* Hier sollte jetzt ein tiefgründiges Zitat zum Thema Reisen stehen*

Diesen Blogbeitrag habe ich ausnahmsweise mal nicht auf den letzten Drücker geschrieben, wahrscheinlich weil ich es einfach liebe zu reisen und davon zu erzählen.

In meinen nun etwas mehr als drei Monaten, die ich schon in Griechenland bin, hatte ich viele Gelegenheiten zu reisen. Die erste richtige Reise war eine Art Klassenfahrt mit unserem Projekt.

IOANNINA

Für drei Tage ging es mit unserem Projekt in die lebendige Studierendenstadt im Norden Griechenlands. Mit 15 der Kids, die Reisegruppe sozusagen, haben wir eine 6-stündige Busfahrt durch die griechischen Berge auf uns genommen.

Die Strecke ist wirklich wunderschön und ich kann sie jedem empfehlen, der mit viel Zeit und einem stabilen Magen in Griechenland unterwegs ist! Von Livadia geht es über Arachova (eine wunderschöne Stadt am Hang) und Delphi (jaja, Orakel und Tempel und Mittelpunkt der Welt und so) durch die Berge runter ans Meer. Durch ein riesiges Tal voller Olivenhaine fährt man schließlich bis Itea ans Meer. Dann fährt man mit dem Bus etwas mehr als zwei Stunden eine wunderschöne Strecke direkt am Meer entlang und danach nochmal drei Stunden Autobahn. Das ist dann nicht ganz so schön, aber angenehmer zu fahren.

Die drei Tage in Ioannina waren wirklich schön. Wir haben viel von der Stadt und Museen gesehen – eben genau die Sachen, die man vielleicht nicht gemacht hätte, wenn man alleine unterwegs gewesen wäre. Ioannina ist wirklich eine sehr gemütliche Stadt, an einem See gelegen, mit einer kleinen vorgelagerten Insel und trotzdem kaum touristisch. Trotzdem war diese Reise auch sehr kräftezehrend, auch wenn es an sich eher wie Urlaub klingt. Man muss trotzdem immer die Gruppe im Blick haben und fühlt sich verantwortlich.

Ioannina, See, Sonne


ATHEN

Anfang Oktober war ich mit zwei Mitfreiwilligen das erste Mal in Athen. Athen ist nur zwei Stunden mit dem Bus entfernt. Die Preise für das Busticket sind wahrscheinlich der einzige Grund, wieso ich nicht jede zweite Woche nach Athen fahre. Nach einem Monat in unserer doch eher kleinen Stadt hat uns die Großstadtluft ganz gut getan. In dem Hostel in dem wir übernachtet haben, unterhielten wir uns lange mit Menschen aus der ganzen Welt. Das war irgendwie auch eine gute Abwechslung.

Athen als Stadt erinnert mich fast ein bisschen an Berlin. Die Stadt ist wirklich riesig und hat auch ein paar wirklich schöne Seiten. Die muss man aber finden können. Vielleicht ist der Vergleich auch gar nicht so gut. Was Athen wirklich von anderen Großstädten unterscheidet, ist, dass gefühlt an jeder zweiten Straßenecke irgendeine Tempelruine oder ein antikes Gebäude ist. Es ist eine schöne, lebendige Stadt, es ist immer was los und es gibt viele süße Cafés. Aber für mich ist Athen ein bisschen zu groß.

Später war ich auch nochmal bei einer Erasmus+Veranstaltung in Athen. Es war ein unglaublich schöner Tag, den ich mit tollen Menschen verbracht und nochmal eine andere Seite von Athen kennengelernt habe. An diesem Wochenende wurde auch mein Handy gestohlen… an dieser Stelle ein Shout-Out an all die Menschen, die mir die Uhrzeit gesagt haben oder von deren Handy ich eine Nachricht schreiben durfte – Danke!!!

Athen, Lofos Strefi, Exarchia, Berg, Stadt


PATRAS

Anfang November, nach fast zwei Monaten Aufenthalt, fand endlich das sogenannte On-Arrival-Training statt. Ich war unter den Glücklichen, die sich rechtzeitig angemeldet hatten. Einige meiner Mitfreiwilligen mussten noch einen Monat länger warten. Über den akademischen Teil des Trainings kann man denken was man will. Es war aber auf jeden Fall die perfekte Gelegenheit, Freiwillige in ganz Griechenland aus ganz Europa kennenzulernen, was das Reisen in Zukunft hoffentlich noch leichter macht.

Patras ist auch eine echte Uni-Stadt, was sich total im Stadtbild bemerkbar macht. Nach Patras fährt man den gleichen wunderschönen Teil der Strecke wie nach Ioannina, nur dass man dann nach Nafpaktos, ganz im Südwesten des Festlands, auf einer fast drei Kilomenter langen Brücke über den Golf von Korinth fährt – einzigartig, wie fast alles in Griechenland. Patras ist in erster Linie als Hafenstadt bekannt, aber die ganzen jungen Menschen prägen das Stadtbild enorm. Und auch hier gibt es antike Bauten und Ruinen. Einmal, als wir abends in der Stadt unterwegs waren und an ein paar andere Freiwillige unseren Standort kommunizieren wollten, haben wir es einfach die Akropolis von Patras genannt, eine Ruine auf einem Berg halt. Gerade weil es viel zu schnell selbstverständlich wird – es ist wirklich beeindruckend all diese uralten Bauten zu sehen.

Patra, EVS OAT, On Arrival Training, November, Burg


THIVA

Thiva ist auch eine eher kleine Stadt, die historisch, wie so vieles in Griechenland, aber angeblich sehr bedeutend sein soll. Thiva soll angeblich auch ganz schöne Parks haben. Als ich da war hat es aber geregnet, deshalb haben wir uns nicht so viel von der Stadt angeguckt. Ich war auch bislang noch nicht in dem Museum. Es soll aber ganz interessant sein (zumindest wenn man sich für Geschichte interessiert).

Was ich hauptsächlich zu Thiva sagen kann, ist, dass die Stadt ganz schön blöd auf einem sehr steilen Berg gebaut ist und man niemandem aus Livadeia sagen darf, dass Thiva genauso groß (oder klein) wie Livadeia ist.

 

DELPHI und ARACHOVA

Delphi, Orakel von Delphi, Zentrum der Welt, usw. Selbst Menschen wie ich, die mit Geschichte eigentlich wirklich kaum etwas am Hut haben, haben schon vom Orakel von Delphi gehört. Dieser weltbekannte Tempel der Antike ist zufällig nur eine knappe Stunde von hier mit dem Bus entfernt. Mit dem Bus ist es allerdings etwas mühsam. Ich hatte aber das Glück, mit meinem Vater und einem gemieteten Auto nach Delphi zu fahren. Auch in der Wintersaison ist hier noch unheimlich viel los und hunderte Menschen kraxeln jeden Tag den Berg bis zum Stadium hoch.

Kurz vor Delphi liegt Arachova, eine Stadt am Hang gebaut, die im Winter sehr touristisch ist. Hier befindet sich das größte Skigebiet Griechenlands. Arachova wird auch gerne als das Mykonos des Winters bezeichnet. Der eigentliche Ort Delphi ist kurz hinter den Ausgrabungsstätten und relativ klein und unbedeutend. Der Ort liegt aber sehr schön in den Bergen, die direkt am Meer liegen, wie die Alpen aber an der Mittelmeerküste!

Die Ruinen sind wirklich interessant: Tempel, Theater, Stadion und ganz viele Säulen und Skulpturen. Ich glaube es ist inzwischen klar, dass ich nicht so der Geschichtsfan bin, aber diese Steine, die vor Jahrtausenden so erbaut wurden, sind wirklich beeindruckend.

Kleiner Exkurs: In den öffentlichen Bussen ist jede Strecke, die über Delphi fährt, extrem stressig. Auf den meisten Strecken sind gerade jetzt in den Wintermonaten die Busse nicht mehr als halb voll – wenn überhaupt. Aber auf der Delphi-Strecke ist es immer ein Kampf, einen Platz im Bus zu bekommen. Manchmal werden für kurze Strecken auch Menschen im Stehen mitgenommen.

Delfi, Delphi, Delphos, Tempel, Berg, Aussicht, Ruinen, Säulen


METEORA, KAMALBAKA und TRICALA 

Wow! Im Endeffekt sind es eigentlich nur Klöster auf Bergen, aber wirklich beeindruckende Klöster auf wirklich beeindruckenden Bergen. Das muss man einfach mal gesehen haben. Doof ist es natürlich, wenn vor allem morgens die Klöster und Berge noch in Wolken gehüllt sind und man sich gefühlt tausende Stufen hochquält nur um dann gerade noch so die eigene Hand im Nebel sehen zu können. Aber es ist ein geradezu magischer Ort, der nichts mit dem zu tun hat, was man sich unter dem typischen Griechenland vorstellt.

In der Nähe gibt es zwei größere Orte – Kalabaka und Tricala. Kalabaka ist extrem touristisch und gefühlt alle fünf Meter gibt es eine Haltestelle für irgendeinen Meteorabus. Aber das ist natürlich sehr praktisch, wenn man ohne Auto unterwegs ist. Circa 20 Kilometer weiter liegt Tricala. Eine Stadt die überrascht. Fast überall gibt es Fahrradwege und es sind erstaunlich viele junge Menschen auf den Straßen.

Meteora, Berg, Kloster, Nebel, Aussicht


KORFU

Das erste Dezemberwochenende habe ich auf Korfu verbracht. Korfu kannte ich schon aus Familienurlauben, allerdings immer nur im Sommer. Im Vergleich zu der Stadt in der ich lebe, ist Korfu wirklich anders und wunderschön. In Livadia und Umgebung gibt es natürlich auch viele schöne Ecken, aber Korfu ist in der Gesamtheit mit vielen kleinen Häuschen und schönen flachen Stränden total schön.

Im Winter ist die Insel, wie so viele Tourismusregionen, sehr ruhig und wirkt gerade zu verlassen. Das hat als Besucher natürlich auch seinen Reiz – ein Wochenende in vollkommener Ruhe. Aber für die Inselbewohner ist es schwierig und viele arbeiten nur über den Sommer. Für das Wochenende habe ich bei einer Bekannten, einer alten Griechin, übernachtet und habe durch sie einen kleinen Einblick in das winterliche Dorfleben bekommen.

Korfu, Meer, Steg, Sonne, Dezember

‘Mein‘ Griechenland hier ist ein ganz anderes, als das in touristischeren Regionen oder gar auf den Inseln. Und auch wenn mich viele Griechen bedauern, dass ich meine 10 Monate ausgerechnet hier im ländlichen Livadia verbringe, finde ich es eigentlich auch ganz angenehm, eine so andere Seite an Griechenland kennenzulernen, sei es landschaftlich aber auch kulturell. Beim Reisen an touristischere Orte fällt das dann ganz schnell auf, da wo sich die Gyros/Souvlaki/Moussaka Läden häufen und die Restaurants Namen von griechischen Göttern haben.

Ich hoffe, auch in Zukunft viele Möglichkeiten zum Reisen zu haben. Über Weihnachten werde ich erstmal für eine Woche nach Hause fliegen, dann Weihnachten mit einem Freund und Freiwilligen vom On-Arrival-Training in Thessaloniki verbringen. Über Ostern habe ich zwei Wochen frei, vielleicht werde ich die Zeit nutzen, um noch andere Balkanstaaten zu bereisen.

Zum Schluss noch 3 schöne Ausdrücke der griechischen Sprache:
In Griechenland wünscht man sich zum 1. jeden Monats „Kαλός μήνας”, einen guten Monat. Nicht nur ein frohes neues Jahr sondern auch einen frohen neuen Monat, das gefällt mir!

Das griechische Wort für Giraffe ist: καμηλοπάρδαλη [kamilopárdali], liegt es an mir oder ist das eine Mischung aus Kamel und Leopard?

Malen oder zeichnen heißt „ζωγραφίζω”. Ich weiß zwar nicht genau was jetzt der sprachwissenschaftliche Ursprung dieses Wortes ist, aber leben heißt „ζω“ und schreiben heißt „γράφω” heißt schreiben – lebenschreiben.

Gianna


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