Als ich den EFD angefangen hatte, war ich mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich auf jeden Fall die ersten zwei Monate nicht nach Hause bzw. nach Deutschland fahren werde, einfach damit ich mich hier richtig einleben kann. Aber wie das mit Vorsätzen nun mal ist: Man hält sie nie ein.

Angefangen hatte das alles als eine richtige Schnapsidee, aber zuerst kommen die Grundinfos. Die letzten Jahre bin ich jedes Jahr im Herbst zu einem Adonia Camp gegangen. Das ist ein christliches Musikcamp, wo man innerhalb von etwa drei Tagen ein Musical einstudiert und darauffolgend vier Konzerte hat. Dieses Jahr bin ich nicht dahin gegangen, aber meine Zwillingsschwester, mein Cousin und viele Freunde von mir nahmen dieses Mal wieder teil.

Etwas mehr als eine Woche bevor das Camp angefangen hat, bildete sich so langsam die Idee, dass ich nicht doch ein Konzert besuchen könnte. Also begann ich zu gucken, wo die Konzertorte waren. Und ich hatte Glück: Ein Konzert fand in Herzogenrath statt, einer Stadt bei Aachen und somit auch nah an der Niederländischen und Belgischen Grenze.

Das eine Problem war aber, dass das Konzert am Donnerstag war, nur muss ich eigentlich donnerstags immer arbeiten. Deswegen war ich schon überzeugt, dass die ganze Schnapsidee ins Wasser fallen wird, was bei vielen verrückten Ideen von mir passiert. Aber meine Mitfreiwillige hat mich ermutigt, einfach mal nachzufragen, ob ich meine Schicht nicht einfach wechseln kann.
Und es hat geklappt! Also holte ich meine Idee wieder aus dem Eimer, in dem ich sie in Gedanken schon geschmissen hatte.

Das coole an der ganzen Sache war auch, dass niemand auf dem Camp bis auf ein paar Mitarbeiter davon wussten, dass ich kam. Das hieß natürlich auch, dass ich meiner Zwillingsschwester nichts davon erzählen durfte, was teilweise etwas schwierig war, weil man sich ziemlich einfach verraten kann. Ich musste mich echt zusammenreißen nicht beim Telefonieren zu sagen: “Bis nächste Woche“. 😉

Die Woche vor dem Überraschungsbesuch war ich schon so gespannt, neugierig und aufgeregt. Ich wollte so gerne wissen, wie die Reaktionen auf meinen Besuch sind. Ich habe bestimmt jeden Tag mit meinen Mitarbeitern über die Überraschung geredet. Ich hoffe, sie waren nicht zu genervt davon am Ende. 😉

Irgendwann war es dann aber soweit. Am Donnerstag, den 25.10., stieg ich in den Zug ein. Gegen Mittag kam ich in der Schule an, in dessen Aula das Konzert stattfinden sollte. Ich kam kurz vor den Teilnehmern an, aber es waren trotzdem schon paar Leute vom Camp dort, die zum Beispiel mithalfen, die Technik aufzubauen. Einer von denen schaute mich, als ich in die Schule spazierte, überrascht an und fragte, wie ich denn hierhin gekommen sei. Er dachte, dass ich meine Zwillingsschwester sei. (Und ja, wir sehen uns ziemlich ähnlich ;)) Bis er kapiert hatte, dass ich „die andere“ bin, hat es erstmal noch etwas gedauert.

Dann kam der beste Teil des Tages: Als ich hörte, dass der Bus mit all den Teilnehmern angekommen sei, habe ich mich schnell in einem Zimmer gleich neben dem Haupteingang versteckt. Durch das Fenster konnte ich sehen, wer gerade zum Eingang ging. Ich wartete, bis ich meine Schwester sah. Als es soweit war, ging ich aus dem Zimmer raus und erschreckte sie mit einem lauten „BUH“. (Und ja…ich war nicht kreativer ;))

Doch die darauffolgende Reaktion war einfach nur herrlich. Meine Schwester drehte sich zu mir um, erschrak sich kurz, dachte aber erst ich wäre eine Mitarbeiterin oder so, die Spaß dran hatte, Streiche zu spielen. Als sie dann letztendlich realisierte, wer vor ihr stand, schrie sie auf, rannte zu mir und umarmte mich. Erst fragte sie mich, was ich denn hier machen würde, wie ich hier hingekommen wäre und ob ich nicht arbeiten müsste. Und nach ein paar Sekunden nannte sie mich schon einen Idiot, weil ich ihr ja nichts von der Überraschung erzählt hätte. (Aber ist das nicht eigentlich das Konzept einer Überraschung, dass es bis zum Ende ein Geheimnis bleibt?! ;))

Meine Schwester und ich redeten kurz, aber viel Zeit hatten wir nicht, um zu reden, denn mein Cousin kam auch gerade am Haupteingang an. Schnell, ohne viel zu sagen, beschlossen meine Schwester und ich, ihm gemeinsam einen kleinen Streich zu spiele. Rasch zog ich die Jacke von meiner Schwester an, schulterte ihren Rucksack und ging, als ob nichts wäre, vor meinem Cousin her. Nach guten zwanzig Metern, in denen ich mich oft umgedreht hatte, blieb ich stehen und fragt meinen Cousin, ob es nicht die falsche Art ist, wie man seine Cousine begrüßt. Erst dann bemerkte er, dass ich es war, die vor ihm stand.

So langsam kursierte nun auch im restlichen Camp die Nachricht, dass ich angekommen war, doch trotz allem wurde ich den ganzen Tag über noch verwechselt. Aber mal abgesehen davon, war es einfach wunderbar so viele bekannte und geliebte Menschen zu sehen. Ich hatte einen fantastischen Tag, der durch ein sensationelles Konzert abgeschlossen wurde.

Es war das erste Mal seit 5 Jahren, dass ich mir ein Adonia Konzert wie ein normaler Zuschauer angesehen habe und nicht selber dran teilgenommen und gestaltet habe, aber es war nicht minder cool. Ich konnte es genießen, nicht den Text auswendig singen, alle Einsätze richtig zu finden oder die Choreo zum korrekten Zeitpunkt ausführen zu müssen. Ich konnte alles auf mich einwirken lassen und das Musical von einer ganz anderen Seite betrachten, als man es macht, wenn man im Chor steht.
Der Chor machte aus diesem Konzert ein wahrlich erinnerungswürdigen Abend für mich. Als das die Adonia Hymne erkling, stellt ich mich zu den Mitarbeitern in den Gang, um allen Teilnehmern ein High Five zu geben und ich fühlte mich großartig.

Ein weiteres Highlight bestand darin, dass zwei (alte) Schulfreunde von mir auch zum Konzert gekommen sind. Sie haben in Aachen angefangen zu studieren und hatten spontan Zeit. So habe ich nicht nur meine Schwester, meinen Cousin und alle bekannten und geliebten Menschen von Adonia wiedergesehen, sondern auch noch zwei gute Freunde von zuhause. Ich hatte ein mega geiles Konzert und eine geglückte Überraschung mit lachenden Gesichtern. Ich kann mich also in keiner Hinsicht beschweren. Die Schnapsidee war die beste, die ich je hatte und ich bereue nichts davon!

Eine kleine Impression aus dem Konzert.

Das war während der Adonia Hymne, die mich jedes Mal wieder mitnimmt.


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