In den letzten Monaten habe ich immer mal wieder Blogbeiträge angefangen, aber nie zu Ende gebracht. Das hier wird sozusagen die Restesammlung. Einfach ein paar Dinge, die ich im Kopf habe, die aber keinen eigenen Blogbeitrag verdient haben. [Den ersten Teil habe ich Mitte Juni geschrieben, den letzten Teil nach meiner Ankunft, deswegen vielleicht ein wenig verwirrend mit zeitlichen Bezügen.]

Griechisch lernen

Inzwischen komme ich ganz gut klar mit Griechisch. Wenn ich an die ersten Tage und Wochen zurück denke, muss ich echt lachen, ich hab ja gar nichts verstanden. Inzwischen verstehe ich bei der Arbeit aber das Meiste und kann sagen was ich sagen will, ob ich von meinem Wochenende oder von deutschen Traditionen erzähle. Sprache ist bei der Arbeit nur noch sehr selten ein Hindernis. Und wenn ich an den Anfang zurück denke, wo Situationen mich schnell eingeschüchtert haben, weil ich gemerkt habe das irgendwas „Schlimmes“ passiert ist, ich aber noch nicht verstehen konnte was passiert ist, kann ich heute einfach lächeln, weil ich weiß was los ist und es meistens wirklich kein Weltuntergang ist.

Außerhalb der Arbeit ist es noch ein bisschen schwieriger. Gerade in Athen werde ich zum Beispiel oft nach dem Weg oder nach Metroverbindungen gefragt. Das ist noch so das Level, was ich relativ problemlos und halbwegs akzentfrei kommunizieren kann. Wenn es dann weitergeht muss ich meist aber passen oder verhaspel mich und dann verstehen die Leute, dass ich griechisch noch lerne. 😀 Aber das ist ja auch gar kein Problem, so ist es schließlich. Neulich konnte ich die Zeugen Jehovas, die an meiner Wohnungstür geklingelt haben, sogar auf griechisch abwimmeln!

Gerade aber auch wenn ich einige Male mit Freundesgruppen unterwegs war, die alle Griech*innen sind, bin ich schnell raus aus der Unterhaltung oder verstehe nur noch Bruchstücke.

Alles in allem bin ich aber echt zufrieden mit mir, wie viel von dieser schweren Sprache ich gelernt habe!

Busfahren…

… ist ein richtiges Erlebnis! Und auch ein Symbol für meine kulturelle Anpassung. Um Busverbindungen in Griechenland zu verstehen muss man zu den „Eingeweihten“ gehören. Klar sind die Menschen auch total freundlich, wenn du nachfragst. Aber am Anfang war es für mich ein echtes Mysterium, warum der Bus hier jetzt auf einmal unter der Brücke hält oder wie ich eine Bushaltestelle erkenne. Nun ja, inzwischen weiß ich, dass man an der Kreuzung mit der Brücke einen Anschlussbus in eine andere Stadt bekommen kann. Und Bushaltestellen muss man eben einfach kennen!

Der Busfahrer kann auch gerne mal am Steuer rauchen, Kaffee trinken oder telefonieren. Der Bus hat gefühlt eine Milliarde Halte, gefühlt an jeder Straßenecke und an jedem Gotteshaus, an dem wir vorbeifahren, werden sich viele Menschen dreimal bekreuzigen, aber keine Sorge, alles ist in Ordnung.

Bus, Griechenland, ländlich, Kultur

Die wunderschön modernen Busse

Griechenland, Landschaft, scön

Bushaltestelle, mitten im Nirgendwo

Schlangen!!!

Ich hatte schon immer eine eigentlich relativ unbegründete Angst vor Schlangen. Habe mir dann aber immer eingeredet, dass es in Deutschland seeeeehr unwahrscheinlich ist, dass, gerade in der Stadt, irgendwo eine Schlange frei rum läuft. Anfang Mai wurde uns aber freundlich gesagt, dass jetzt die Schlangensaison anfängt. Zwei Minuten später, als wir aus dem Auto aussteigen, sehen wir erstmal eine Schlange, die sich gemütlich auf einer Hecke sonnt. Und bei dem Thema ist es wirklich kein Vorteil griechisch zu können, so saß ich, zum Beispiel, einmal am Fluss und eine Gruppe Jugendlicher kam vorbei, die darüber diskutierten, ob es zu gefährlich ist am Fluss langzugehen wegen der Schlangen. Nun ja, ich saß nicht mehr lange da…

Erdbeben…

sind nicht lustig. Im Herbst hatten wir ein relativ starkes Erdbeben mit einer Stärke von 6,8. Es gab aber auch oft „kleinere“ Erdbeben zwischen 4 und 5, die man deutlich gemerkt hat. Ich find’s echt nicht so lustig, nachts aufzuwachen, weil das Bett wackelt, in der Küche irgendwas runterfällt oder die Wände anfangen gruselige Geräusche zu machen. Und immer diese Frage, ist mir schwindelig oder ist es nur wieder ein Erdbeben. Es ist aber auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung und ich kann ein bisschen mehr nachvollziehen, warum man im antiken Griechenland an Götter geglaubt hat.

Einige meiner Highlights:

– Silvester mit ganz vielen Freiwilligen aus ganz Europa über den Dächern von Thessaloniki.

– ein perfektes langes Wochenende mit den Freiwilligen aus meiner und der Nachbarstadt auf Pelion.

– ein Besuch bei Freiwilligen vom On Arrival und Midterm Training inklusive Lagerfeuer am Strand.

– Athens Pride und die wundervollen Menschen, die ich ganz spontan kennengelernt habe.

– schwimmen im Fluss.

– viele süße Momente bei der Arbeit, uneingeschränkte Freude, totale Hilfsbereitschaft, oft auch etwas verrückte Ideen und viele Fragen über das Leben in Deutschland.

hier ein kurzer Einschub: Eigentlich muss man es selbst erlebt haben, aber ich versuche trotzdem mal euch einige kleine Anekdoten von meiner Arbeit im Zentrum zu erzählen. Vor Weihnachten, zum Beispiel, hat jemand einen Brief an den Weihnachtsmann geschrieben, er wünsche sich zu Weihnachten nicht viel, nur Liebe. Ein anderer hat geweint, weil er jetzt über die Weihnachtsferien für zwei Wochen seine ganzen Freunde nicht sehen wird. Als ich bei einer der „Klassenfahrten“ einer Frau geholfen habe in die Dusche zu kommen und sie mich dann gefragt hat, ob ich auch Hilfe im Bad brauche. Die eine, die dachte ihren Haustürschlüssel verloren zu haben, stundenlang ganz verschwiegen war, dann aber auf einmal doch mit deeeeer Idee zu uns kam. Sie hätte jetzt die Lösung gefunden, sie würde eine Leiter nehmen und das Fenster einschlagen, das wäre doch eine tolle Lösung oder nicht? Und nicht zuletzt ein Mann, der jeden Freitag seine Urlaubstage verlangt, damit er am Wochenende nicht kommen muss. Dabei ist das Zentrum am Wochenende nie offen. Aber seit 25 Jahren verlangt er jeden Freitag seine zwei Urlaubstage.

– die letzte Woche meiner Zeit in Griechenland, für 5 Tage sind wir mit allen „Kids“ in ein Camp in den nahegelegenen Bergen gefahren, was man wahrscheinlich ganz hip als Selbstversorger*innenhaus bezeichnen würde. Es war eine sehr schöne Zeit, mit vielen Spaziergängen und rund um die Uhr Zeit verbringen mit den Menschen, die wir die letzten 10 Monate liebgewonnen haben.EFD, ODI, Freiwilligendienst

Ankunft und Abreise zur gleichen Zeit

Die ganzen letzten Wochen war es schon ein sehr komisches Gefühl, wenn man anfängt zu realisieren, dass es zu Ende geht. Auch wenn wirklich nicht immer alles Friede Freude Eierkuchen war, war es eben mein Leben die letzten 10 Monate. An dem Ort, an diesem von uns Freiwilligen oftmals verfluchten Ort, sind viele Erinnerungen entstanden. Auch wenn ich natürlich irgendwann wahrscheinlich die Möglichkeit haben werde für eine paar Tage zurückzukommen, ist es eben doch nicht das Gleiche wie an diesem Ort wirklich zu leben.

Trotzdem, das Wissen, dass ich Ende Juni ja wieder zurück nach Deutschland gehen werde, hat mich durch viele schlechte Momente gebracht. Gerade auch nach der sehr intensiven letzten Woche war ich also ganz und gar bereit zurück zu reisen. Trotzdem war es die ersten Tage sehr unreal. Am Morgen noch auf dem Balkon in meiner Wohnung und ein letztes Mal alles durchgefegt, am Abend mit den altbekannten Gesichtern an Orten, die ich schon mein ganzes Leben lang kenne. Es hat definitiv einige Tage gedauert, bis ich gedanklich ganz angekommen bin und vielleicht bin ich es immer noch nicht ganz. Aber wie das so ist, wenn man nach Hause kommt. Man möchte so viele Menschen treffen und so viele Dinge tun, die Zeit verging schneller als ich gucken kann. Eine Woche ist schon vergangen und mein Koffer immer noch nicht ausgepackt.

Gerade in den ersten Tagen wurde ich unglaublich oft gefragt, wie es denn gewesen sei. Darauf habe ich immer noch keine richtig gute Antwort parat, gut? Nein, aber definitiv auch nicht schlecht. Es war eben eine Erfahrung und eine lange Zeit, da ist es doch vorprogrammiert, dass es Höhen und Tiefen gibt. „Wie es war“ kann man eben nicht in einem kurzen Satz erzählen. Nach diesen 10 Monaten bleibt so viel mehr hängen als ein einfaches „Gut“.

Strand, SOmmer, EFD, Freiwilligendienst

Strandausflug in Chalkidiki mit Freiwiligen vom Mid-Term-Training

Griechenland, Livadia, Kria, Erkina, Fluss

Et voilà, der Pool!

Meer, Pelion, Strand, blau, Parea, Milopotamos, Freiwilligendienst

Freiwilligendienst, ODI, EFD, Serres, Aussicht

Mit meinen spanischen Mitfreiwilligen bei einer der „Klassenfahrten“ im Norden Griechenlands

Amphitheater, Tanz, Tradition, Griechenland, Kultur, Livadia

Letztes Wochenende, mal wieder im Amphitheater. Wie am ersten Wochenende, dazwischen liegt einiges.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Related Posts

EFD 2018-2019

Nur noch 10 Tage…✈️🇩🇪

Meine letzten Tage.. Hallo Leute! Ich habe sehr sehr lange keinen Blogeintrag mehr verfasst, was daran lag, dass ich es schlichtweg vergessen habe🤦🏽‍♀️ Ich habe wirklich sehr viel erlebt in den letzten Monaten. Im Oktober Weiterlesen

EFD 2018-2019

Reisezeit Teil 2 – Rom und Paris

Nach dem ersten Beitrag über meine Reisen während des EFD’s folgt hier der zweite Teil. Mai An einem Donnerstag im Mai um kurz nach 7 Uhr fuhr ich mit zwei weiteren EFD’lern aus Bozen, einer Weiterlesen

EFD 2018-2019

Großfamilie in Lissabon

7 Monate Casa Europa Es sind mittlerweile schon 7 Monate meines EVS vergangen und nachdem Linda uns erneut erinnert hat ist es auch für mich Zeit einen Blogeintrag zu schreiben. Am 1.Oktober habe ich meine Weiterlesen