So schnell wie der Sprachkurs angefangen hatte, ging er leider auch schon wieder zu Ende. Ich habe meine Klassenkameraden total ins Herz geschlossen und ich hoffe und denke, dass wir nun, nach dem Sprachkurs, in Kontakt bleiben können. Wir sind gute Freunde geworden, was eigentlich sehr erstaunlich ist, weil wir alle unterschiedliche Kulturen haben. Aber ich glaube, dass es einen guten Grund gibt, warum wir uns so gut verstanden haben: Wir sind alle noch Fremde in diesem Land, die die Sprache lernen wollen, um uns irgendwann hier wohl fühlen zu können.
Erst durch meine Erfahrungen im letzten Monat habe ich so richtig erfahren, wie sehr das Erlernen der regionalen Sprache Einfluss auf die Integration hat. Am Anfang habe ich mich noch etwas komisch gefühlt, weil man jeden Tag aufs Neue bemerkt hat, dass man noch nicht dazu gehört. Denn, wenn du die Sprache noch nicht kannst und du dich stattdessen auf Englisch unterhalten musst, ist dir der Unterschied zwischen dir und den anderen auf der Straße um dich herum wohl bewusst. Doch jetzt bekomme ich jedes Mal, wenn ich auf Holländisch reden kann und verstanden werde, das Gefühl hier immer mehr Zuhause zu sein.
Ich kann es auch nicht unerwähnt lassen zu erwähnen, dass alle Leute hier total nett sind und geduldig zuhören, wenn man versucht, auf Holländisch zu reden. Sie sind mir gegenüber nie verschlossen, sondern freuen sich immer, wenn sie bemerken, dass man gerade erst deren Sprache lernt und diese direkt schon anwenden möchte.
Ich muss zugeben, dass es für mich jetzt schon sehr viel einfacher ist einerseits Holländisch zu verstehen und andererseits zu sprechen. Hier in meiner Einrichtung rede ich eigentlich gar kein Englisch mehr, außer ich weiß eine Vokabel nicht und schaffe es auch nach mehreren Versuchen nicht, das Wort zu umschreiben. Aber selbst das wird immer seltener.
In meinem Sprachkurs habe ich wirklich alles Nötige gelernt und kann das es auch sehr gut anwenden. Dazu muss man aber auch sagen, dass es Deutschen sowieso einfach fällt, Holländisch zu lernen. Das habe ich nur zu gut bei meinem Sprachkurs beobachten können. Viele Aufgaben, die wir machen musste, hatte ich nach einigen Minuten fertig, aber alle anderen brauchten oft noch das doppelte an Zeit. Das liegt vor allem daran, dass die Grammatik sehr der Deutschen ähnelt und ich somit einfach „nur“ nach Gefühl handeln muss. Und andererseits sind natürlich viele Vokabeln und Ausdrücke nah am Deutschen und somit brauche ich kaum Vokabeln zu lernen, mal abgesehen von der etwas anderen Schreibweise hier. Deswegen habe ich mich zudem im Sprachkurs oft genug zum Ende hin gelangweilt, besonderes weil ich schnell die Struktur und das „Gefühl“ der Sprache drin hatte. Ich finde Holländisch sowieso eine sehr coole Sprache, auch wenn ich genug Leute kenne, die das Gegenteil behaupten. 😉

Nun, am Mittwoch, den 26.09 schrieb ich mein Examen. Es gab mehrere Teile, in denen die verschieden Kompetenzen getestet wurden. Der Hauptfokus wurde auf die Schreib- und mündliche Sprachfähigkeit gesetzt, weshalb es für beide Teile jeweils 40 Punkte gab. Die beiden anderen Kompetenzen, Lese- und Hörverstehen, wurden jeweils nur mit zehn Punkten bewertet. Mir viel das alles ziemlich leicht und am Ende bekam ich ein A (→ entspricht einer 1 im deutschen Schulsystem). Aber jetzt bin ich doch etwas traurig, dass der Sprachkurs schon vorbei ist. Wir hatten immer sehr coole, auch oftmals sehr witzige Gespräche und innerhalb des Kurses war der Zusammenhalt total gut.

Was außerdem auch sehr cool war, dass wir zwei Tage vor der Klausur zusammen mit dem anderen Sprachkurs von Niveau 1 ein Mittagessen gestaltet haben. Jeder hat etwas typisches aus seinem Land mitgebracht (Ich war zugegebenermaßen sehr einfallslos und habe Haribo gekauft.). Aber die eine Mexikanerin hat Tacos gemacht, die andere hat ein typisch peruanisches Gericht gekocht. Es gab traditionelles Essen aus der Türkei und Bananenchips aus Ecuador. Wir konnten Humus essen und Croissants kosten. Baguettes mit Käse gab es genauso wie Tortilla Chips mit scharfem Dip. Es war ein leckeres und ein sehr füllendes Essen. Diese Vielfalt hat mich aufs Neue erstaunt und beeindruckt. Wie schön es doch ist, wenn so viele verschiedene Kulturen zusammenkommen und zusammen trotz ihrer Unterschiede etwas wundervolles auf die Beine stellen können.

Erst jetzt beim Schreiben dieses Textes fällt mir auf, dass wir eigentlich während des ganzen Sprachkurses keine zwischenmenschlichen Probleme hatten, die auf das Zusammenknallen der verschiedensten Kulturen zurückführen sein könnten. Ich kann jetzt nur dankbar dafür sein, dass alle so offen gegenüber den anderen war. Darauf kann man, glaube ich sehr stolz sein, denn oft sieht es ganz anders aus.


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