So, da Simma wieder!

März 2019, 18 Grad in der Mittagssonne und mein noch schlafender ungarischer Zimmernachbar 1,5 Meter von mir entfernt im gegenüberliegenden Bett. Vor gut einem Jahr begann für mich und meine Mitschüler die heiße Vorbereitungsphase für die Vorabiturprüfungen und damit auch die Abschlussprüfungen des Gymnasiums. Denke ich daran zurück, erfüllt mich ein angenehmes und heimisches Gefühl, vor allem, da ich mit meinen besten Freunden zusammen die Zeit genoss und mir zusätzlich die Lerninhalte meiner Leistungs- und Grundkurse, welche ich ins Abitur gewählt hatte, große Freude bereiteten.

Diese Gedanken spielten im Februar für mich eine sehr große Rolle, da der zweite Monat des Jahres für mich diese Assoziation mit der Zielgeraden meiner Schullaufbahn mit sich bringt.

Mein Februar

Mein Februar begann ganz entsapnnt mit zwei Freunden in einem schönen restaurierten Museum für zeitgenössische Kunst mit leitenden Elementen der Technik- und Roboterforschung am sonnigen Flussufer des Tejo. Am selbe Tag zog eine weitere und damit die letzte Bewohnerin in unsere Wohnung in Oeiras ein, nämlich eine 20-jährige Slowakin, welche eine Woche später auch ihren ersten Arbeitstag im Projekt hatte (in dem selben Projekt, wo auch ich arbeite). Ich führte sie also durch den Arbeitsalltag, erklärte ihr Dies und Das und stand ihr mit Rat und Tat zur Seite. Ihre Integration in das portugiesische Arbeitsleben ist natürlich noch nicht abgeschlossen, jedoch hat sie sich bis jetzt wirklich gut und mit Freude in die bestehenden Strukturen einfügen können.

Für die Senioren in meinem Projekt habe ich das traditionelle deutsche Brettspiel „Mensch Ärgere Dich nIcht!“ mit dicker Pappe, weißem Papier, Farbe, Kleber, Schere und kleinen geschnittenen Korkscheibchen gebastelt und die Spielregeln säuberlich auf Portugiesisch abgetippt und in einem Schnellhefter für die Ewigkeit gewappnet. Das Spiel wurde mit großem Interesse und Spaß von den Damen und Herren beäugt und gespielt.

Ausflug nach Lousã

Kurz darauf machte ich mich auch schon auf den Weg in das geographische Herz Portugals, nämlich nach Lousã, einem kleinen Städtchen 45 Busminuten von Coimbra und 225 Km in Richtung Norden von meinem Wohnort entfernt. Ich besuchte dort nämlich eine Freiwillige aus Sankt-Petersburg, die ich auf dem On-Arrival-Training im Dezember kennen gelernt und die mich eingeladen hatte, sie zu besuchen. Wir wanderten durch die Wälder, über die hügelige Landschaft und durchquerten alte Schiefer-Dörfer (die Häuser/Hütten in diesen winzigen Dörfchen bestehen nur aus Schieferstein, welcher in dieser Region in großer Zahl zu finden ist). Wir unterhielten uns gut, hörten Musik, kochten und hatten ein echt schönes Wochenende. Ich blieb dort von Samstag bis Montag früh, bevor ich auf direktem Wege den Bus zurück nach Lissabon nahm und zur Arbeit ging.

Langsam wurde es immer wärmer und tagsüber schaffte es die Sonne, die Luft mit angenehmen 18 Grad zu erhitzen. Meine Mitbewohner, andere Freiwillige und ich besuchten immer häufiger den Strand und Einige stürzten sich sogar schon in die immer noch kalten und starken Wellen des Atlantiks.

Des Weiteren besuchte ich mit einem österreichischen Freiwilligen, einem mittlerweile echt guten Bekannten, das Europa-League-Sechzehtelfinal-Rückspiel zwischen Benfica Lissabon und Galatasaray Istanbul, was eine interessante Erfahrung war, da ich direkten Einblick in die portugiesische Fankultur warf und damit auch ein Stück Lissaboner Tradition hautnah erlebte. Das Spiel ging 0-0 aus und wird wohl kaum als Höhepunkt der Vereinshistorie in Erinnerung bleiben.


Karneval

Zum Ende des diesjährigen kurzen Februars ging es dann in meinem Projekt noch einmal feierlich hoch her, denn Karneval stand vor der Tür. Ursprünglich entspringt der Karneval ja aus einer religiösen Idee. So oft ich jedoch versuchte, durch Erfragen und Umhören von und unter Einheimischen die genaue Intention des Festtages herauszubekommen, stieß ich auf Ahnungslosigkeit.

Dieses Beispiel zeigt für mich bestens, ohne mich darüber abfällig oder arrogant äußern zu wollen, dass die Lebensgestaltungen von den meisten Menschen blind und unkritisch übernommen und ausgelebt werden und dass der Sinn hinter bestimmten Beschäftigungen überhaupt nicht mehr wichtig ist, solange die Mehrheit der Gesellschaft dahinter steht. Das hat für mich etwas Automatisiertes, etwas Abgestumpftes, Schlafendes (und daas ist im Übrigen natürlich längst nicht nur hier in Portugal so).
Wie auch immer, im Senioren- und im Jugendzentrum liefen wir verkleidet herum, hörten Musik, spielten Spiele und hatten Spaß bei gemeinsamen Gesangseinlagen und Tanzschritten. Die gemeinsame Freude war für mich auch das Schönste an Karneval und ich genoss die ausgelassene Stimmung mit Jung und Alt. Ich wünsche mir von Herzen, dass baldig eine gute Stimmung nicht mehr von einem gesetzlich vorgegebenen Feiertag im Kalender abhängt, sondern von den Gefühlen der Menschen.

Ich habe sehr viel gelernt in diesem Februar 2019, neue Fleckchen Portugals erkundet und die Zeit unfassbar genossen. Auf den März freue ich mich jezt schon!

In diesem Sinne, macht´s Gut und seid zufrieden.

 


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