So, Hallo! Da bin ich wieder. Ich sitze an meinem Schreibtisch in meiner Wohnung in Oeiras und lasse vor meinem geistigem Auge die vergangenen vier Wochen vorbeiziehen. Wieder mal habe ich so viel erlebt. So vieles gesehen. So viel geredet, gegessen, gelacht und gelernt.

Ausflug nach Batalha, Alcobaca und Fatima

Zunächst war da der Ausflug mit der „Erasmus-Life-Lisboa-Gruppe“ in die Städte Batalha, Alcobaca und Fatima, welchen ich mit vier Freunden bestritt. Alcobaca und Batalha, berühmt für ihre bedeutungsschweren und schönen Kloster und Kirchen, sowie Fatima, bekannt als Pilgerstätte für Millionen von Katholiken jährlich, zeigten mir wiedereinmal ein neues Bild Portugals auf, welches ich bis dato noch nicht erfahren habe. Denn es war jetzt das erste Mal, dass ich mich außerhalb des Bezirks Lissabon bewegte und somit auch Landschaft und kleinere Ortschaften sah und so auch meinen eigenen Wohnort aus einer neuen frischen Perspektive „betrachten“ konnte. Am Abend ging es dann im Reisebus wieder nach Lissabon zurück.

„Sommer des Sankt Martin“ und noch mehr Ausflüge

Dann folgte auch schon bald das Fest „Magusto“, welches dem deutschen Sankt Martin entspricht. Traditionell isst man über kräftigem Feuer geröstete Esskastanien und trinkt ein Gläschen roten Portwein. Um den 11. November herum herrscht in Portugal meistens eine Woche lang recht frühlinghaftes Wetter, ohne Regenschauer und mit wärmenden Sonnenschein vom blauen Himmel. Diesen Einbruch in das bereits eingeläutete Herbstwetter nennen die Portugiesen übersetzt „Sommer des Sankt Martin“.

Mit vollem Magen veranstaltete dann meine koordinierende Organisation Pro Atlantico einen Ausflug nach Nazaré und Óbidos. Die erste Tageshälfte verbrachten die vielen mitgekommenen Freiwilligen und ich an der windigen Küste Nazarés, das Surferparadies, welches bekannt für wilde und gigantisch hohe Wellen ist. Nach ausgiebigem Genuss der Meeresbrise, oben auf dem Marktplatz vor der Klippe, gekauften Mandelkeksen und einer wunderschönen Landschaft ging es zum zweiten Ziel unserer Reise: Óbidos. Das kleine Örtchen liegt südlich von Nazaré und nicht direkt am Atlantik. Es ist berühmt für seine malerische Lage auf einem Hügel in mitten einer zauberhaften Landschaft, umfasst von einer gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer, auf der man das Dorf gänzlich umrunden kann. Gemütliche, alte Gassen führten uns von Weingeschäften, einer alten Bibliothek, einigen Cafes und Restaurants hin zur zentralen Kirche des Dorfes. Gerade ging die Sonne langsam unter und man konnte von einem atmosphärischen Aussichtspunkt in jede Himmelrichtung blicken. Bis dato ist Óbidos das schönste Örtchen in Portugal, welches ich gesehen habe.

Tagesauflug nach Sintra

Am darauf folgenden Wochenende machte ich mit drei meiner Mitbewohner einen Tagesausflug in das mystische Sintra, etwa 25 Autofahrminuten von Oeiras, meinem Wohnort, entfernt. Wir besuchten „Quinta da Regaleira“, ein imposanter und einzigartiger Garten am Hang eines Hügels in Mitten des Waldes mit unüberschaubaren Details in Form von Wandverzierungen, Skulpturen, Malereien, einem zentralen „Wohnpalast“ des ehemaligen Besitzers, einem unterirrdischen Labyrinth, begehbaren Brunnen, Trampelpfade, exotische Pflanzen und weiteren Geheimnissen, die wir wahrscheinlich gar nicht alle haben entdecken können. Danach stiegen wir in das Zentrum des Städtchens herab, wo wir nach einem Mittagessen, einem Kaffee und den für Sintra typischen „Queijada de Sintra“, kleinen Käsekuchentörtchen, wieder in Richtung Wald spazierten. Am Berghang angekommen beschlossen wir das alte maurische Kastell an der Spitze des Hügels zu erreichen. Der Weg zu der Festung führte durch frisch duftenden Wald, kleine und steile Gassen, vorbei an alten Hütten  und schönen Ausblicken auf das Zentrum Sintras. Nur die Geräusche unserer Schuhsohlen beim Heraufwandern, die Stimmen der Vögel und das Rauschen der Blätter waren zu hören. Oben angekommen, war das Kastell dann doch schon geschlossen – wir waren zu spät. Aber der Weg ist ja bekanntlich das Ziel und jetzt habe ich Grund genug wiederzukommen!

On-Arrival-Training in Almada

Vom 03. bis zum 08.12.18 waren einige Mitfreiwiliige von ProAtlantico und ich auf dem „On-Arrival-Training“ in Almada, der anderen Flussuferseite gegenüber von Lissabon. Hier kamen Freiwillige aus ganz Portugal zusammen und wir lernten in einer Woche durch Rollenspiele, Gruppenaufgaben, selbstreflektierenden Tätigkeiten und der gemeinsamen Freizeit eine Menge über uns selbst, den Wert unseres EFDs, andere Menschen und Philosophien kennen. Mit frischem Wind, wertvollen und lustigen Erinnerungen, prägenden Erfahrungen und vielen neuen netten Kontakten europäischer Freiwilliger, in ganz Portugal lebend, kehrte ich zurück nach Hause und war glücklich.

Denke ich zurück an die letzten 2,5 Monate, die ich ja erstaunlicherweise bereits hier bin, habe ich so Vieles gelernt. Dazu gehört zum Beispiel, sich selbst nicht zu verkaufen und seine Philosophie auch auszuleben, nicht den Prinzipien anderer nachzugeben und seine zu vergessen. Auch gehört dazu, dass der Wert des Lebens und damit auch meine Laune stets von mir selbst abhängt. Es kann sonst was passieren, was mir nicht passt, das Leben trägt keine Verantwortung dafür, was ich daraus mache. Ich bin dafür zuständig. Das Leben ist wunderschön und es gibt so viele intelligente, aufgeschlossene, kreative und motivierte Menschen da draußen, dass mir im Grunde genommen gar nichts anderes übrig bleibt, als optimistisch in die Zukunft zu blicken!

Bis demnächst,

David

 

 

 

 


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