Lesedauer: 6-10 Minuten

Γεια σου! Willkommen auf meinem Blog. Für die nächsten 10 Monate, die ich auf der traumhaften griechischen Insel Skiáthos (Σκιάθος, https://www.google.com/maps/place/Skiathos ) verbringen werde (welche die Meisten aus ‚Mamma Mia‘ kennen), wird jeden Monat ein neuer Blog hochgeladen mit den drei E’s: Eindrücke, Erfahrungen, Erlebnisse. Da meine Leser zwischen 13 und 100 Jahren alt sind, kann ich nicht versprechen, dass jeder Blog auf jeden passend zugeschnitten ist. Bei näherem, detaillierterem Interesse freue ich mich sehr über Kommentare/ Emails/… .

Ich bin nun seit dem 15. August, also am Erstellungsdatum 17 Tage, auf Skiathos. In diesen gut zwei Wochen ist aber schon so unglaublich viel passiert. Über Einiges werdet ihr im Folgenden Näheres erfahren.

Meine Ankunft:

Ich wurde von meinen Eltern und meinem Freund zum Flughafen in Hamburg gebracht und dort verabschiedet. Natürlich floss die ein oder andere Träne, allerdings war ich so voller Vorfreude, dass ich gar nicht wirklich traurig sein konnte. Ich wollte, dass es endlich los geht! In Athen angekommen, bin ich mit meiner Geige auf dem Rücken, einer riesigen Tasche über der Schulter und zwei großen Koffern rechts und links durch den fremden Flughafen gesprintet. Alles sehr knapp geplant, aber es hat doch gepasst. Eine Nacht Couchsurfing mit meiner Koordinatorin und ihrer Tochter und am nächsten Morgen früh weiter 1 Stunde mit dem Bus und dann ungefähr 3 Stunden Fährfahrt auf die Insel.

Als wir langsam auf die Insel zu tuckerten, traute ich meinen Augen nicht. Wie mein Bruder später auf ein Foto von mir meinte:

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‚Junge, das sieht ja unnormal aus!! Wie auf sonem Prospekt‘.

Dazu konnte ich nur Amen sagen. Wir kennen doch alle diese perfekten Photoshop ‚Traumreiseziel‘-Flyer. Aber genau so sieht es hier in Wirklichkeit aus!

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Da die Schule noch nicht begonnen hat, laufen auch die Projekte noch nicht. Daher hatte ich viel Zeit, mich neben 3000 Touristen durch die Stadt zu drängeln. Wann immer eine neue Fähre anlegt, hat man das Gefühl, die Invasion stehe direkt bevor. (Ich habe leider kein Foto von der Invasion, nur von den schönen, leeren kleinen Gassen, aber believe me, die Hauptstraße ist VOLL mit Touries!)

Es gibt 66 Strände auf dieser 14 km langen und 10 km breiten Insel, aber ich habe erst 6 davon gesehen, shame on me. Aber zu meiner Rechtfertigung (weil ich mich immer rechtfertigen muss, sorry Johannes):

  1. In einigen Wochen werden die meisten Touristen verschwunden sein und dann ist es schöner die Strände zu exploren.
  2. Es gibt einen winzigen Steinstrand, der nur unter den ‚Locals‘ bekannt ist, wo man mit maximal 10 Personen das Wasser teilt. Der ist nur 7 Minuten zu Fuß von meiner Wohnung entfernt, wohingegen alle anderen Strände mit dem Bus angefahren werden müssen.
Meine Unterkunft:

Ich wohne in einer Wohnung mit meiner Koordinatorin, ihrem Freund, ihrer Tochter, der Katze Ivi und Rainbow, dem Hund. Mein Zimmer ist klein und es stehen drei Betten darin. Die Küche ist ganz gut, mit allem Möglichen ausgestattet, eben ein riesiges Sammelsurium. Das Bad möchte ich eigentlich gar nicht erwähnen. Das war der erste Schock, den ich hier hatte. Die Dusche ist das gesamte Badezimmer (Boden und Toilette werden komplett nass beim Duschen) und als Abfluss dient ein ekliges Loch irgendwo mitten im Raum. Für den Sommer mag das gehen, weil man sowieso barfuß läuft. Aber im Winter wird das nicht besonders schön. Ich bin am Überlegen, wie man eine DIY (do it yourself) Duschwanne bauen kann… .

Es gibt einen Garten, den ich noch nicht gesehen habe, weil der Weg dorthin unwegsam ist, und einen schönen Balkon, auf dem Kissen am Boden liegen, sodass er ein gemütliches Plätzchen zum Plaudern, Essen, Tagebuch schreiben oder Siesta machen bietet. An sich ist das Haus komplett zugestellt mit irgendwelchen Sachen, die wahrscheinlich noch nie gebraucht wurden und auch niemals in Gebrauch genommen werden.

Fun fact: 

An meinem 4. Tag habe ich 3 Stunden ein 2 m^2 großes Bad geputzt, das seit über einem Jahr nicht mehr bedacht wurde (und zugestellt war mit Dingen, die sicherlich überall gelagert werden könnten, aber doch bitte nicht auf der Toilette!). Der von mir ins Gesicht geschriebenem Ekel beim Anfassen einer einigermaßen sauberen Mülltüte bewegte mich dazu, das Bad bis in den hintersten Winkel zu schrubben. Ich war selbst von mir überrascht.

Lebenssituation:

Eigentlich hätte es eine andere Freiwillige geben sollen, aber die ist schon seit Längerem nicht mehr hier und kommt auch nicht wieder… . Deshalb schlafen hier nur immer wieder Couchsurfer für ein paar Nächte. Zum Glück ist eine Spanierin, über Workaway (https://www.workaway.info), für 3 Wochen hier. Denn ehrlich gesagt, so schön es auch ist viele neue Leute zu treffen, es bleibt niemand lange genug, als dass man eine richtige Freundschaft aufbauen könnte. (Naja, immerhin habe ich dadurch schon viele Reiseziele in Europa, wo ich umsonst unterkommen kann.) Meistens wollen die dann etwas zusammen unternehmen, aber ich will eigentlich ‚Locals‘ kennenlernen. So hat es den Anschein, dass ich schon Anschluss gefunden habe, was ja aber nur eine Illusion ist. Es ist, zu meiner Verteidigung, auch hart im Sommer mit Einheimischen wirklich ins Gespräch zu kommen, da man sowieso für eine Touristin gehalten wird. Außerdem arbeiten die Inselbewohner auf Skiathos die ganze Saison über unglaublich hart. Der Sommer ist deren einziges Einkommen für das gesamte Jahr. 7 Tage die Woche, bis zu 12 Stunden. Und das Gehalt ist sehr, sehr niedrig, wie wir wissen. Wenn außerhalb der Saison größere Kosten anfallen, wie kleine Reparaturen oder Sonstiges, wissen alle, dass vor Saisonstart überhaupt kein Geld irgendwie den Besitzer wechseln KANN. Aber da es allen hier so geht, ist das in Ordnung.

Dance Festival Skopelos:

Einige der Freiwilligen (ich ganz links)

Nach 10 Tagen in Griechenland ging es erstmal für 4 Tage auf das riesige, national berühmte Dance Festival auf der Nachbarinsel Skopelos. Dort habe ich als Volunteer mitgeholfen. Hunderte von Tänzern und Tänzerinnen aus allen Regionen Griechenlands sind das 6. Jahr in Folge angereist, um ihre traditionellen Kleider und Volkstänze zu präsentieren. Ich wurde einem griechischen Freiwilligen zugeteilt, mit dem ich verantwortlich für eine Tanzgruppe von Zypern war.

Joyce (meine ‚Gastschwester‘) und ich

Leider spreche ich ja noch kein Griechisch außer „Hallo“, „Tschüss“, „Wie geht’s?“ und „Wie heißt du?“. Ich kenne zwar schon viele Vokabeln, aber es ist noch sehr schwierig Sätze zu bilden oder mehr als nur einzelne Wörter zu verstehen. Überraschenderweise war kaum einer der Anwesenden auf dem Festival bereit auf Englisch zu sprechen, was ich als meinen zweiten Schock bezeichnen würde. Denn das hatte ich so nicht erwartet! Ich hatte die Griechen sonst immer als unglaublich aufgeschlossen und freundlich erlebt. Das hat mich sehr verärgert, weil es dadurch sehr schwierig war, mit Leuten in Kontakt zu treten. Mein Teampartner Αγαθάγγελος konnte zum Glück ganz gut Englisch und hat immer für mich übersetzt und mich mit zu seiner ‚Squad‘ genommen. Da die nicht alle so gut Englisch sprachen, wurde immer auf Griechisch geredet (obwohl sie mich eigentlich erfreut und freundlich aufgenommen haben), sodass ich abhängig von meinem Partner war, der gutmütig bis morgens um 5 Uhr für mich übersetzt hat. Die einzelnen Personen aus der Freundesgruppe waren sehr nett und mit einigen haben ich mich auch privat mal auf Englisch unterhalten. Ein Vorteil war: Ich habe so viel Griechisch gehört, dass ich mich auf einmal sogar getraut habe, einen Satz auf Griechisch einfach raus zuhauen, wofür ich von meinem Teampartner einen bewundernden Seitenblick geerntet habe. Alleine das war es wert. 😀

Die drei Shows an den Abenden waren atemberaubend. Die Tänze waren teilweise klasse und teilweise unfassbar, natürlich für mich auch sehr befremdlich aber wirklich eindrucksvoll. Einfach aussehende Tänze haben oft die komplexesten Schrittfolgen, wo man bei näherem Hinsehen echt nur einen Knoten im Gehirn bekommt. (Ich wollte Videos und Fotos hochladen, aber die Videos hatten zu große Dateigrößen und die Fotos konnten aus unerfindlichen Gründen nicht hochgeladen werden. Bei Interesse kann ich gerne Fotos privat schicken. Es lohnt sich wirklich, das verspreche ich!)

Ich habe mich so sehr in die griechische Volksmusik verliebt, dass ich höchstwahrscheinlich Geigenunterricht in griechischer Musik nehmen werde. 🙂

An einem der Tage wurde ein Ausflug in einen anderen Ort gemacht, mit anschließender Beachparty. Und zwar am berühmten Mamma Mia-Strand!! Das war extrem lustig, obwohl es bald anfing zu gewittern und stürmen, aber das hat niemanden davon abgehalten zu tanzen. Ich würde sagen, DAS ist typisch griechisch: Das Leben genießen, so wie es einem gerade geboten wird. Nachts wurden die Gewitter schlimmer und der Regen wurde zunehmend dichter, sodass für ca. 6 Stunden gar kein Strom auf der Insel zur Verfügung stand. Es fing an, als ich auf dem Rückweg zu meiner Unterkunft war, hinten auf dem Scooter einer anderen Freiwilligen. Plötzlich gingen alle Straßenlaternen aus und wir sahen trotz des kleinen Lichtes nicht mehr, wo die Straße weiterging. Mit dem Regen und dem unheimlichen, beständigen Grollen war das keine tolle Sache. Als ich endlich in meinem Bett lag, ging es aber erst richtig los. Für knappe 2 Stunden krachte und blitzte es unaufhörlich, da die Wolken in dem Tal, DIREKT über uns, ‚gefangen‘ zu sein schienen. Da die griechischen Häuser für solche Zwischenfälle nicht gebaut sind, zeigten sich an den seltsamsten Orten auf dem Fußboden Wasserlachen. Es war nicht nachvollziehbar, wie dort Wasser in einem normalen Haus hätte hinkommen können.

Das Griechische Feierverhalten:
  1. Vor Mitternacht anfangen zu feiern ist langweilig
  2. Vor 4 am schlafen gehen ist nicht akzeptabel
  3. Am nächsten Morgen muss deswegen aber keineswegs ausgeschlafen werden!
  4. Eine Mische Vodka-Cola besteht aus 95 % Vodka, 3 % Cola und 2 % Eiswürfeln
  5. Auf einer guten Party muss abwechselnd 30 Minuten Volksmusik und 30 Minuten Partymusik gespielt werden
  6. Everyday is Partyday
Das griechische Verständnis von Freundschaft:

Einmal habe ich zu meinem Teampartner gesagt, ich würde am Abend mal nicht mitkommen, damit er mit seinen Freunden ohne mich als Anhängsel feiern kann, aber darauf meinte er, das käme nicht in Frage, ich sei doch jetzt Teil des Teams. Woraufhin ich dachte: Hooow?! Ich habe nur mit 4 von 10 Leuten gesprochen. Später erzählte mir meine Koordinatorin, dass Griechen sehr schnell jemanden als Freund bezeichnen, es zwar auch so meinen, aber in der griechischen Kultur das nicht wirklich viel bedeutet. So ergibt das auch Sinn, dass mich eine Freiwillige, die mich immer böse angeguckt hat, zum Abschied stürmisch umarmt hat, als seien wir jahrelang Freunde gewesen.

Was mache ich eigentlich hier den lieben langen Tag?

Wie gesagt, werde ich erst in meinem nächsten Blog (10. Oktober) über meine Projektarbeit berichten können.

Im Moment liege ich viel am Strand, gehe abends durch die Stadt mit Freunden, schlafe spät und lange, lerne viel Griechisch, gehe ab und zu mit Rainbow joggen (beste Motivation!) und war sogar einmal morgens um 7 Uhr wandern! Ich genieße die freie Zeit schon sehr.

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Trotzdem freue ich mich total darauf, wenn die Projekte starten, denn ehrlich gesagt ist mir auch relativ langweilig. Es ist schon jetzt leider abzusehen, dass ich, selbst wenn die Projekte anfangen, kaum etwas zu tun habe. Von daher werde ich trotz der übertrieben hohen Preise hier versuchen zu sparen, um dann viel reisen zu können.

Jeden Tag sollte ich 30 Minuten nur auf Griechisch sprechen mit meiner Koordinatorin und zweimal pro Woche hätte ich bei ihr und ihrem Freund Griechischunterricht, aber das ist die Theorie.  In der Praxis lerne ich alleine mit Duolingo (#keineWerbung, leider nicht gesponsort) und einem Buch. Ab und zu werde ich auf Griechisch zugequasselt. Aaaaber es zeigen sich Fortschritte!

Noch ein (Fun-)Fact:

Die Mücken hier sind wirklich undercover unterwegs! Die sind sooo leise, man denkt, man schläft in einem Mücken-reinen Zimmer und wacht dann aber leider mit 15 Mückenstichen auf (real Talk!). Und die haben alle Nitro getankt, die sind echt unglaublich fix!! 🙁

Fazit (weil ich das so in der Schule gelernt habe):

Im Großen und Ganzen geht es mir hier sehr gut. Ich habe Spaß, lerne viele Leute kennen, komme mit Griechisch lernen gut voran und freue mich sehr auf die Arbeit und meine Reisen. Zwischendurch geht es mir nicht ganz so gut, man hinterfragt bei so viel Freizeit dann doch zu viel.

Ich glaube, das sollte für den ersten Blog reichen. Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt!

Und bis zum nächsten Mal.

Liebe Grüße, Sabeth


1 Comment

Rüdiger · 25. September 2018 at 18:17

Super gut geschrieben! So lustig, so locker, so leicht!
Und doch sind viele wichtige Erkenntnisse darin, und ich konnte mich ganz gut in deine Welt einfühlen.
Da steckt viel Arbeit dahinter! Danke danke danke.

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