Vor einigen Wochen wurden wir von einigen Freunden übers Wochenende auf deren Datscha eingeladen, wo wir unsere ersten Banja-Erfahrungen machten. Hier also ein kleiner Erlebnisbericht:

Die Architektur

Das Datschahäuschen unserer Freunde war im Prinzip ein normales, voll funktionsfähiges Wohnhaus, inkl. Waschmaschine und Flat Screen, inmitten von Wäldern und unweit des Jenissejs. Kein Wunder, dass die Familie dort fast den gesamten Sommer verbringt, insbesondere Großeltern und Enkelkinder. Die Banja war nicht freistehend, sondern befand sich neben der Küche und wurde mit dieser durch einen Waschraum verbunden. Beheizt wurde die Banja durch einen Holzofen, der in der Küche befeuert wurde, sodass im Laufe des Tages neben der Banja auch das ganze Erdgeschoss des Hauses erwärmt wurde. (Trotzdem war das Häuschen auch mit einer Gasheizung ausgestattet, wahrscheinlich, falls man mal keine Lust hat, Holz zu hacken und am Abend in die Banja zu steigen.)

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Der Waschgang

 

Erstaunlich war für mich, dass unsere Gastgeber sich nicht vorm ersten Saunagang bzw. in den Pausen zwischendurch abwuschen, wie ich es aus Finnland gewohnt bin. (Kann natürlich auch daran gelegen haben, dass die Leitungen noch gefroren waren und man nicht ständig Wasser von draußen nachholen wollte.) Wenn schon, dann schmiss man sich stattdessen lieber in den Schnee draußen vor der Tür, was auch in Finnland gern gemacht wird. Wenn man mal vom Filzhütchen absieht, das wohl ein Überhitzen des Kopfes verhindern soll, ging es ansonsten eigentlich zu wie in einer finnischen Sauna,. In den Pausen konnte man es sich auf dem Sofa in der Küche gemütlich machen und dem vierjährigen Sohn dabei zusehen, wie er Brot auf einem Spielzeug-LKW herumtransportierte. Zum Ende des Saunaabends sprang man noch (mal) für eine Sekunde in den Schnee, bevor man wieder hinein ins Haus stürmte und sich abwusch. (Heißes Wasser gab es dank des  Holzofens.)

Die Birkenbüschel

Wie den meisten bekannt sein wird, ist es in Russland Gang und Gebe, sich mit Birkenbüscheln zu schlagen bzw. zu massieren, was die Blutzirkulation anregen soll.

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Je nach Jahreszeit kommen dafür frische oder getrocknete Birkenzweige in Betracht. Letztere werden vor der Massage in Wasser eingeweicht, welches dann auch als Aufguss genutzt werden kann. Gerade die aufgeweichten Büschel bereiten keine Schmerzen sondern sind im Gegenteil sehr angenehm auf dem Körper. Und obwohl Birke die berühmteste Sorte ist, kann man gern die Zweige anderer Bäume benutzen (Eiche, Eukalyptus, Linde, Ahorn u.v.m.), die durchaus andere Effekte hervorrufen (z. B. Hautreinigung durch Öffnen der Poren, Desinfizierung, Entzündungshemmung u.v.m.).

Und sonst so?

Wenn man mit dem Duschen fertig ist und aus dem Waschraum tritt, wird man mit einem traditionellen „С лёгким паром“ begrüßt, was so viel bedeutet wie „Mit leichtem Dampf“ – man verlässt die Banja erholt und befreit von den Sorgen, mit denen man hineingegangen ist (und die womöglich nun wieder auf einen zukommen).
Alles in allem verbrachten wir ein entspanntes Wochenende bei viel Essen, Trinken, Gesprächen und eben Banja, und anscheinend sieht es in öffentlichen Banjas nicht anders aus. Meistens verfügen diese über eigene Restaurants, in denen man zwischen den Saunagängen oder danach über Gott und die Welt diskutieren kann. Inwiefern während des Saunierens tatsächlich Geschäfte eingefädelt und ausgebaut werden, bleibt mir aber weiterhin ein Geheimnis.


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