In den vergangenen elf Monaten habe ich nun mit Freiwilligen aus aller Welt zusammen gelebt.
Ich bin mir sicher, dass ich dadurch für die Zukunft einiges an sozialen Kompetenzen erlernt habe, vor allem was den Respekt, die Toleranz und die Geduld gegenüber fremden Menschen angeht. Auch wenn die Französin von vorgestern zu anfangs nicht gelächelt hat, und es so aussah als wäre sie jetzt lieber auf Mallorca anstatt beim Affenkäfig putzen, so hat man doch nach ein paar Tagen gemerkt, was für ein witziger, ehrlicher und vertrauenswürdiger Mensch sie doch ist. Und auch wenn die Spanierin damals kein Wort englisch konnte, hat man trotzdem gelernt sich anderweitig zu verständigen, man hat viel Spaß gehabt und so viel zusammen erlebt. Über Klischees und Stereotypen der verschiedenen Kulturen wurde gelacht, diskutiert und die allermeisten wurden als lächerlich erlogen enttarnt. Die Italienerin fragte mich zum Beispiel, ob wir immer Nudeln mit Ketchup essen oder auch manchmal Soßen selbst kochen, und der Engländer dachte, dass wir in Deutschland alle unser Würstchen in Bier dippen. Gott sei dank wurden diese Klischees revidiert.
Andere aber, muss ich zu geben, sind gar nicht mal so falsch.
Wenn man abends in die Küche kommt und anfängt zu kochen, kann man draußen im Garten drei Italiener hören. Laut, theatralisch und überschwänglich diskutieren sie über dies und jenes, während sie genießerisch ihr Bruschetta in den Mund schieben. Kochen können sie alle male, die Italiener, und sie laden großzügig alle ein, bei ihren Speisen teilzuhaben. Dabei wird dann lieber für 125 als für 10 Leute gekocht, könnte ja sein, dass jemand heute extra viel Hunger hat. Selbstlos und und spendabel wird alles Wissen und jedes Essen geteilt, um einem weiteren Nudeln-mit-Ketchup entgegenzuwirken (ich esse übrigens keine Nudeln-mit-Ketschup!!).
Die Franzosen hier dagegen scheinen ein eher ‘unverkrampftes Verhältnis’ zur eigenen Nation zu haben.
Versucht man, mit seinen französischen Sprachkennrissen zu punkten, wird es meistens nicht verstanden, als falsch angesehen und so lange verbessert, bis das ‘ch’ so perfekt ausgesprochen wird, das sich selbst der Nordfranzose davon eine Scheibe abschneiden kann. Rotwein und Käse gibt es sowie den weltbesten in Frankreich, die Sprache ist die Schönste und das Frühstück mit Abstand das Beste (‘iiih, ihr deutschen esst Käse zum Frühstück?????)

Jaja die Deutschen.
Unsere Pünktlichkeit ist natürlich das Klischee Nummer eins, und vor allem natürlich verglichen zur zeitlichen ‘Dehnbarkeit’ der Italiener muss ich sagen: Korrekt. Verglichen zu den Südländern sind wir Deutschen doch ganz schon on time und müssen meistens gefühlt ein paar Stündchen warten, bis meine liebe Italienerin das Täschchen gepackt hat.
Wahrend in Italien beim Streichen der Wohnzimmerwand einfach um das Sofa herum gestrichen wird, wird unter Deutschen alles dreimal geplant, abgebaut, abgeklebt, verdeckt, zehnmal überstrichen und abgemessen. Ist ja auch gut so, in einem gewissen Rahmen zumindest. Doch manchmal muss ich mir aber auch in den Arm kneifen und sagen, Hannah, sei mal nicht so deutsch!
Sei doch mal ein bisschen mehr italienisch! Manchmal kann die ‘deutsche Perfektion’ nämlich auch humorlos, unkreativ und unflexibel sein.
Die Balance zu finden, zwischen den Mentalitäten und Lebensgewohnheiten der verschiedenen Nationen, das wäre Perfektion für mich.
Eine Prise Lebenslust der Italiener, ein Teelöffel Gründlichkeit der Deutschen, eine Messerspitze Höflichkeit der Engländer und drei Gläser Bordeaux- Rotwein der Franzosen, und tadaaa – ein Träumchen! Aber wer ist schon perfekt .

 

 

 


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