„But why Lithuania“ ist so ziemlich das häufigste, was ich hier in meiner ersten Woche gefragt wurde. Und ja, das ist ja auch eine interessante Frage. Litauen zählt nun mal nicht zu den Top-Reisezielen der meisten. Also, was hat mich hierhin verschlagen? Ganz einfach: das Projekt. Zu einer Pfadfinder-Organisation zu gehen war sehr verlockend für mich, da ich in Deutschland selber aktiv bei den Pfadfindern bin und dies auch erst mal gerne bleiben würde. Und dann habe ich auch noch herausgefunden, dass sie einen Waldkindergarten haben. Da hatten sie mich.

Ja und jetzt bin ich hier. Ich muss sagen, der Abschied fiel schwer, aber das Willkommen war dafür umso herzlicher. Ich lebe hier in einer Freiwilligen-WG, gemeinsam mit Marine aus Frankreich, Bohdan aus der Ukraine und Kadir aus der Türkei – ein ganz schön bunter Haufen. Und auch trotz recht großer Altersunterschiede verstehen wir uns alle super und haben viel Spaß zusammen. Letztens sind wir gemeinsam zum Sventoje, dem Fluss hier in Ukmerge gegangen und haben dort mit einem kalten Getränk den lauen Sommerabend genossen. Auch wenn Ukmerge ziemlich klein ist und man nicht wirklich etwas unternehmen kann, hat die Stadt dennoch ihren Charme. Es gibt sogar einen kleinen Park mit einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen tollen Blick über die Gegend hier hat – besonders bei Sonnenuntergang zu empfehlen.

Wir waren auch schon in Vilnius – der Hauptstadt. Oder besser gesagt Städtchen, denn Vilnius ist nicht sooo groß. Nicht groß heißt aber nicht, nicht schön. Im Gegenteil, gerade weil es so klein ist, verläuft man sich nicht so schnell und kann die verschiedenen Eindrücke viel mehr auf sich wirken lassen. Besonders gefallen hat mir der Aussichtspunkt auf einem Hügel, der am Rande der Innenstadt liegt, von dem aus man einen tollen Blick auf die ziegelroten Dächer der Altstadt hat.

Auch die Arbeit mit Skautu slenis ist super. Die Leute sind alle sehr offen und freundlich und gerne bereit, auch mal auf Englisch zu reden. Mein Projekt besteht größtenteils aus der Arbeit im Waldkindergarten. Diesen muss man sich als eine große weiße Jurte (rundes Zelt) vorstellen, die im Winter beheizt werden kann (das ist auch nötig, denn im Winter werden es hier wohl gerne mal -20 Grad). Die Jurte befindet sich auf dem Pfadfinder-eigenen Campingplatz, der am Rande des Waldes liegt. Es gibt zahlreiche Spielmöglichkeiten drinnen, aber die meiste Zeit verbringen wir mit den Kindern draußen, wenn es geht. Draußen heißt hier vielerlei: im Teich schwimmen, in den Hängematten schaukeln, den Wald erkunden oder einfach nur auf der Wiese austoben. Obwohl es nur max. neun Kinder sind (zwischen zwei und sechs Jahre alt), kann es doch auch anstrengend werden, das habe ich schnell gemerkt. Vor allem, wenn man die Sprache nicht spricht. Aber bisher bin ich trotzdem gut zurecht gekommen und Spiele wie „Verstecken“ funktionieren auch ganz gut ohne reden.

Dennoch ist es auch eine willkommene Abwechslung an manchen Tagen in der Woche mit den Pfadfindern zusammenzuarbeiten. Das heißt in dem Fall zweierlei: zum einen besitzt Skautu slenis noch einen weiteren Campingplatz, der an einem See liegt. Dort kann gemeinsam gesegelt und gepaddelt werden. Alternativ trifft man sich im Jugendzentrum, wo die Leiter (denen ich jetzt aushelfe) diverse Aktivitäten für die Kinder organisieren. Von Zeit zu Zeit gibt es auch Hikes oder Wochenend-Camps.

Ja, die ersten anderthalb Wochen sind erst rum und ich habe schon so viel erlebt, dass es gar nicht alles hier hin passt. Ich bin gespannt auf das was noch kommt!


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