeit und meinen Kollegen, die mir fehlen werden und von Bozen, den Alpen und Italien.

Und so ist dann schließlich der Tag gekommen, an dem ich – die Koffer schon gepackt – zum letzten Mal zur Tür meiner WG hinaus gegangen bin. Zum letzten Mal auf meiner Arbeit war, um meine Schlüssel abzugeben. Zum letzten Mal zusammen mit meinen Freunden in Bozen auf dem Waltherplatz einen Cappuccino getrunken habe. Von ihnen wurde ich bis zum Zug begleitet, der mich zurück nach Deutschland gebracht hat.

Fazit

Es ist quasi unmöglich, ein Jahr, in dem so viel passiert ist, in ein paar wenigen Zeilen zusammenzufassen und dann auch noch „Fazit“ darüberzuschreiben, aber ich versuche es trotzdem: Mein EFD in Italien war die bisher beste Zeit meines Lebens. Ich habe so viele nette neue Leute kennengelernt, Freundschaften geschlossen, eine tolle Zeit in meinem Projekt gehabt und viel von Italien gesehen.

Die besten Erinnerungen sind definitiv die gemeinsamen. Sonnenuntergang am Meer, mit Schal und Mütze im Januar durch Venedig zu laufen, Abende mit Picknickdecke und Gitarre auf den Talferwiesen, Spaziergänge auf dem Ritten mit anschließendem Cappuccino. Und jetzt zurück in Deutschland ist mir aufgefallen, wie sehr ich mich an Italien gewöhnt habe: Das Nudelregal im Supermarkt hier ist viel zu klein, das mit Tomatensauce und Pesto auch, der Kaffee könnte deutlich besser sein. Und irgendwie ist mir Deutschland jetzt nach einem Jahr Italien ein bisschen zu ordnungsversessen.

So chaotisch wie in Neapel muss es ja wirklich nicht sein, aber etwas entspannter könnte es schon zugehen. 😀 In Bozen klappt es schließlich auch und Südtirol ist eine der reichsten Regionen Europas. Und als ich abends in der Stadt unterwegs war und fast jeden Abend zufällig Leute getroffen habe, die ich durch meinen EFD kenne, habe ich gemerkt: Bozen ist meine zweite Heimat geworden.

Zu guter Letzt: Nachdem ich zu Beginn meines EFDs so gut wie kein Italienisch konnte fehlt mir jetzt das Italienische sehr. In den letzten Wochen konnte ich so gut wie alles, was um mich herum gesprochen wurde, verstehen.  Auch Geschriebenes und das Sprechen ist mir immer leichter gefallen und hat sogar Spaß gemacht!

Was bleibt…

Was bleibt sind eine zweite Heimat – Bozen –, Freundschaften, die hoffentlich noch lange halten werden, Menschen in ganz Europa, die ich besuchen kommen kann und möchte, dass ich zum Kaffeetrinker geworden bin und dass ich nun Italienisch verstehen und sprechen kann. Und, mehr als alles andere, viele, viele Erinnerungen, die mir keiner mehr nehmen kann.

Addio, Italia! Ed alla prossima!


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