Inzwischen bin ich in meinem Alltag hier angekommen, was passt da besser als ein Blogpost über das alltäglichste, meine Arbeit. In meinem ersten Blogbeitrag habe ich das Projekt zwar schon kurz beschrieben, das möchte ich jetzt nochmal detailreicher machen.

Mein Projekt ist eine ODI-interne Stelle, es kann also gut sein, dass in den nächsten Jahren wieder ODI-Freiwillige hier arbeiten werden. Alles in allem ist es eine lange Geschichte, wie ich hier hergekommen bin, im Endeffekt stand ich durch unglückliche Zufälle aber zwei Monate vor Ausreise ohne Projekt da. Soziale Arbeit und auch Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung war zwar eigentlich wirklich nicht das, wonach ich gesucht hatte, ich wollte eher was im politischen Bereich oder mit Bildungsarbeit machen. Diese ODI-interne Stelle war aber noch frei und da es keine anderen Bewerber*innen gab, hatte ich sehr bald mein Skype-Gespräch mit dem Koordinator der Organisation. Griechenland kannte ich schon aus Urlauben und ein Jahr in der Nähe des Mittelmeers ist ja auch wirklich nicht das Schlimmste, was einem passieren kann oder?

Meine Motivation genau diese Stelle anzunehmen, war zunächst vielleicht nicht so ganz aus dem Bilderbuch, inzwischen habe ich die Arbeit aber echt zu schätzen gelernt und habe mit jedem Tag mehr Spaß daran.

Aber jetzt zur Arbeit. Unsere Aufgabe besteht in erster Linie darin Zeit mit den „Kids“ zu verbringen. Oft ist das zum Beispiel Memory oder Uno spielen, Malen, Puzzlen oder Sticken. Manchmal kann man sich auch gut und gerne eine Viertelstunde auf Griechisch zutexten lassen, das war in den ersten Tagen eine echte Herausforderung. Inzwischen verstehe ich aber meistens worum es grob geht und kann einschätzen, wie wichtig es ist, dass ich das jetzt verstehe.

Für mich war es am Anfang ein bisschen schwierig in meine Rolle zu finden. Jeden Tag Puzzleteile anreichen oder Unokarten nach Farben zu sortieren schien mir irgendwie ganz schön sinnlos, eine Zeit lang habe ich dann viel gestickt, das erschien mir aber auch nicht so wirklich einen tieferen Sinn zu haben.
Mit der Zeit habe ich mich aber an den Gedanken gewöhnt, dass es darum geht den „Kids“ etwas gutes zu tun, dass sie schöne Stunden im Zentrum haben, man ihnen halt Gesellschaft leistet. Und wenn es für den einen halt ganz wichtig ist jede Woche die Lidl-Werbung mit jemandem zu besprechen, dann ist das auch ok. Und wenn eine andere eine halbe Stunde braucht um ein 4 Teile Puzzle zu lösen, ist das auch vollkommen ok, die Freude wenn das Puzzle fertig ist ist dann umso größer.

Jenga spielen

Mit der Zeit fällt mir auch die Kommunikation leichter. Die Standardphrasen, „ja“, „nein“, „ach wie schön“, „alles gut?“, „wollen wir XY spielen“ und „komm mit“, kann ich inzwischen ganz gut und in allen Variation. Das macht vieles schon mal einfacher. Und mit der Sprache finde ich auch immer mehr Dinge, die ich tun kann. Inzwischen setze ich mich zum Beispiel regelmäßig mit einem der Kids zusammen und wir machen „Mathe mit Dominosteinen“, heißt konkret wir zählen die Punkte auf den Dominosteinen und versuchen dann manchmal noch beide Seiten zusammenzuzählen. Klingt vielleicht langweilig und man braucht auch wirklich seeeehr viel Geduld, aber sein Strahlen, wenn er allen erzählt, dass er gerade mit Gianna eine Mathestunde hatte, gibt allem einen Sinn.
Zum Ende des „Schuljahres“ also Sommer, wird ein Theaterstück eingeübt. Auch da helfe ich immer gerne mit, auch wenn es nur darum geht, aufzupassen, dass alle an den richtigen Stellen umblättern.
Die „Kids“ im Zentrum sind zu sehr unterschiedlichen Graden beeinträchtigt. Einige spielen gerne in Kleingruppen Scrabble oder Trivial Pursuit, anderen sprechen zum Beispiel gar nicht. Eine Gruppe puzzelt gerade an einem 18 000 Teile Puzzle, anderen fällt eben ein 4 Teile Puzzle schwer. Gerade in der Anfangszeit war es für uns einfacher kleine Spiele zu spielen, die keine Worte brauchen oder eben mit den „Kids“ zusammen zu puzzeln. Inzwischen kommen aber auch immer häufiger kleine Unterhaltungen zustande, die auch mal darüber hinausgehen, was man gestern gegessen hat oder in welchen Farben man gekleidet ist.
Obwohl ich wirklich noch sehr weit davon entfernt bin, fließend griechisch zu sprechen, habe ich es irgendwie (mit sehr vielen Gesten) geschafft auf griechisch zu erzählen, wie ich dieses Jahr Weihnachten feiere und was ich so mache, wenn ich mit meinen Freund*innen in Deutschland treffe. Gar nicht so schlecht finde ich!
Letzte Woche durfte ich auch Trivial Pursuit mitspielen und konnte sogar ein paar Fragen beantworten, ich mache also Fortschritte, auf der Arbeit fällt mir die Sprachbarriere gar nicht mehr so doll auf. Und den Übersetzungen meiner griechischsprachigen Kolleginnen zufolge ist es manchmal anscheinend auch gar nicht so schlecht nicht alles zu verstehen… .
Zusätzlich wird uns auch viel Freiraum für eigene Projekte gelassen, kleine Präsentationen oder Aktivitäten.

ODI, Open Door International e.V., Freiwilligenblog, Erfahrungsbericht, Blog, Auslandsaufenthalt, Freiwilligendienst, Freiwilligenarbeit, Freiwillige, soziales Projekt, Europäischer Freiwilligendienst/Entwicklungspolitischer Freiwilligendienst, EFD/weltwärts, Erasmus+, Griechenland, Gianna

Gymnastikstunde im Hof

Auch wenn die Aufgaben an sich alle wahrscheinlich wirklich nicht sehr spannend klingen, eigentlich geht es ja auch um was ganz anderes. Einfach nur Zeit mit den „Kids“ zu verbringen steht zunächst im Vordergrund, dabei dann auch noch intellektuelle und motorische Fähigkeiten zu fördern ist natürlich auch ein Teil der Arbeit.

Ich hätte mich, wenn ich eine größere Auswahl gehabt hätte, vermutlich nicht für diese Arbeit entschieden. Und ehrlicherweise bislang ist es auch immer noch nicht zu meinem Traumberuf geworden. Aber es gibt jeden Tag so viele kleine Momente, die mich sehr glücklich machen hier zu sein. Es vergeht selten ein Tag an dem bei der Arbeit nicht mindestens eine wirklich lustige Sache passiert und wir alle zusammen sehr herzlich lachen. Die „Kids“ bringen einen wirklich oft zum Lächeln, was unglaublich motivierend und eines der besten Dinge in meinem Projekt ist.


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