Hier findest du interessante Informationen über Italien, geschrieben von ehemaligen Freiwilligen.

Steckbrief

Hauptstadt                                       Rom

Einwohner                                        60.359.546

Fläche                                               301.338 km²

Landessprache(n)                          Italienisch (sowie Minderheitensprachen)

Regierungsform                             Parlamentarische Republik

 

Lage und Geographie

Italien liegt im Süden Europas und hat in etwa die Form eines Stiefels. Es grenzt an Frankreich, die Schweiz, Österreich und Slowenien und an die beiden Enklaven San Marino und Vatikanstadt.

Die Geographie Italiens ist sehr vielseitig: Italien besitzt ca. 7.600 km Küste zum Mittelmeer und ist im Norden geprägt von den Alpen, von denen ein großer Teil zu Italien gehört (Höchster Berg: Mont Blanc/Monte Bianco, 4810 m), und der flachen Po-Ebene. An den Norden schließt sich der Apennin (Gebirgszug) an, der bis zu 2912 m hoch ist. Zu Italien gehören auch die beiden großen Mittelmeerinseln Sizilien und Sardinien und viele kleine Inseln sowie aktive (Ätna) und weniger aktive (Vesuv) Vulkane. Immer wieder wird der Süden Italiens von kleineren und größeren Erdbeben getroffen, wie im August 2016 in Amatrice (Stärke: 4,4).

Sprache

Die Landessprache Italiens ist Italienisch. Das Italienische gehört zusammen mit dem Französischen, Spanischen, Portugiesischen und Rumänischen zu den romanischen Sprachen und ist im Vergleich zum Deutschen viel einfacher zu lernen. Wie im Deutschen gibt es auch im Italienischen eine Vielzahl an Dialekten, die sich sehr voneinander unterscheiden. Außer dem Italienischen gibt es noch weitere regionale Amtssprachen: Deutsch, Ladinisch, Slowenisch und Französisch.

Kultur

Italien ist kulturell betrachtet eines der reichsten Länder der Welt. In keinem anderen Land der Welt gibt es so viele UNESCO-Welterbestätten! Von römischen und griechischen Ruinen aus der Antike über Renaissance-Architektur und -Kunst, einer Vielzahl an Kunstmuseen, Opernhäusern und mittelalterlichen Städten gibt es in Italien einfach wahnsinnig viel zu sehen! Die Städte und Sehenswürdigkeiten, die ich während meinem EFD gesehen habe – Bologna, Verona, Venedig, Mailand, Genua, Florenz, Rom, Neapel, Siena, Pisa, Lucca, Cinque Terre, Pompeji – sind definitiv sehenswert, aber nur ein Bruchteil von dem, was sich in Italien zu sehen lohnt. Und nicht wenige italienische Maler, Komponisten und Schriftsteller sind heute weltbekannt, wie Leonardo da Vinci, Michelangelo, Caravaggio, Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini und Umberto Eco.

 

 

 

 

 

Leben in Italien

Da gibt es zwischen dem Norden und dem Süden riesige Unterschiede. Während es im Norden eher geordnet zugeht und die Menschen tendenziell reservierter sind, geht es im Süden deutlich chaotischer zu und die Einwohner sind eher offen und verbringen mehr Zeit draußen mit ihren Nachbarn und der lokalen Gemeinschaft. Der Unterschied zwischen Ordnung und Chaos zeigt sich z.B. im Verkehr, bei der Pünktlichkeit, bei öffentlichen Verkehrsmitteln oder der Müllentsorgung. Essen und Getränke sind aber überall gleich gut. Ob Pizza, Pasta, Fleischgerichte, Eis, Wein, Aperitivo, Kaffee oder Süßgebäck, es ist für jeden etwas dabei!

Sonstiges zum Thema Essen:

  • In Italien wird viel und guter Kaffee getrunken, meine Favoriten sind Caffè macchiato (Espresso mit aufgeschäumter Milch), Caffè americano (Kaffee schwarz) und Cappuccino.
  • In der Pizzeria am besten einfach eine Pizza Margherita bestellen, da ist außer Tomatensauce, Mozzarella, Olivenöl (!) und Basilikum nichts drauf, weshalb man die wenigen Zutaten und den Teig viel intensiver schmeckt. Aber bitte niemals eine Pizza Hawaii!
  • Völlig zu Unrecht fristen die „Spaghetti all’amatricana“ gegenüber den Nudelgerichten aus Bologna wie Spaghetti Bolognese oder Lasagne ein Nischendasein.
  • Italiener gehen am liebsten abends, wenn es schon etwas abgekühlt hat, zur Eisdiele. Eisdielen haben für gewöhnlich bis 23 Uhr oder sogar bis Mitternacht geöffnet.
  • Die Auswahl an Weinen ist groß und jede Region hat ihre charakteristischen Sorten; in Südtirol sind das Lagrein und Gewürztraminer. Im Vergleich zu Deutschland trinken Italiener mehr Wein und weniger Bier.
  • Der Aperitif, italienisch Aperitivo, ist mehr als nur ein Getränk, eher ein Lebensgefühl. Er wird zu unterschiedlichen Anlässen getrunken, z.B. nach Feierabend mit Kollegen, abends mit Freunden, als Starter vor dem Essen mit der Familie, am Wochenende vormittags nach dem Einkauf, während der Pause im Konzerthaus und und und. Am weitesten verbreitet ist der Aperol Spritz, dazu werden Snacks gereicht, z.B. Chips, Oliven oder gesalzene Erdnüsse. Aperitivo bedeutet für mich vor allem, Zeit gemeinsam mit Menschen, die ich mag, zu verbringen.
  • Das beste Süßgebäck gibt es in Neapel (und auch die beste Pizza).
  • In Italien kann man für wenig Geld gut essen gehen oder ausgehen. Sogar im eher teuren Südtirol bekommt man in der Bar Aperol Spritz ab 3,50€ und einen Liter Wein ab 10€. Cappuccino kostet meistens nur 2€ oder weniger und für meine beste Pizza Margherita, die ich in Italien hatte, habe ich in Rom unweit vom Pantheon nur 5€ bezahlt.

 

Südtirol/Alto Adige

Da ich meinen EFD in der nördlichsten Provinz Italiens, Südtirol, gemacht habe und Südtirol ganz anders als der Rest Italiens ist möchte ich „meiner“ Provinz einen eigenen Abschnitt widmen. Wie in der Überschrift zu sehen ist, ist Südtirol/Alto Adige zwei- bzw. sogar dreisprachig. Es wurde als Folge des Ersten Weltkriegs vor ziemlich genau 100 Jahren von Österreich an Italien abgetreten. Noch heute wird dort mehrheitlich Deutsch gesprochen und obwohl Südtirol weitreichende Autonomierechte besitzt und sich italienische und Tiroler Kultur zumindest in Bozen immer mehr vermischen fühlt sich ein Teil der Bevölkerung noch immer eher Österreich als Italien zugehörig. So hat heute (10.09.2019), einhundert Jahre nach der Teilung Tirols, etwa die Südtiroler Tageszeitung Dolomiten in weißer Schrift auf schwarzem Grund getitelt „Der schwarze Tag für Tirol – Heute vor 100 Jahren wurde die Zerreißung des Landes besiegelt“ und der Chefredakteur bezeichnet die Brennergrenze als Unrechtsgrenze und schreibt „Unrecht bleibt Unrecht – auch nach 100 Jahren“ (Dolomiten, 10.09.2019).

So düster habe ich Südtirol aber nicht erlebt – ganz im Gegenteil! Südtirol hat in etwa eine halbe Million Einwohner (genannt Südtiroler), die Landeshauptstadt ist Bozen und es liegt komplett in den Alpen. Es gibt drei Sprachgruppen: Deutsche/Tiroler (ca. 62%), Italiener (ca. 23%) und Ladiner (ca. 4%), der Rest entfällt auf Sprachen von Einwanderern. Italienisch wird fast ausschließlich in Bozen und Umland gesprochen und Ladinisch in wenigen Tälern, ansonsten Südtiroler Deutsch. Deswegen sind Straßenschilder, Durchsagen im Zug, amtliche Dokumente und das Theater-/Kinoprogramm in Bozen zweisprachig. Daneben gibt es Schulen, Zeitungen, Radiosender usw. sowohl in deutscher als auch in italienischer Sprache. In dieser Situation entstehen manchmal komplett neue Wörter, wie Identitätskarte (carta d’identita) für Ausweis oder Handwerkerzone (zona artigianale) für Gewerbegebiet und in der Umgangssprache eine Mischung aus Italienisch und Südtirolerisch.

Und genau diese Mischung macht Südtirol aus: Italienisch oder Deutsch, Pizza oder Speckknödelsuppe, Corriere della Sera oder Dolomiten (Zeitung), Radio Italia oder Südtirol1, Lederhosen oder Maßanzug, Skifahren am Ortler (3905 m) oder Schwimmen im Kalterer See/Lago di Caldaro (geht auch beides an einem Tag), Linzertorte oder Pandoro und dann ist man auch noch in vier bis viereinhalb Stunden mit dem Zug ohne umzusteigen in München oder Rom – besser geht es kaum! Und auch wenn Italiener und Tiroler noch immer eher nebeneinander her als zusammen leben sind mittlerweile mehr Menschen zweisprachig und die beiden Sprachgruppen vermischen sich mehr und mehr. Abschließend noch ein paar Sehenswürdigkeiten: Bozen mit den Lauben, St. Magdalena und Oswaldpromenade, Rittner Bahn, Kalterer See/Lago di Caldaro, Pragser Wildsee/Lago di Braies, Dolomiten und Drei Zinnen, Weißhorn/Corno Bianco mit Bletterbachschlucht, Karersee, Castelfeder, Brixner Dom, Klausen und das Kloster Säben.