Dieser Text beschreibt meine Zeit im EFD bei der Stichting (Stiftung) de Olde Vechte in Ommen im Osten der Niederlande von September 2018 bis August 2019.

Die Organisation kannte ich von den Trainings, die sie neben vielem anderen ausrichten, da ich 2 dieser Trainings als Teilnehmer besucht habe. Darüber habe ich auch von der Möglichkeit erfahren, dort ein EVS zu machen (wie es damals noch hieß).

Immer kam irgendwas „dazwischen“, doch ich fand es immer noch interessant, die Möglichkeit war da und dann wurde ich genommen und machte es.

Der Beginn und die Veränderungen

Am 3. September fuhr ich dann nach Ommen zum Gebäude der Olde Vechte zum Beginn des Jahres. Damit fing eine wirklich nicht einfache Anfangsphase an, wie ich es so nicht erwartet hätte. Ich hatte gedacht, dass es mit den kulturellen Unterschieden von Deutschland und den Niederlanden nicht allzu krass ist. Insgesamt betrachtet stimmt das meiner Meinung nach auch. Doch direkt am Anfang war schon erstmal alles anders, niederländisch habe ich auch noch nicht verstanden, und im Kleinen und Feinen laufen dann Dinge teils eben doch anders ab. So habe ich die Leute, mit denen ich arbeitete, als sehr locker wahrgenommen, so kleiden und verhalten sich auch mir Höhergestellte sehr leger und bescheiden. Dieser äußere Schein von Entspanntheit heißt jedoch nicht, dass es keine Regeln gäbe bzw. alles eher locker abläuft. So ist es mir häufiger geschehen, dass ich am selben Tag mit jemandem einen recht lockeren Umgang hatte, um dann später wie aus dem Nichts angemacht zu werden, dass ich gegen eine der gefühlt tausend ungeschriebenen Regeln verstoßen habe. Und auch wenn die Atmosphäre sehr tolerant ist und Philosophien von „Peace Love and Joy“ bis Bob Marley gepredigt und teils gelebt werden, wird schon ein hoher Arbeitseinsatz sowohl von Höhergestellten als auch Mitfreiwilligen erwartet.

Zudem war ich vom Aussehen jemand, der ohne Weiteres ein Niederländer sein könnte, und nachdem ich die Sprache auch halbwegs verstand und sprach, war ich beinahe ein Lokaler. Das ist natürlich etwas tolles, weil es mir viel mehr Möglichkeit zu Kontakt und Verbindung gibt, und doch war das am Anfang echt weird (bzw. seltsam). Es ist in der ländlichen Region dort nichts ungewöhnliches, sich zu begrüßen und ggf. ein zwangloses Gespräch zu führen. Alsbald bin ich auch in diese Gespräche eingewickelt worden, und schon ab ca. 1-2 Monaten dort gelangen mir sogar ganze Gespräche. Da musste ich mich am Anfang definitiv drauf einstellen, dass die allermeisten Leute mich hier als einen Lokalen (oder zumindest als Landsmann) sehen, auch wenn ich es nicht bin.

Zum anderen, und das zieht sich durch die ganze Zeit, ist mein Ort Olde Vechte ein sehr spezieller Ort, der schon durch die niederländische Kultur beeinflusst ist, und dennoch aufgrund von ca. 20 Freiwilligen aus ganz Europa und diversen Gästen aus der ganzen Welt eine ganz eigene Atmosphäre, Kultur und Umgang hat. Das war praktisch wie ein weiterer Kulturschock, der da auf mich zu kam. Und mit diesem habe ich überhaupt nicht gerechnet, und schon gar nicht so in der Form.

Man sagt über den Ort, dass dort Fleischesser zu Vegetariern werden, und Vegetarier wieder zu Fleischessern werden. Beide Fälle habe ich tatsächlich auch erlebt. Der Ort hat eine intensive Energie, ist ein Ort für Introspektion, dort finden auch Trainings zur persönlichen Entwicklung statt, die sehr tief gehen, und Leute haben den Ort für ihre Hochzeit gemietet, Firmen haben ihre Brainstorming-Sessions dort abgehalten, diverse Jugendgruppierungen, Klassen, Menschen aus allen Schichten und Subkulturen kommen hierher und sind auch willkommen, ab und an wird auch ordentlich gefeiert, philosophische Diskussionen und spirituelle Inspirationen können jederzeit zwischen Tür und Angel stattfinden, in der jugendlichen Energie finden immer wieder ernsthafte wie flüchtige Liebespaare zusammen, und das regelmäßige Kommen und Gehen von Gästen wie Mitfreiwilligen gibt allem eine Dringlichkeit, wie ich sie sonst kaum spüre. Vergleichbare Orte gibt es sicher auch anderswo, und doch habe ich sowas zuvor noch nie erlebt, und ist schon etwas, auf das man sich einstellen muss.

Die dritte Art der Veränderung für mich war der Wechsel von Großstadt aufs Land. Ich bin in der Millionenstadt Köln aufgewachsen, die selbst Teil der großen Rhein-Ruhr-Metropole ist. So bin ich vom Wesen her immer ein Stadtmensch gewesen. Der Ort Ommen ist ländlich gelegen und geprägt, wie die gesamte umliegende Region — das Vechttal. Die großen Städte wie Amsterdam, Den Haag und Rotterdam liegen am anderen Ende der Niederlande. Erst an so einem Ort wurde mir wirklich bewusst, dass ich mein Leben lang in einer Großstadt lebte, und dass das Leben auch ganz anders sein kann. Insgesamt habe ich das Landleben sehr zu schätzen gelernt, doch gerade am Anfang kann diese scheinbare „Leere“ sehr schwierig mit umzugehen sein, vor allem wenn das Wetter miese ist. Im Sommer ist dieser Ort eine unglaubliche Inspiration und ein Paradies, kann ich nur wärmstens empfehlen, doch im Winter kann es wirklich doch sehr dunkel und deprimierend dort sein.

Der Wohnort und das Freiwilligenleben

Sehr schwierig von Anfang an fand ich diese Bungalows in denen alle Freiwilligen lebten: mit 2-4 weiteren Freiwilligen (des gleichen Geschlechts) teilt man sich einen Urlaubs-Bungalow auf einem nahegelegenen Resort. Dieser gibt jedem einzelnen nur eine sehr kleine Privatsphäre, etwas wogegen ich eine enorme Aversion habe und kaum mit klarkam, habe schon immer meinen Platz zum Sein gebraucht und würde selbst heute sowas nicht freiwillig wählen. Der Luxus von Privatsphäre war mir schon heilig.

Habe am Anfang deshalb auch über einen Abbruch des Projektes nachgedacht oder ob ich mir eine eigene Wohnung mieten kann. Doch ich wollte schon eigentlich bleiben, und das Mieten von eigenem Wohnraum war — vielleicht zum Glück — nicht finanziell drin für mich. Denn dadurch habe ich gelernt, auch diese Situation mit der Zeit anzunehmen und damit klarzukommen. Ebenfalls habe ich so häufiger den Bungalow verlassen und dadurch die Gegend und die schöne Natur entdeckt. Gegen Ende des Projektes wurde mein größter Albtraum auch noch wahr: ich musste nicht nur den Bungalow, sondern auch mein Zimmer (die sogenannte „Gefängniszelle“) mit jemand anders teilen. Bzw. ich musste es nicht, er hatte mich darum gebeten, ob er zu uns in den Bungalow kann, um Distanz zu anderen Freiwilligen zu gewinnen, die einen schlechten Einfluss auf ihn hatten. Um ihm zu helfen und auch selbst diese Herausforderung zu wagen, habe ich eingewilligt. Das war wirklich keine tolle Situation, auch für ihn nicht, und doch ging auch das irgendwie.

Die Lage dieser Bungalows inmitten eines Waldes, etwas weiter ab von der Straße und bebautem Gebiet, war jedoch der Hammer. Die Fläche, auf der wir wohnten, wurde in den 1920er Jahren von einem berühmten indischen theosophischen Guru namens Krishnamurti für große jährliche Treffen seiner spirituellen Organisation des Orden des Sterns des Ostens genutzt. Dabei kamen bis zu 60.000 (!) Menschen aus der ganzen Welt ins kleine Ommen mit gerade mal ein paar tausend Einwohnern. Ich konnte mir sowas auf jeden Fall sehr gut vorstellen, und bis heute spüre ich so eine spirituelle Energie in Ommen und der Umgebung, auch an meinem Arbeitsplatz Olde Vechte.

Traurig ist die spätere Verwendung des Ortes. Als die Niederlande im zweiten Weltkrieg von Nazi-Deutschland eingenommen wurden, richteten die Nazis an jenem Ort ein „Arbeitseinsatzlager“ (essentiell ein Konzentrationslager) namens Kamp Erika ein. Man geht von bis zu 200 Opfern an diesem Ort aus, neben sehr brutalem Vorgehen gegen die Gefangenen. Mittlerweile ist da wortwörtlich Gras drüber gewachsen, und man merkt eigentlich nichts davon. Erst Jahrzehnte später hat der örtliche Heimatverein ein Gedenkkreuz und einen Gedenkstein an einem recht abseits gelegenen Teil des Campingplatzes aufgestellt.

Mit diesem Teil der Geschichte bin ich auch in Kontakt gekommen, und habe gemerkt wie einseitig meine Perspektive darauf war. Ich kannte den zweiten Weltkrieg nur aus der deutschen Perspektive, doch auch die Niederlande haben unter diesem Krieg sehr gelitten, und diese Zeit hat das Land und die Kultur geprägt. Zwei nationale Feiertage, nämlich der Totengedenktag am 4. Mai (Nationale Dodenherdenking) und der Befreiungstag (Bevrijdingsdag) am 5. Mai gehen auf die Besatzung und letztendliche Befreiung im zweiten Weltkrieg zurück. Noch Jahrzehnte nach dem Krieg war die Beziehung zwischen den Niederlanden und Deutschland (verständlicherweise) sehr schlecht, erst in der jüngeren Vergangenheit hat sich das zum Besseren gewendet. Auch wurde mir von mehreren Leuten erzählt, wie die Niederlage der Niederlande im WM-Finale 1974 gegen Deutschland bis heute ein kollektives Trauma sei. Aus niederländischer Sicht sieht auch Deutschland anders aus, wirkt wie ein riesiges Land und ist dort neben Belgien der einzige andere Nachbarstaat. Meiner Erfahrung nach haben die meisten Leute eine Meinung oder sogar Beziehung zu Deutschland, wenn ich erzählte, dass ich aus Deutschland bin, wurde mir schon mal von Reisen dorthin erzählt oder gar deutsch gesprochen.

Ebenfalls dachte ich vor Beginn und zu Anfang, dass ich mit dem vergleichbar niedrigen Taschengeld von 330 €/Monat nicht über die Runden kommen würde. Gut, ich muss anmerken, dass mir meine Eltern etwas zusätzlich gezahlt haben und meine Krankenversicherung übernommen haben. Doch es ist tatsächlich möglich, mit diesem Geld anständig zu leben und auch etwas für Späße und Reisen übrig zu haben. Zum einen gibt es auch dort Lidl und Aldi (und niederländische Discounter), zum anderen lässt sich es damit gut leben, wenn man das Geld gut verwaltet und nicht zu viel ausgibt. Ebenfalls halfen natürlich die häufigen Angebote und Rabatte in den Niederlanden, die es von meinem Gefühl her fast immer und überall gibt.

Auch fand ich zu Anfang krass, wie viele verschiedene Menschen da plötzlich dicht um mich herum waren. Das Projekt hat immer ca. 20 wechselnde Freiwillige aus verschiedensten Ländern Europas, eine Hälfte dabei für ein Jahr, die andere Hälfte für zwei Monate. Doch nicht nur sind all diese Menschen aus verschiedenen Ländern, sie sind vor allem auch aus diversen Milieus und Hintergründen. Dazu kommt dann noch ein regelmäßiges Kommen und Gehen der Freiwilligen, und manche Freiwillige entscheiden sich auch, nach ihrem EFD vor Ort in Ommen zu bleiben und dort einen Job anzunehmen. In so einer Gruppe von jungen Menschen ist eigentlich immer was los, immer Tumult, immer Party. Als introvertierter, schüchterner Mensch habe ich mir das so definitiv nicht ausgesucht. Die ganze Arbeitsatmosphäre in dem Projekt ist sehr dynamisch, für manchen Typ Mensch vorzüglich geeignet, für mich herausfordernder. Leute, die damit klarkommen, habe ich aufblühen sehen, haben hierüber ihre professionelle Richtung gefunden und sind dem Projekt weit über ihr EFD treu geblieben. Meine Toleranz und Empathie wurden stark beansprucht, praktisch die ganze Zeit über. Doch im Nachhinein finde ich es gut so, denn im gewohnten Umkreis trifft man meist auf Leute aus homogenen Kreisen, und muss nicht lernen, für ganz unterschiedliche Menschen offen zu sein. Seit meiner Rückkehr habe ich das Gefühl, viel offener zu sein für die diversen Menschen und habe schon andere Begegnungen als früher gehabt.

 

Das Projekt und die Zeit dort

Im Projekt gibt es drei große Einsatzfelder: Arbeit in der Küche, handwerkliche und praktische Arbeiten sowie Büro-Arbeit. Je nach Stärken und Interessen finden die Freiwilligen dann meist ein Einsatzfeld, das ihre Einsatzzeit dominiert. Irgendwie hat sich bei mir ziemlich schnell ein Interesse für das handwerkliche und praktische Arbeiten herausgestellt, vermutlich vorallem weil ich irgendwie eine Aversion gegen Küchen- und Büro-Arbeit spürte. Doch ich habe mit der Zeit auch meinen Geschmack für solche „Drecksarbeit“ gefunden. So habe ich dann die Zeit über mitgeholfen, Fahrräder zu reparieren, mitgeholfen einen neuen Parkplatz zu bauen, Möbel und Sachen herumtransportiert, Steine geschnitten und damit Wege gebaut, Laub aufgekehrt, Bäume umgepflanzt, tote Bäume gefällt, Bäume bewässert, Unkraut gejätet, Dachrinnen gereinigt, und, und, und… es war immer etwas zu tun, weil sich auf dem großen Grundstück immer was ergibt, immer Arbeit anfällt und auch die Organisation immer im Wandel ist und neue Ideen plant und auch tatsächlich alsbald umsetzt. Die Organisation ist sehr dynamisch, Langeweile oder Monotonie kommen so gut wie nie auf.

Neben dieser Arbeit bei der Aufnahmeorganisation selbst war es im Projekt vorgesehen, dass man einem lokalen Projekt in deren alltäglicher Arbeit hilft. Dabei handelte es sich um Betriebe wie Campingplätze, Pferdeställe, Tierheime, Second-Hand-Läden o.Ä. in der näheren Umgebung. Zu Anfang wurde ich in einen Pensionspferdestall ca. 30 Fahrrad-Minuten vom Einsatzort eingeteilt. Nach einer notwendigen Eingewöhnungszeit — meine erste Erfahrung mit Pferden — hat es mir da sehr gut gefallen. Mir hat gerade die familiäre, gemütliche Atmosphäre (bzw. wie es im Niederländischen so schön heißt, die gezellige Atmosphäre), die Arbeit in der Ruhe draußen und mit Pferden sehr wohlgetan. Neben einigen Mit-Freiwilligen gab es dort auch ein festes Team an Freiwilligen aus der Region. Dadurch kam ein schöner Kontakt zu NiederländerInnen und der Kultur zustande und ich konnte auch etwas Niederländisch praktizieren. Hier war die Arbeit meist sehr ähnlich, in den 20 Jahren hat sich dort ein System bzw. Protokoll entwickelt, wie die Pferde versorgt werden. Und das ist im Großen und Ganzen von Tag zu Tag gleich. Ein Unterschied ergibt sich saisonal, denn bei gutem Wetter im Sommer und Frühling bleiben die meisten Pferde den ganzen Tag auf der Weide, im Winter werden sie nur von morgens bis mittags auf die Weide gebracht, die restliche Zeit bleiben sie im Stall. Sehr angenehm war auch, dass jeweils die Kaffee- und Mittagspause gemeinsam ohne Stress und Zeitdruck verbracht wurde. So konnte sich ein schöner privater Kontakt unabhängig von der Arbeit bilden. Über diese Arbeit dort habe ich für mich ein Interesse an Pferden kennengelernt.

Völlig anders als das gesamte Projekt, jedoch sehr schön und nützlich waren die zwei Trainings OnArrival und MidTerm. Mit dem ersten Training bin ich irgendwie im Freiwilligendienst richtig angekommen, das zweite war eine Abwechslung zum Projekt-Alltag. Beim ersten Training ist auf die niederländische Kultur, auf Kultur allgemein und wo wir am Anfang so stehen, was unsere Lage und ggf. Schwierigkeiten sind, eingegangen worden. Der eine Punkt des Trainers, der ungefähr so ging „Kultur ist was vom Menschen künstlich geschaffenes, und doch ist es für uns sehr real und hat echte Auswirkungen auf Menschen“, hat das sehr gut zusammengefasst. Auch war es spannend, dabei mit Niederländern aus der Stadt in Kontakt zu kommen bei einer praktischen Arbeit. Beim Mid-Term ging es dann nochmal einige Stufen tiefer in die Kultur rein, wir haben nur recht kurz und auf den Punkt gebracht geklärt wo wir gerade stehen, und waren dann einen Tag an verschiedenen Orten in Rotterdam, an denen wir Menschen mit vergleichsweise ungewöhnlichen Projekten, Ideen und Lebensgeschichten trafen.

In der Zeit bin ich einige Male zu Besuch und zum Halten des Kontakts zurück ins Rheinland gefahren, das fand ich sehr angenehm, wie nahe und leicht machbar das war. Ebenfalls interessiert hat mich das nahegelegene Deutschland bei Ommen (Ommen liegt ca. 30 km westlich der deutsch-niederländischen Grenze, auch wenn man das im Ort selbst nicht merkt). Es grenzt an kleinere Dörfer in Niedersachsen, dessen Namen Leuten von außerhalb wohl nichts sagen würden. So ist dieses Gebiet auch mit dem ÖPNV aus diesem Gebiet der Niederlanden kaum bzw. nur schwer zu erreichen. So habe ich mich ein paarmal mit dem Zug, Fahrrad und wandernd über die „Grenze“ begeben, die manchmal enorm stark als solche zu erkennen war (als auf niederländischer Seite die Landschaft landwirtschaftlich genutzt wurde und direkt auf deutscher Seite die Fläche als Wald genutzt wurde), und an anderen Orten war sie nur implizit daran zu erkennen, dass ein „deutsches“ Straßenschild statt eines niederländischen genutzt wurde. Auch wenn da keine Grenze wie früher mehr ist, ist natürlich kulturell schon die „Grenze“ noch da. Ganz schön fand ich dort jedoch einige Betriebe, die bewusst auf beiden Seiten der Grenzen Filialen haben, sowie Läden mit bilingualen Schildern auf Deutsch als auch Niederländisch.

Ebenfalls, weil die Möglichkeit da gegeben ist, war ich viel in der Natur, in den Wäldern und auf wunderschönen Heiden unterwegs. Die Region ist unter niederländischen Touristen sehr beliebt. Ausländischen Touristen ist dieser Ort jedoch zum Glück noch kaum bekannt, wenn man vom gelegentlichen Besuch aus Niedersachsen absieht. Auch mit der dortigen Fahrrad-Kultur bin ich in Kontakt gekommen. Das Fahrrad als Fortbewegungsmittel ist dort meines Empfindens nach enorm mainstream, viel stärker als in Deutschland. Zum Teil ist das sicher auf das enorm flache Land zurückzuführen (dessen höchster Punkt ca. 300 m hoch ist und wo in meiner Region eine 44 m hohe Erhöhung als Berg bezeichnet wurde — das mag sich wie ein Witz anhören, und ich und einige Mitfreiwillige haben darüber zuerst auch gelacht, doch aus niederländischer Perspektive macht es absolut Sinn, diesen Ort als einen Berg zu bezeichnen). Doch beeindruckt hat mich auch die Tatsache, dass z.T. Städte bewusst so gebaut werden, dass Fahrradfahrer es besonders einfach haben und es Autofahrer nicht allzu guthaben, um einen Anreiz für das Radfahren zu schaffen. Kehrseite der Medaille ist leider ein hoher Fahrraddiebstahl, und einigen Freiwilligen ist selbst im kleinen Ort Ommen ihr Fahrrad gestohlen worden. In den großen Städten wird es wegen des hohen Fahrraddiebstahls empfohlen, die Fahrräder in bewachten Fahrradparkhäusern zu lagern. Dass Deutschland eine Autonation ist, wurde mir erst klar, als ich es dort anders erlebt hatte. Klar, in den Niederlanden gibt es auch Autos, doch dort sind sie nur Statist in der Landschaft, während sie hier schon mal Landzüge dominieren.

Neben der Natur habe ich auch die Kultur dort kennengelernt. Aufgrund des ländlichen Charakters der Gegend gab es natürlich kein Überangebot wie in großen Städten. Doch dafür war das Angebot recht überschaubar und ich hatte das Gefühl, ich kann da wirklich was von mitnehmen. Hier war es gerade sehr nützlich, dass die deutsche und die niederländische Sprache recht ähnlich sind und ich vieles davon auch verstehen konnte.

 

Gesamtfazit

-Es war alles in allem schon eine sehr schöne Zeit. Diverse verschiedene Menschen mit unterschiedlichsten Lebensgeschichten habe ich kennengelernt und habe mehr Verständnis und Offenheit erlangt. Ich habe einen kleinen Ausschnitt eines spannenden Landes kennengelernt und erlebt, und für mich realisiert, dass Holland die Niederlande mehr als Windmühlen und Fahrräder ist.


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